ALICE IM WUNDERLAND: HINTER DEN SPIEGELN [2016]

alice2_02Der erste Alice-Teil hatte mich seinerzeit nicht wirklich begeistern können (was mich vielleicht voreingenommen macht). Mein Fazit damals: „Zusammen mit den oberflächlichen Charakteren, der spannungsbefreiten Story und einer Hauptperson, die einem ziemlich egal ist, muss man zu dem Schluss kommen, dass Tim Burton schon bessere Filme gemacht hat“. Kein Film also bei dem ich in vorderster Front lautstark nach einer Fortsetzung verlangt habe, und doch gibt es sie, und doch habe ich sie mir angeschaut, weil, aus Gründen. „Hinter den Spiegeln“ also, denn statt durch ein Kaninchenloch betritt Alice das Unterland diesmal durch einen Spiegel – ganz einfach, weil sie’s kann. Und aus demselben Grund nehme ich hier ausnahmsweise mal keine Rücksicht auf Spoiler.

Und hinter dem Spiegel geht er dann los, der abgefilmte LSD-Trip. Der Hutmacher liegt im Sterben weil er daran erinnert wurde dass seine Familie tot ist, ihm aber niemand glaubt dass sie vielleicht doch noch lebt. Oder so. Jedenfalls kommt Alice auf die grandiose Idee die Vergangenheit zu ändern indem sie den Tod seiner Familie verhindert. Dazu begegnet sie der Zeit, klaut ihm ein komisches Fliwatüüt und durchquert allerlei Zeitlinien – hauptsächlich weil man das toll animieren kann und weniger, weil es wirklich viel bringt, denn das tut es nicht, denn im Endeffekt ist dieses ganze Zeitreisegedöns – seien wir mal ehrlich – für’n Popo, denn die Familie lebt natürlich noch, die ganze Zeit. Gut, wusste keiner. Und dennoch verbleibt beim Zuschauer am Ende ein kleines Gefühl der Zeit-Verschwendung.

Apropos Zeit: Wenn die Zeit beim Tee mit dem Hutmacher und den anderen Freaks sitzt und von eben diesen permanent mit dummen Spruchen aufgezogen wird, ist das das einzig wirkliche Highlight des Films. Alles ist animiert, bunt und krawallig, ständig ist etwas los, irgendwer lärmt ständig rum – und dann ist es dieser kleine Moment beim Tee, der am meisten Spaß macht. Trotz Hutmacher.

Denn konnte ich schon im ersten Teil dieser Figur wenig abgewinnen (Ihr merkt schon, was ich für ein riesiger Alice-Fan ich durch diese Filme geworden bin!), wurde das mit diesem Film nicht besser. Man muss sich schon mehrmals vergewissern, dass Johnny Depp wirklich er selbst ist und nicht durch eine Animation ersetzt wurde, so sehr verschwindet er hinter der Maske. Echte Schauspieler kann man sich hinter so einem Berg Make-Up auch sparen, und wo doch sowieso 98% des Films sichtbar animiert sind hätte man auch gleich einen kompletten Animationsfilm daraus machen können.

Ich will ja ehrlich sein: Nach dem Intro mit dem Piratenangriff auf dem Meer hat mich der Film schon zu einem Teil verloren und ich war dann nicht mehr ganz konzentriert dabei. Vielleicht wusste ich deswegen zeitweise nicht was da grade auf dem Bildschirm passiert oder warum es passiert. Letztendlich haben die vielen bunten Farben aber auch so eine Feel-Good- und Scheißegal-Stimmung erzeugt dass ich alles bereitwillig akzeptiert habe. Es passiert halt. Aus Gründen. Und Alice verursacht die ganze Scheiße. Aber es ist dabei sooo schön bunt…
kritik3

„Alice im Wunderland: Hinter den Spiegeln“ ist ab 20. Oktober 2016 auf DVD, Blu-ray, Blu-ray 3D sowie bereits ab dem 7. Oktober digital erhältlich.
(c) Walt Disney Company (Germany) GmbH

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6 Kommentare

  1. Florian Lieb (@Flo_Lieb) · Oktober 19, 2016

    Gefiel mir besser als der Vorgänger, mochte die visuellen Ideen, vom Schloss der Zeit über das Dorf vor dem Königreich, der nostalgisch an frühere Burton-Filme erinnerte. Und was alle mit der Eröffnungsszene haben, weiß ich auch nicht, ich fand die in Ordnung.

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    • Xander · Oktober 19, 2016

      Naja, in diesem Fall besteht der Film ja nur aus visuellen Ideen. Ich wurde das Gefühl nicht los das man die Geschichte nur mühsam dazu gefrickelt hat um mehr zu bieten als inhaltsleere Grafikdemonstrationen in HD. Naja, nicht mein Fall.

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    • Florian Lieb (@Flo_Lieb) · Oktober 20, 2016

      Naja, die Geschichte hat man wohl nur mühsam dazu gefrickelt um ein Sequel zu einem Milliarden-Dollar-Film auf den Markt zu bringen und womöglich damit abzukassieren. Der Vorgänger hatte ja schon keine wirkliche Handlung, wie meisten Filme haben keine wirkliche Handlung mehr. Für mich funktioniert der Film nur über die Figuren und mir gefiel eben Baron Cohen sowie Bonham Carter ganz gut, dazu das Visuelle, das ein bisschen an den alten Burton erinnerte.

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    • Xander · Oktober 21, 2016

      Klar des Geldes wegen, weshalb sonst. Baron Cohen war aber auch der einzige, dessen Figur ich etwas abgewinnen konnte.

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  2. bullion · Oktober 19, 2016

    Juhu, mal wieder ein Blogeintrag. Zum Film kann ich nichts sagen, da ich weder diesen noch den Vorgänger gesehen habe und dies wohl auch nicht mehr nachholen werde.

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