Kritik: DER SELTSAME FALL DES BENJAMIN BUTTON [2009]


„Habe ich dir schon erzählt, dass ich sieben Mal vom Blitz getroffen wurde?“

Benjamin Button ist etwas Besonderes: Als Greis geboren, wird er im Gegensatz zu allen anderen Menschen immer jünger. Das dies nicht ganz einfach ist, zeigt sich auch an der sich anbahnenden Liebe zwischen im und seiner Freundin aus „Kindheitstagen“, Daisy. Während sie jahrelang nur in Kontakt aus der Ferne waren, treffen sie sich wieder, als sie beide etwa im gleichen Alter sind – also in der Mitte…


„Benjamin Button“ ist für 13 Oscars nominiert und könnte damit der Abräumer des Jahres bei den Academy Awards sein. Das dies allerdings alles andere als gerechtfertigt wäre, zeigt sich beim neuesten Film mit dem ebenfalls nominierten Brad Pitt nur all zu schnell.

„Benjamin Button“ ist nämlich, leider, vor allem eins: Lang und weilig. Selten habe ich es bei einem Film erlebt, dass er über eine so lange Laufzeit (knappe drei Stunden) so wenig zu erzählen hat und dies auch noch so beiläufig und gelangweilt abspult, als wäre es ihm völlig egal. Es passiert recht wenig im Leben von Benjamin Button, und die Dinge, die geschehen, scheinen zumindest den Erzähler, also Benjamin himself, recht wenig zu interessieren. Er spult seine Geschichte so emotionslos herunter, als wäre es ihm sehr wohl bewusst, dass es niemanden interessieren könnte. Ist die Grundidee mit dem rückwärts altern zu Beginn noch sehr vielversprechend und auch gerne mal der Grund einiger witziger Einfälle, ist es dann irgendwann akzeptiert, wird als gegeben hingenommen und von da an wird es noch monotoner, da selbst das herausragendste Merkmal der Story nicht mehr herausragt.

Die einzelnen Episoden in Benjamins Leben werden durch seine Liebe zu Daisy verbunden, auf die es immer wieder hinausläuft. Das diese Geschichte allerdings so dermaßen unglaubwürdig rüberkommt, liegt zwar zum großen Teil beim Drehbuch, der andere Teil dagegen ganz klar an Cate Blanchet, die mir in diesem Film so gar nicht gefallen hat. Die Chemie zwischen ihr und Brad Pitt stimmt ja mal so gar nicht, und ihre Interpretation der Daisy wirkt so dermaßen unsympathisch und oberflächlich, dass es dem Zuschauer dann auch irgendwann egal ist, wo diese Liebe hinführt. Ich habe mir gewünscht, er findet irgendwann eine andere, war es mir doch sowieso schleierhaft, wo diese starke Liebe herkommen soll (in Kindertagen war er ein alter Sack, sie ein kleines Mädchen, ideale Voraussetzungen also…) und aus welchem Grund er sich dann weiter in sie verliebt, wenn er sie als junge, eingebildete und unsympathische Frau wieder sieht.

Es gibt eigentlich wenige Szenen oder Zitate, an die man sich nach dem Film noch erinnern wird. Eigentlich die einzige Szene, die mir wirklich gut gefallen hat, da sie anders war – einfallsreich, interessant, in Ansätzen sogar nachdenklich – war die, in der erzählt wurde, wie es zu Daisys Unfall kam. Hier sieht man für leider nicht einmal fünf von 166 Minuten, wie der Film vielleicht werden können. Doch er wurde nicht so. Er wurde langgezogen, belanglos, gewollt ernsthaft, er versucht eine Botschaft zu übermitteln, wo es keine Botschaft gibt und zum Nachdenken anzuregen, wo es nichts zum Nachdenken gibt. Das manche Figuren dabei unterwegs völlig verloren gingen, Nebenhandlungen zwar angerissen, aber nicht weiter erläutert werden und Benjamin als Kind Demenz kriegt, wo er doch die Krankheiten des Alters von Geburt an hatte und dies somit völlig unlogisch ist, ist dabei um so ärgerlicher.

„Benjamin Button“ werde ich mir höchstwahrscheinlich nicht noch einmal angucken. Fürs Free-TV ist er definitiv zu lang, das Geld für die DVD ist mir zu schade und es gibt eigentlich auch nichts, was eine erneute Sichtung rechtfertigt, da es, wie schon öfters erwähnt, einfach zu belanglos ist. Ganz nett, kann man sich angucken, muss man aber nicht.

Dieser Film könnte Euch gefallen, wenn Ihr folgendes mögt:
„Forrest Gump“

21 Kommentare

  1. Flo Lieb · Januar 31, 2009

    Ganz nett, kann man sich angucken, muss man aber nicht.

