Kritik: HARRY POTTER UND DIE HEILIGTÜMER DES TODES / AND THE DEATHLY HALLOWS PART 1 [2010]

Ein Jahr nach dem verkorksten Harry Potter und der Halbblutprinz bringt Yates auch die erste Hälfte des letzten Buches auf die Leinwand, und die Erwartungen meinerseits waren dementsprechend gering. Im Grunde war es nur noch das Bedürfnis, zumindest alle Filme gesehen zu haben und weniger der Wunsch oder gar die Vorfreude, den Film unbedingt gucken zu wollen. Es muss jedoch dazugesagt werden, dass es zumindest zwei gute Ideen vor dem Kinostart gab: Die eine war es, den letzten Band in zwei Filme aufzuteilen, was sicherlich aus mehr-Geld-verdienen-Gründen geschah, die Angst vor unnötigen Kürzungen aber etwas linderte. Die zweite gute Idee kam jedoch erst kurz voher: Harry Potter and the Deathly Hallows erscheint entgegen bisherigen Überlegungen doch nicht in 3D, und kein 3D ist immer noch besser als Möchtegern-3D, wie es bei Kampf der Titanen der Fall gewesen sein soll. 3D wird sowieso überschätzt.

Gespannt war ich jedenfalls, wie der Film die durch die Vorgängerfilme selbst gestellten Probleme löst – die ja seinerzeit nur durch unverständliche Auslassungen oder Abwandlungen der Story entstanden. Das beim Halbblutprinzen der Fuchsbau zerstört wurde, in welchem Bill und Fleur eigentlich noch heiraten wollen, ist da noch das geringere Übel, den kann man ja wieder aufbauen. Wenn man denn erstmal akzeptiert, dass die beiden „plötzlich“ heiraten. Nachdem man Bill dann überhaupt erst mal kennengelernt hat. Und Harry und Ginny sind ja auch nicht mehr zusammen; wenn ich mich recht erinnere, wurde die Trennung filmisch noch gar nicht erwähnt. Und wenn der Opener des Films nicht aus Dumbledores Beerdigung besteht, dann weiß ich auch nicht…

Doch worum geht es überhaupt? Vor seinem Tod beauftragte Dumbledore Harry damit, Voldermorts Horkruxe zu finden und zu zerstören. In die Horkruxe hatte dieser seinerzeit seine Seele aufgeteilt, um auf diese Weise unsterblich zu werden – jeweils in dem er einen Menschen tötete. Tom Riddles Tagebuch war einer davon (siehe H.P. & die Kammer des Schreckens), und ebenso das Medaillon, welches Dumbledore zusammen mit Harry im letzten Band gefunden hatte – welches allerdings nur eine Kopie war. Einen dritten Horkrux, den Ring von Vorlost Gaunt, hatte Dumbledore zu diesem Zeitpunkt schon zerstört. Jetzt liegt es an Harry, Ron und Hermine, zum einen das Original-Medaillon zu finden und zum anderen die restlichen Horkruxe… um schließlich Voldemort für immer zu besiegen.

Man kann es erahnen: Selbst wenn man keines der Bücher gelesen hat, ohne Kenntniss der Vorgängerfilme wird es schon schwierig. Wenn man nun noch bedenkt, dass sich das letzte Buch auf Dinge bezieht, die in den Vorgängerfilmen ignoriert wurden, wird es schon schwieriger, dem Ganzen zu folgen, selbst wenn man die Filme kennt. Als kompletter Neueinsteiger hat man, und da kann man das Buch auch Seite für Seite verfilmen und ein 10 Stunden-Epos daraus machen, sowieso verloren. Zumindest hatte ich mir im Vorfeld fest vorgenommen, den Film unabhängig vom Buch zu betrachten, denn die Filme laufen, wie oben schon erwähnt, sowieso mehr oder weniger unabhängig davon. Selbst wenn die Horkruxe in diesem Film überhaupt gar nicht erwähnt werden würden, es sollte mir egal sein. Selbst wenn der Protagonist plötzlich Kurt heißt, solange das innerhalb des Films schlüssig ist, warum nicht.

Hatte ich mir so überlegt.

Hat aber so nicht ganz funktioniert.

