Kritik: HARRY POTTER UND DER HALBBLUTPRINZ [2009]


„Ich kann Dinge bewegen, ohne sie anzufassen. Ich kann machen, das gemeinen Leuten Schlimmes passiert, nur weil ich es will. Und mit Schlangen kann ich auch reden!“

Nach der Orden des Phönix waren zwar einerseits die Erwartungen gering, die Hoffnung war allerdings groß. Während der Vorgänger mit dem Problem zu kämpfen hatte, mit der Romanvorlage das umfangreichste Werk der Reihe adaptieren zu müssen und so zwangsläufig Handlungselemente wegfallen mussten, hatte dieser trotz allem noch einigermaßen die Kurve gekriegt. Sicherlich, es fehlte doch so einiges, gerade auch im Bezug auf die nachfolgenden Bände. Und doch war der Film trotz einiger Fehler in sich schlüssig und somit auch annehmbar. Der Halbblutprinz nun hatte dieses Problem nur in abgeschwächter Form. Während das Buch zwar einerseits um einige Seiten dünner war, war es andererseits letztendlich nicht viel mehr als ein Übergang zum großen Finale. Große Entwicklungen und Wendungen blieben zwar aus, doch für die Charakterentwicklung war er sicherlich wichtig. Die Aufgabe war nun, die wichtigen Elemente für den Film zu übernehmen, aber auch auf die Auslassungen des Vorgängerfilmes zu reagieren. Ob der Film dies geschafft hat um nach dem Phönixorden wieder mehr zu überzeugen, darf dabei aber auch mehr als nur bezweifelt werden.


„Sie interessiert sich nur für dich weil sie denkt du wärst der Auserwählte!“
– „Aber ich bin der Auserwählte!“

Das sechste Jahr in Hogwarts beginnt anders als gedacht: Dumbledore greift Harry in einer U-Bahn Station auf, um mit ihm einen ehemaligen Lehrer von Hogwarts wieder neu anzuwerben: Horace Slughorn. Dieser verbindet mit Voldemort ein düsteres Geheimnis, welches Harry auf Anweisung von Dumbledore ans Licht bringen soll. Doch auch sonst tut sich einiges, entwickelt sich doch zwischen Ron und Hermine etwas mehr als nur Freundschaft und auch Harry sieht Rons Schwester Ginny mit anderen Augen. Und währenddessen führt Draco Malfoy etwas dunkles im Schilde…

Drehbuch-Autor Steven Kloves hatte ein Problem: Mehrere Handlungsstränge des Buches in den Film unterzubringen. Die sich anbahnenden Liebesgeschichten der drei Hauptcharaktere, Draco Malfoys dunkles Geheimnis, Dumbledores Suche nach den Horkruxen sowie, nicht unwichtig, Tom Riddles alias Voldemorts Vergangenheit. Bei der Lösung dieses Problems bewies er allerdings kein all zu glückliches Händchen. Der Halbblutprinz wirkt wie Flickwerk, aus jedem Handlungsstrang wurden ein paar Elemente weggelassen und alles zu einem großen Ganzen vermengt. Sein Hauptaugenmerk lag dabei aber auf den Liebesbeziehungen, die allerdings auch noch unglücklich umgesetzt wurden. Dabei beginnt der Film recht stark: Der Opener, der sich direkt auf den Kampf im Ministerium bezieht sowie der Angriff der Todesser auf London sind sehr gut inszeniert und ließen auf vieles hoffen. Doch der Beginn der eigentlichen Handlung, der dabei aus unerklärlichen Gründen so gar nichts mehr mit dem eigentlich sehr stimmigen Anfang aus dem Buch zu tun hat, wirkt sehr hölzern und konstruiert. Überhaupt wirken alle Beteiligten, besonders in der ersten Hälfte des Films so als wären sie gar nicht bei der Sache. Alles wirkt zusammenhangslos, es herrscht sehr oft Leerlauf und es wird völlig willkürlich von einer Szene zur nächsten gesprungen. Der Atmosphäre ist dies natürlich nur bedingt dienlich und so dauert es dann auch, bis man sich zurechtfindet, bis einen der Film packt, bis er seinen Rhytmus findet. Vom Harry-Potter-Universum ist nichts spürbar.

Auch die Schauspieler hatten bei den Dreharbeiten bestimmt andere Dinge im Sinn und wirken teilweise extrem lustlos und teilnahmslos. Einzig Emma Watson kann voll und ganz überzeugen und besonders in der Szene, in der die drei Freunde ihren Heimweg von Hogsmeade Richtung Hogwards antreten wird einem der frappierende Unterschied in den Fähigkeiten der drei Darsteller bewusst. Es sind die kleinen Szenen, die einem manchmal im Gedächtnis bleiben.