    Das ist auch so ein Satz, der lässt sich unter jeden Film schreiben. *g*

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  2. Kaltduscher · Januar 31, 2009

    Passt aber zu BB wie die Faust aufs Auge, Flo 😉

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  3. Flo Lieb · Januar 31, 2009

    Abhänig von der Perspektive passt das auf jeden Film, einschließlich GODFATHER, NO COUNTRY FOR OLD MEN und allem was sonst so als Meisterwerk angesehen wird, Kaltduscher 😉

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  4. Kaltduscher · Januar 31, 2009

    😉 :mrgreen:

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  5. bullion · Januar 31, 2009

    So viele gemischte Kritiken. Da muss ich mir wohl selbst eine Meinung bilden. Bin ja durchaus empfänglich für epische Liebesgeschichten und langsames Erzählkino.

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  6. lalia · Januar 31, 2009

    mich interessiert der Film an sich schon nicht. genauso wenig wie „no country for old men“ kann man machen, was man will

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  7. Xander · Februar 1, 2009

    @ Flo Lieb: Wie du schon sagtest, dass ist abhängig von der Perspektive. Während ich ja z.B. „Léon“ schon fast zum Pflichtprogramm zähle, gehört BB für mich definitiv nicht dazu, dafür ist er zu egal.

    @bullion: Bin sehr gespannt wie er dir gefällt, episch finde ich ihn nicht, „langsames Erzählkino“ trifft es da schon eher…

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  8. Wortman · Februar 1, 2009

    Mich interessiert dieser Film rein gar nicht.
    Was mir gar nicht gefällt, ist der allerletzte Satz: BB mit Gump gleichsetzen. Gump ist Kult. Da brauch es mehr um sich mit Forrest zu messen. Da nützt auch kein Brett Putt.

    Ich bin erstmal gespannt auf SPIRIT 🙂

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  9. Xander · Februar 1, 2009

    Naja, die Parallelen zu „Forrest Gump“ sind schon sehr offensichtlich. Es gab auch mal ein sehr schönes Video, in dem sogar einzelne Szenen miteinander verglichen wurden, leider finde ich es nicht mehr.

    Das „Forrest Gump“ im Vergleich wesentlich besser ist, steht außer Frage.

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  10. Wortman · Februar 1, 2009

    Trotzdem reizt mich der Film nicht 🙂

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  11. nepi · Februar 1, 2009

    Ich fand ihn gähnend langweilig! Hab eine ganz ähnliche Kritik auf meinem Blog. 🙂
    Liebe Grüße

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  12. paradalis · Februar 2, 2009

    Jetzt nehmt ihr mir die ganze Vorfreude!!
    😦

    Aber vielleicht lest ihr stattdessen folgenden Roman:

    http://www.amazon.de/Die-erstaunliche-Geschichte-Max-Tivoli/dp/3100278151

    Ein wunderbares Buch, mit einer fast identischen Handlung wie der Film. Doch sehr schön geschrieben, besser kann man das fast gar nicht machen.

    LG.

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  13. *scs* · Februar 4, 2009

    diese kritig spricht mir ja sooooooooo aus der seele. besser hätte ich es nich tauf den punkt bringen können. ja und an paradalis kann ich nur weitergeben, dass deine vorfreude auch die einzige freude an diesem film bleiben wird.

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  14. *scs* · Februar 4, 2009

    diese kritik spricht mir ja sooooooooo aus der seele. besser hätte ich es nicht auf den punkt bringen können. ja und an paradalis kann ich nur weitergeben, dass deine vorfreude auch die einzige freude an diesem film bleiben wird.

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  15. Pingback: ATM – Der Film 2009 « at the movies – welcome to the mainstream!
  16. Alex · Februar 27, 2011

    Deine oberflächliche Kritik zeigt, dass deine Gedanken während des Filmes ebenso an der Oberfläche des Filmes gekratzt haben und du den Film nicht verstanden hast.

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    • Xander · Februar 28, 2011

      Das ist aber unfair, du hattest zwei Jahre Zeit um über den Film nachzudenken und deinen Kommentar zu verfassen…
      Aber vielleicht magst du mir den Film ja erklären, damit ich in ihm das gleiche Meisterwerk sehe wie du es scheinbar tust. Wäre ja schade wenn meinem schlichten, oberflächlichen Gemüt dieser Geistesblitz verwehrt werden würde.

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  17. Stony · Februar 28, 2011

    Hey Xander,

    finde es toll wie du auf neue Kommentäre in älteren Posts beantwortest 😉

    Zu mir, im grossen und ganzen bin ich mit der Kritig einverstanden, ich hoffte auf einen schönen, „alternativen“ Film, wurde aber derbe enttäuscht.

    Naja mir kams mehr wie ein Forrest Gump Abklatsch, nur halt mit halbsowenig Herz und Liebe zum Detail, obwohl die Geschichte ansich ein riesen Potential hat.

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    • Xander · Februar 28, 2011

      Ich hoffe mal, das war nicht ironisch gemeint und sag erst mal: Danke 😉

      Zum Film: Du hast recht, mir kommt es auch so vor, als ob man mehr aus der Geschichte hätte machen können, und wie du schon sagst: Das „Herz“ fehlt ein wenig.

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