Denn obwohl die Horkruxe tatsächlich erwähnt werden (!) und Harry nicht Kurt heißt, funktioniert das alles nicht 100% so wie gewünscht. Zum einen wird Dumbledores Beerdigung nicht nur nicht am Anfang, sondern der Einfachheit halber gar nicht gezeigt, geschweige denn erwähnt. Harrys Beziehung zu ihm ist dem Film egal, fast die komplette Sache mit Ritas Biografie wird außen vor gelassen, und somit auch Harrys starke Zweifel, ob er Dumbledore überhaupt richtig kannte – es wird kurz erwähnt, das muss reichen. Ansonsten, und bedenkt man die beiden Vorgängerfilme, ist das schon beachtlich, hielt sich Yates diesmal erstaunlich dicht an die Romanvorlage. Was aber auch zum Problem wird, hatte er dies doch zuvor nicht für nötig gehalten. Und eben so kommt es, dass man wirklich die Romanvorlagen kennen muss, um den Film komplett zu verstehen. Denn auch wenn so manche, zuvor ausgelassene Szene als Zeitungsüberschrift im Tagespropheten wiederzuerkennen ist, so wirkt dies doch vielmehr als nettes Gimmick für aufmerksame Zuschauer, allen anderen ist dies wahrscheinlich egal.


„Zumindest hatte ich mir im Vorfeld fest vorgenommen, den Film unabhängig vom Buch zu betrachten, denn die Filme laufen, wie oben schon erwähnt, sowieso mehr oder weniger unabhängig davon.“ – Das geht so nicht. Wenn sich plötzlich entschieden wird, das Buch als Referenz zu nehmen und nicht die eigenen Filme, dann muss auch der Zuschauer unterscheiden können. Hätte man sich wirklich nur auf die Filme bezogen, hätte das siebte Buch neu erfunden werden müssen, und damit hätte sich Yates vermutlich weniger Freunde gemacht als hiermit: Durch die Rückbesinnung auf die literarische Vorlage mussten zwar hastige Anpassungen vorgenommen werden, in meinen Augen ist dies aber sehr zu begrüßen. So kann man dies nicht dem Film zum Vorwurf machen, der sich an das Buch hält, sondern um so mehr den Vorgängern, die dies nicht tun, und als logische Schlussfolgerung also Yates. Und so kommt es, dass Harry Potter und die Heiligtümer des Todes besser daherkommt, als noch der Halbblutprinz.

Mit schönen Landschaftsaufnahmen, einer düsteren Endzeitatmosphäre, erneut einer Emma Watson mit sichtlicher Spielfreude (was man von Radcliffe nur bedingt behaupten kann, von seinen darstellerischen Fähigkeiten mal ganz abgesehen) und einem passenden Score kann der Film seine Punkte sammeln. Inszenatorisch weicht er nicht großartig von den beiden vorherigen Filmen ab, auch wenn das Ganze noch etwas düsterer und gruseliger geworden ist, doch inhaltlich hat man erkannt, dass es so nicht weiterging. Wie man sich aus der Sackgasse herausmanövriert hat, in die man selber mit Vollgas gefahren ist, ist gut gelöst und sollte Kenner der Vorlage halbwegs zufriedenstellen, denn alle anderen sind selber Schuld, wenn sie erst so spät mit einsteigen. Ganz ehrlich also, und damit hätte ich nicht mehr gerechnet: Harry Potter und die Heiligtümer des Todes hat Spaß gemacht. Es ist nicht mehr der Kinderfilm wie vielleicht noch die ersten beiden, ist gibt keinen Hogwarts-Unterricht über die Pflege magischer Geschöpfe, es herrscht Krieg in Britannien – und der ist überraschenderweise sehr unterhaltsam.

22 Kommentare

  1. Flo Lieb · November 20, 2010

    Nach dem Anfang der Kritik hätte ich ja nicht mehr mit 7/10 Punkten gerechnet.

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    • Xander · November 21, 2010

      Naja, die erste Hälfte bestand aus meinen Zweifeln, dann aus dem, was ich wirklich nicht gut fand, dann hab ich noch versucht die Kurve zu kriegen, weil mir der Film entgegen aller Erwartungen dann doch gefallen hat!

