Serienkritik: GAME OF THRONES – Season 1

Die „Sopranos“ in Mittelerde, „Herr der Ringe“ mit Sex – für „Game Of Thrones“ wurden schon viele Vergleiche aufgestellt, doch diese beiden treffen die Sache schon ganz gut. In Unkenntnis der Vorlage, wurde diese Serie jedoch so dermaßen gehyped (vor allem vor der deutschen Erstausstrahlung), dass eine Sichtung fast schon unerlässlich war, vor allem da ich für Fantasy sowieso zu haben bin. Und das auch „Boromir“ mitspielt, sollte doch eigentlich den Einstieg in diese neue Welt vereinfachen…

Den Inhalt dieser Serie nur ganz kurz wiederzugeben fällt schwer, ist der Titel „Game Of Thrones“ doch sehr wörtlich zu nehmen. König Robert herrscht über die sieben Königslande in Westeros, welche von wiederum von verschiedenen Häusern regiert werden. Natürlich sind sich diese Häuser nicht alle untereinander grün, fast jeder wäre gern König anstelle des Königs, und dann gibt es ja noch die letzten Nachfahren des Hauses Targaryen, welche ihre „rechtmäßige“ (?) Regentschaft wieder an sich reißen wollen – das „Spiel der Throne“ ist eröffnet, auch wenn das merkwürdig klingt.


Sex, Mord und Intrigen in Westeros sowie eine ständige mögliche Bedrohung von nördlich der Mauer: Es wird viel passieren, nichts bleibt mehr gleich. In guten, wie in schlechten Zeiten. Die Zeiten sind jedoch wahrlich schlecht. Wo oben schon angedeutet: Die Handlung ist unheimlich komplex, fast niemand ist der, für den man ihn anfang hält, und eine detaillierte Fantasy-Welt mit so vielen, relevanten Charakteren und so einer bewegten Vorgeschichte kennt man abseits vom Mittelerde nur wenige. Besonders zu Beginn fällt es schon schwer, ein wenig den Überblick zu behalten, so viele neue Namen und Orte muss man sich merken. Was aber nichts schlechtes ist, denn ist man erst mal drin, wird man von der Serie gefesselt, wozu natürlich zum einen die fiesen Cliffhanger am Ende jeder Folge beitragen, als auch die allesamt als sehr guten Schauspieler. Hervorzuheben ist dabei Peter Dinklage als Tyrion Lannister, der sich trotz seines eher zweifelhaften Charakters schnell zu meiner Lieblingsfigur in der Serie entwickelt hat – neben Daenerys Targaryen, die eine unglaubliche Charakterentwicklung durchgemacht hat. Positiv ist desweiteren, dass „Game Of Thrones“ auf die sonst so beliebte Schwarz-Weiß-Malerei verzichtet. Soll heißen: Es gibt nicht „die Guten“ oder „die Bösen“, jeder hat irgendwie Dreck am Stecken, und von fast jedem lässt sich sein Handeln weitestgehend nachvollziehen.

Dienen die ersten Folgen im Großen und Ganzen noch der Charaktervorstellung, werden aber auch hier schon die Weichen für die kommenden Ereignisse gestellt. Ehe man sich versieht ist man mitten drin in all den Intrigen und je näher man dem Staffelfinale kommt, desto unerbittlicher wird die Spannungsschraube angezogen. Und wenn man am Ende einer Folge denkt, dass es in der nächsten aber abgehen muss, weil die Situation eskaliert, so geht es immer noch weiter, von einem Cliffhanger geht es zum nächsten, bis zum unausweichlichen Finale, in welchem es dann aber so richtig – hm, irgendwie nicht. Fast jede Folge denkt man „Aufgeschoben ist nicht aufgehoben“, und so ist es ähnlich wie bei „Lost“: Es kommt immer mehr dazu und den richtigen Showdown scheint es – zumindest in Season 1 – nicht zu geben. Doch die letzte Szene machte wieder einiges gut, vor allem aber neugierig auf die zweite Staffel.

9 Kommentare

  1. juemikMK · Januar 6, 2012

    Ja.
    Dieses „aufgeschoben“ Gefühl hatte ich nicht, ich fand, das fügte sich alles ganz wunderbar in den Erzählfluss ein, nicht zu viel, nicht zu wenig. Und den Cliffhanger fand ich toll. Ohne viel Krachbumm, dafür effektiv.

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    • Xander81 · Januar 6, 2012

      Ja, das passte schon alles irgendwie, aber auf der anderen Seite hatte ich stets das Gefühl es steht kurz bevor. Alles. Was aber gar nicht schlimm ist, es erhöhte halt die Spannung!

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  2. bullion · Januar 7, 2012

    Ja, eine wirklich starke erste Staffel, die jedoch auch meiner Einschätzung nach noch nicht perfekt war (aber nahe dran). Die Vorlage ist noch um einiges runder und dennoch freue ich mich unglaublich auf Staffel 2 – bis dahin heißt es aber erst noch die Vorlage zu lesen.

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  3. Dr. Borstel · Januar 10, 2012

    So richtige Höhepunkte hat meinem Empfinden nach die ganze Reihe nicht – okay, im weiteren Verlauf darf man dann schon etwas mehr Schlachtgetümmel erwarten, aber im Großen und Ganzen ist die Vorlage einfach so atmosphärisch dicht und geschliffen, dass sie Höhepunkte einfach nicht braucht und darum auch ganz gut daran tut, sich von einem Cliffhanger zum nächsten zu hangeln. Gerade daran zeigt sich ja Martins Talent, der als Literat vielleicht mäßig ist, als Geschichtenerzähler aber zu den besten überhaupt gehört. Und die macher der Serie tun ganz gut daran, genau das auch auf Screen zu übersetzen, selbst wenn das bedeutet, dass die Serie den Vergleich mit dem Buch fast zwangsläufig verliert.

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    • Xander · Januar 10, 2012

      Bei den Büchern muss ich erst noch anfangen…

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