Noch einmal zur Handlung: Wie schon beim Orden des Phönix ist es wirklich unverständlich, warum es nicht gewisse Teile der Handlung in den Film geschafft haben. Mussten die Jugendlieben wirklich so plump inszeniert werden? Ist Voldemorts Vergangenheit nicht doch etwas wichtiger, als einem hier mit den zwei mickrigen Erinnerungen suggeriert wird? Und warum heißt der Film „Halblutprinz“, wenn diesem Element nur dadurch Rechnung getragen wird, wenn sich eben dieser ganz schnell in einem Nebensatz als jener outet? Es wird einfach viel zu viel nur angedeutet, aber nichts vertieft. Nicht nur der (ich sagte es schon einmal: unnötig) geänderte Beginn, auch das stark kastrierte Ende der Geschichte wäre doch bestimmt besser zu inszenieren gewesen? Ein Film mit diesen Handlungsschwächen ist zudem mit 153 min viel zu lang. Der angesprochene Leerlauf, vor allem zu Beginn und die hölzerne Inszenierung lassen viel zu oft Langeweile aufkommen.

Harry Potter und der Halbblutprinz ist also, vor allem in Bezug auf die Vorlage, ein großes Ärgernis. Da ich 460 Seiten des Buches vorher noch gelesen habe und den Rest nach der Sichtung kurzfristig nachgeholt habe (ok, ein paar Seiten fehlen noch), ist mir eine objektive Aussage auch jetzt nicht möglich, doch glaube ich kaum, dass der unbelesene Zuschauer ohne Zweifel und Fragen den Kinosaal verlassen wird. Schade. Auch im Hinblick auf die noch kommenden zwei Filme, denn jetzt erwarte ich gar nichts mehr. Vielleicht sollte Regisseur Yates vorher noch ein Fläschchen Felix Felicis trinken, dann wird das auch was…

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23 Kommentare

  1. Flo Lieb · Juli 18, 2009

    Ich fand die Beziehungsszenen, zumindest die zwischen Hermione und Ron, relativ nett, weil man sich hier wenigstens Zeit genommen hat. Aber Kloves hat sich in der Tat für den falschen Fokus entschieden. Von den verbleibenden beiden Filmen verspreche ich mir bei der Ausgangslage und diesen Beteiligten auch nicht mehr viel.

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  2. lalia · Juli 18, 2009

    ist denn schon Montag?! *g*

    aber Jungs, ihr macht mir den Film echt madig..
    Wobei ich bis jetzt keinen Potterfilm gut fand…

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  3. bullion · Juli 18, 2009

    In ein paar Stunden kann ich mehr dazu sagen. Freue mich dennoch. Für mich haben bisher alle Filme recht gut als Visualisierung der Geschichte in Ausschntten getaugt… 🙂

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  4. Ines · Juli 19, 2009

    Hallöchen, Wirklich interessant. Ich stand sogar Nachts an einer Buchhandlung an, um mit als erste den damals neusten Harry Potter Band lesen zu können.

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  5. Pingback: Harry Potter und der Halbblutprinz – OT: Harry Potter and the Half-Blood Prince « Tonight is gonna be a large one.
  6. Alex · Juli 24, 2009

    Finde das trifft den Nagel größtenteils auf den Kopf, wobei ich mir echt mehr erhofft hatte (Teil 4+5 waren doch ganz gut) der Fokus ist zu stark auf Liebesszenen gesetzt und der Halbblutprinz bleibt auf der Strecke. Vorallem das Ende, das für mich eigentlich der Höhepunkt des Buches war ist sehr enttäuschend umgesetzt worden.

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  7. Xander · Juli 24, 2009

    Na, Teil 5 fand ich persönlich ja auch nicht so, aber sonst hast du schon recht.

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  8. Andreas · Juli 25, 2009

    Also ich, als großer HP-Fan war mit voller Aufregung (positiv) am 15.7.09 ins Kino gegangen und mit voller Aufregung (negativ) aus dem Kino gekommen. Ich war sehr enttäuscht über den Film. Am meisten hat mich gestört das ewige hin und her springen der einzelnen Szenen. Und die Handlung (im Film! nicht im Buch!) fand ich voll Sch**ße. Wurde viel zu viel geändert gegenüber des Buches. Mir einiges auf gefallen(z.B. die Szene in dem Harry, Ron, angeblich Felix in den Becher kippt. Dar war es Luna Lovegood die es mitbekam anstatt Hermine, die sich dann darauf beschwert) nur als Beispiel. Das dass Begräubnis von Dumbledore ganz ausgelassen wurde hat mich zum Schluss dann noch mehr aufgeregt. Naja im Film gab es auch immer diese witzigen Szenen, OK einpaar sind inordnung aber für HP waren zu viele. Oder die Liebes Szenen im Film waren zuviel. Dabei sollte es eigentlich ein düsterner Fantasy-Film sein und keine Komedie\Romanze. Naja bin aber mit aller Hoffnung bei den nächsten Filmen dabei. Immer hin ist es ein zwei Teile. Der Krönende Abschluss einer Fantastischen Fantasy-Reihe. Ich hör lieber jetzt auf, könnte noch einiges sagen aber das wäre zu lange.
    Andreas

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  9. Xander · Juli 25, 2009

    Ach, wir haben Platz genug 😉
    Ich glaube ja, dass das Begräbnis als Opener für den nächsten Teil dienen könnte. Ganz weggelassen wird es glaube ich nicht, dafür ist es doch ein viel zu einschneidendes Erlebnis.