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  2. bullion · November 20, 2010

    Ich komme gerade aus dem Film und kann sagen: Er hat mir – wie bereits der Vorgänger – wieder sehr gut gefallen. Eine schöne Bebilderung des Romans, was – zumindest mir – im Fall Potter durchaus ausreicht. Freue mich auf Part 2! Morgen dann ausführlicher…

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    • Xander · November 21, 2010

      Dann bin ich mal gespannt. Vielleicht sehen wir dann mal einen Potter-Film ähnlich in der Bewertun😉

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    • bullion · November 21, 2010

      Zumindest in ähnlichen Gefilden befindet sich unsere Bewertung – immerhin!

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  3. Carmela · November 21, 2010

    Also ich war nach dem vorherigen Teil äußerst positiv überrascht. Klar fehlt auch in diesem Teil einiges, aber er ist im Gegensatz zum letzten deutlich näher an der Romanvorlage und wirkt nicht so sehr „dahingeschlampt“.

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  4. lalia · November 21, 2010

    ich fand ja schon den 6er nah an der Vorlage, er hat genau die Teile neu erzählt, die im Roman nur im Astronomieturm schnell hintereinander abgehandelt werden.

    und auch der 7.1 ist wie der Romananfang – langatmig, viel Gerede und es pasiert nicht wirklich was. Erstaunlicherweise hat dieser Film den Buch-nicht-kennern gefallen, ich fand ihn dröge. Aber ich muss zugeben, sehr nah am Original – doch wenn das schon nicht gefällt, dann hat es der Film eben auch schwer😉

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  6. Wortman · November 26, 2010

    Die haben so viel weggelassen – was u.a. sehr wichtig gewesen wäre – wie z.B. das Dobby schon lange in Hogwarths lebt usw.

    Die letzten beiden Teile werden ziemlicher müll werden – so wie der letzte Teil schon ziemlich banana war – was die sogenannte Schlacht um Hogwarths anging.

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    • Xander · November 26, 2010

      „Die letzten beiden Teile werden ziemlicher müll werden“
      Naja, zumindest der vorletzte Teil ist das ja nicht! Trotz aller Auslassungen funktioniert der Film für sich doch erstaunlich gut.
      Was die „Schlacht“ in Hogwarts betrifft im letzten Teil gebe ich dir aber Recht, diese hat ja im Grunde gar nicht stattgefunden.

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    • Wortman · November 26, 2010

      Genau! Da wird mal eben Dumbledings umgelegt und danach steht Potter nett in der Ecke und schaut dem Sonnenuntergang zu… bescheuerter ging es ja wohl gar nicht mehr.
      Die „Bösen“ haben sich gleich wieder vom Acker gemacht????

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  7. mal hier, mal da · November 28, 2010

    Ich war auch enttäucht von dem Film, da mit viele zwischenmenschliche Aspekte und die Reifung der Charaktäre nicht berücksichtigt bzw. nur angedeutet wurden (Harrys zweifel an Dumbledore, Rons Neid auf Harry, Harrys unterdrücke Liebe zu Ginny ->beide tun so, als wäre zwischen ihnen alles in Ordnung, Harry und der Grabspruch seiner Eltern mit den Bezug zu den drei Heiligtümern, Creatures Dankbarkeit zu Harry, Creatures Liebe zu Regulus).
    Und das Elemente, die im Buch ständig vorkommen (Eselsfell-Beutel, Tarnumhang), komplett ausgelassen worden sind.
    Dies wär allerdings nicht halb so tragisch gewesen, wären die wichtigen Kampfszenen weiter ausgebaut gewesen. Die verzweifelte Flucht am Anfang mit dem knappen Scheitern endete zu abrupt. Der kurze Kampf mit den Kopfgeldjägern war eher ein ergeben. Die einzig wirklich gute Kampfszene war die in Malfoys Wohnung.
    Ich glaube mir fallen diese Sachen deswegen so ins Auge, weil ich zuvor die letzten beiden Bänder nochmal durchgelesen habe und daduch mir alles spektatulärer ausgemalt hatte. Jedoch war ich heil froh darum, da ich der meindung bin, dass man ohne die Bücher wichtige Details leicht übersehen hätte. (Dumbledores Geschichte; von Beginn an das Symbol der Heiligtümer in Bezug zu Grindelwald; Entdeckung Harrys, dass Luna nicht da ist, mit anschließender Hilfe Lunas Vater zu schützen; Creatures Wandlung; Wichtigkeit von Runcorn). Nebenbei habe ich mir den 7ten Film, wie auch den 6ten, viel Blutiger vorgestellt (Sectumsempra), als er letztenendlich realisiert worden ist. Dies sollte keine Kritik sein, die Alterszielgruppe liegt nun mal bei 12+, obwohl die ersten Leser jetzt wohl über 18 sein müssten😉

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    • Xander81 · November 28, 2010

      Da hast du mit Sicherheit recht, auch dieser Film ist bei weitem nicht 100% vorlagengetreu und auf die Zielgruppe musste auch Rücksicht genommen werden. Aber dennoch lässt sich ein gewisser Unterhaltungswert nun mal nicht abstreiten und alles passte eh nicht hinein. Dann hätte man schon drei Filme as dem letzten Band machen müssen.

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  9. Marlene · November 29, 2010

    Also ich finde den Film einfach nur toll… Ich war schon 2 mal drin🙂
    Natürlich ist es was anderes als die Bücher, aber ganz erhlich ihc kann überhaupt nicht nachvollziehen warum an Harry Potter soviel herumgemeckert wird wenn im Gegensatz dazu Filme wie Twilight im Kino laufen…
    Naja ich bin bestimmt auch voreingenommen, weil ich freu mich jedes Mal ein Jahr lang auf den Teil und weiß eigentlich schon davor, dass ich ihn gut finden werde🙂

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  10. AndyC · Dezember 9, 2010

    Hm, ich bin Fan von Harry Potter, was die Filme angeht, aber ich muss auch gestehen, dass mir die Kinderfilmatmosphäre immer sehr gefallen hatte und ich diesen langsamen Wechsel zu einem (na ja, in der Art) Actionfilm nicht wirklich gefällt. Aber mal davon ab, ich habe mir je selber versprochen, dass ich alle Bücher erst lese, wenn ich alle Filme gesehen habe.

    Aber nun einmal zum Film:
    Ich bin auf ganzer Linie enttäuscht! Es ist ja schon so gewesen, dass man alle Filme öfter schauen muss, ab Teil 3, ansonsten versteht man nur Bahnhof. Zu viele Infos werden da reingesteckt und ich fand Halbblutprinz noch um einiges gelungener, als diesen total verkorksten Teil, wo die Iren Weltmeister wurden (hab jetzt vergessen welcher das war). Wo ich aus dem Kino kam und dachte: „Wah???“

    Er ist langatmig, die Action zu Anfang war interessant, aber auch nicht befriedigend. Ich weiß nicht ob es an der Synchronisation liegt, oder ob Potter und Ron wirklich so schlechte Schauspieler sind. Und dann kommt da stundenlang gar nichts, sogar eher total Belangloses und hat mich fast zum Einschlafen gebracht. Ich blieb dann doch wach, in der Hoffnung, dass noch irgendwas passieren würde, dass mir diesen Film verständlicher macht, aber dieser Teil blieb dann einfach mal aus.

    Mein Fazit dazu: Kein guter Film, keine guten Schauspieler. Und dass, obwohl ich wirklich ein echter kleiner Potter-Film-Fan bin. Vielleicht haben sich die Darsteller, bis auf Emma, damit abgefunden, dass sie noch ein wenig Zeit in diese Arbeit investieren müssen, um endlich davon wegzukommen. Sie wirkten unmotiviert und genervt.

    Der erste Potter Film, den ich mir freiwillig kein 2.Mal antun werde!

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    • Xander · Dezember 9, 2010

      „Und dann kommt da stundenlang gar nichts, sogar eher total Belangloses und hat mich fast zum Einschlafen gebracht. Ich blieb dann doch wach, in der Hoffnung, dass noch irgendwas passieren würde, dass mir diesen Film verständlicher macht, aber dieser Teil blieb dann einfach mal aus.“

      Und du hast das Buch ganz sicher gelesen?

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