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  10. drborstel · Juli 26, 2009

    Die Ausflüge in Dumbledores Denkarium sind meiner Meinung nach die wichtigsten Szenen der ganzen Reihe gewesen; die so zusammengekürzt zu sehen tut einem als Potter-Fan schon weh in der Seele. Man erfährt aus den Filmen eigentlich gar nichts über Riddles / Voldemorts Motive und Ziele. Woher zum Beispiel soll Harry wissen, was für Gegenstände er im siebten Teil überhaupt zu suchen hat? Ich meine, sie hätten auch aus diesem Teil ruhig zwei Filme machen können. Der sechste Teil ist ja eigentlich umfangreicher und detailintensiver als der siebte.

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  11. Xander · Juli 26, 2009

    Zwei Teile vielleicht nicht, denn das wäre vielleicht doch eine ziemlich „ruhige“ Angelegenheit geworden, besonders die erste Hälfte.

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  12. lalia · Juli 26, 2009

    fand den teil als Film gar nicht so schlecht. leider ohne Vorkenntnisse ungeeignet.

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  13. Xander · Juli 27, 2009

    Mit deinem zweiten Satz hast dann auch Recht 😉

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  14. lalia · Juli 27, 2009

    nun, ich sah keinen Leerlauf, wie du, und kam auch sofort in die Handlung rein. Den Anfang fand ich nun auch nicht so schlimm (ok, die Kellnerin hätte man weg lassen können) Dass der eigentliche Anfang, erst etwas später kam, fand ich sogar perfekt.
    Szenensprünge?! das waren Zeitraffungen, die wie in jedem Potter Film durch die dekoration oder Laub der schlagenden Weide angedeutet wird, also nix mit unzusammenhängend IMO. Allerdings muss man eben tatsächlich ein Kenner der geschichte sein, sosnt blickt man nicht durch.
    Super inszeniert war auch Dracos Storyline. der Slogh Club ist auch besser gelöst als im Buch.
    Gefehlt haben mir auch die Rückblenden in Tom Riddle jr.’s Vergangenheit und das Ende ist wie immer… kurz und schmerzlos, zack und weg. Und die Liebeleien waren im Buch viel viel viel ausführlicher vor allem zeitlich länger, was ja wirklich genervt hat. Auch das ist recht angenehm gelöst, durch die Gespräche zwischen Hermine und Harry.
    Dieser Film ist für mich bis jetzt der beste Teil – auch mit all den Lücken, die aber sicherlich im 7.1er Film aufgeholt werden. und wenn nicht, na und, ich kenn die Bücher 😉

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  15. bullion · Juli 28, 2009

    Doch noch eine weitere positive Meinung. Ich bin nicht allein! 🙂

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  16. Xander · Juli 28, 2009

    Da kann man mal sehen wie unterschiedlich Filme gesehen werden 😉

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  17. lexi · Juli 30, 2009

    also bei aller liebe…ich konnte diesem film wenig positives abgewinnen!!
    ich war mit ner freundin da, die das buch nicht kennt und die hatte am ende nur fragezeichen im gesicht und meinte…“ich dachte HP ist die letzten bücher betreffend kein kinderfilm…aber bei dem film denk ich das schon…nix gecheckt…“
    von der aufziehenden bösen stimmung im buch merkt man hier nix. enorm wichtige sachen für den folgenden teil fehlen völlig. der 6te teil soll doch hauptsächlich auf den kampf vorbereiten!! über voldis leben berichten! und die szene mit dumbledores tod ist mehr als madig! harry steht da unten und guckt munter zu…lol.
    dieser teil wird ins lächerliche gezogen mit den liebesstories und dem zu hohen humoristischen anteil…wie HP verarsche. als ob twilight und highschool musical aufeinandertreffen.

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  18. D.D. · Juli 31, 2009

    das war der schlechteste Harry Potter Film den ich gesehen habe! Eine Entäuschung von Anfang bis zum Ende! Schade!

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  19. Sarah · August 2, 2009

    Komme gerade aus dem Kino,mein Freund (kein HP-Leser) hat schon rote Ohren weilich mich so über diesen Teil aufrege… Ich meine, nach den letzten Teilen, in denen schon jedes mal für mich wichtige Szenen ausgelassen wurden, hatte ich schon keine großartigen Erwartungen mehr an diesen Teil und trotzdem wollte ich ihn unbedingt imKino sehen. ALs ich jedoch die Szene gesehen habe in der Dumbledore stirbt und die Todesser sofort reißaus nehmen, habe ich mich umgedreht und gesagt das ich die 7. Teile nicht gucken werde. Ich war mehr als enttäuscht. Wo sind die Kampfszenen? Wo sind die Erinnerungen? Dieser Teil war einfach schlampig umgesetzt. Ich meine, klar das man nicht bdas ganze Buch verfilmen kann, aber das der Film quasi rosarot statt düsterdunkel umgesetzt wird war für mich als Buchfan zuviel.

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  20. Xander · August 3, 2009

    Es ist doch immer gut zu wissen wenn man mit seiner Meinung nicht alleine da steht 😉

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