Serienkritik: DAS PHANTOM 1+2 [2009]

Früher, da waren die Helden noch bunt, die Gegner noch simpel gestrickt und einfach nur böse und der „Score“ bestand aus fröhlichen Melodien, wenn der Held triumphierte. Da war selbst „Das Phantom“ von 1996 keine Ausnahme, der ja im Grunde nur ein lila kostümierter Indiana Jones-Verschnitt war. Das machte ihn zwar nicht zum besten Film aller Zeiten, aber durchaus zu einem Guilty Pleasure, denn auch bei einer kürzlichen, erneuten Sichtung (die wievielte weiß ich schon gar nicht mehr) machte der Film eindeutig Spaß. Als Charaktereinführung dienten fünf Minuten zu Filmbeginn („For those who came in late“), dann war alles gesagt und das Abenteuer konnte beginnen – heutzutage undenkbar. Der Superheld von heute ist bodenständig, realistisch und hat einen tragischen Hintergrund – so auch bei diesem Zweiteiler, ursprünglich als Vierteiler geplant, als Pilot für eine Fernsehserie, die nie produziert wurde: Das 22. Phantom, also (scheinbar) der direkte Nachfahre des Phantoms aus dem Kinofilm.


Sein Vater an Krebs gestorben, seine Mutter angeblich bei einem Autounfall ums Leben gekommen: All das hat man Chris nie erzählt, der bis zum Filmbeginn seine Pflegeeltern für seine leiblichen Eltern hielt. Doch dann kommt die Wahrheit ans Licht, und nachdem seine Pflegeeltern von der Sing-Bruderschaft ermordet wurden, erfährt Chris die ganze Wahrheit: Eigentlich heißt er Kit Walker, sein Vater war das 21. Phantom, erbitterter Widersacher der bösen Sing-Bruderschaft, und letztendlich war der Tod seiner Mutter kein Unfall, sondern ebenfalls Mord. Denn der Sohn des Phantoms wird das neue Phantom, und das wollte die Sing-Bruderschaft verhindern. Was nachweislich nicht geklappt hat, denn jetzt tritt Kit sein Erbe an…

Kenner des Kinofilms werden es begrüßen: Das neue Phantom schließt (fast) direkt an das alte an. Die Hintergrundgeschichte ist nahezu identisch, die Widersacher dem Kanon entsprechend die Sing-Bruderschaft, aber da die Story etliche Jahre später einsetzt, sind die Hauptquatiere entsprechend mit High-Tech ausgerüstet. Und einen kleinen Seitenhieb zum Film konnten sich die Macher auch nicht verkneifen. Als Kit seinen lila Anzug das erste Mal sieht, kann sich der Zuschauer ein Schmunzeln nicht verkneifen und die Beigeisterung beim Helden ist auch eher gering, ist es doch der Anzug aus dem Film, der damals schon lächerlich wirkte. Aber Gott sei Dank gibt es einen neuen High-Tech-Kampfanzug, der praktischerweise die Körperkraft verstärkt und absolut kugelsicher ist. Das sieht gewöhnungsbedürftig aus, und man gewöhnt sich dank der komischen Helmes nicht dran. Aber immerhin wollte man so scheinbar noch optisch an den Vorgänger erinnern, was mit viel Fantasie auch klappt.

Ansonsten wird TV-Standardkost geboten, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Schauspielerisch gibt es keine Preise zu vergeben, die Damen im Bunde (allen voran Isabella Rosselini) sollen hauptsächlich hübsch aussehen, die Bösen sind böse, es gibt einen Verräter in den eigenen Reihen (bei dem die Auflösung dann aber nicht ganz so überraschend ausfällt wie vielleicht gewünscht) und demzufolge noch einen Cliffhanger – der aber nie aufgelöst wird. Auffällig ist jedoch, wie sehr der Zweiteiler im zweiten Teil abfällt, irgendwie erwartet man mehr, als geboten wird, dient der erste Teil doch fast ausschließlich der Einführung und Vorbereitung. [SPOILER] Das berüchtigte Phantom zeigt dann seine Special Moves, indem es dumm über die Dächer hüpft und anderen auf die Fresse haut. Auch erstaunlich, wie sehr die Logik gegen Ende durch Abwesenheit glänzt: Es werden Leute verhaftet, von denen außer dem Zuschauer und dem Phantom niemand wissen kann, dass sie böse sind, ein einzelner Mann hält jemanden im Phantom-Hauptquartier als Geisel und wird natürlich direkt überwältigt – und das soll das große Druckmittel der Sing-Bruderschaft gewesen sein. Und belastende Dokumente, die ein paar Tage nach dem Anschlag auftauchen sollen, um das Vertrauen der Welt in die USA zu erschüttern, werden gar nicht mehr erwähnt, so einfach ist das. Und es ließe sich mit Sicherheit noch mehr aufzählen. [/SPOILER]

Unter anderen Vorzeichen als Kinofilm im Sommerloch ok gewesen, enttäuscht die Neuauflage als Durchschnitts-TV-Pilot für eine Serie, die es nie gab, vermutlich auch nie geben wird. Natürlich ist die Story nicht die beste, aber da wäre trotz allem mehr drin gewesen, wenn sogar ein grüner Riese oder ein gefallener Donnergott Erfolg haben. Naja, vielleicht beim nächsten Mal wieder.

6 Kommentare

  1. Dominik Höcht · April 19, 2012

    „Das Phantom“ – ja, da kenne ich nur den Film. Und ich muss mich wohl schämen. Mir gefällt er…😀

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    • Xander · April 19, 2012

      Schämen? Da muss man sich nicht für schämen. Für diesen Zweiteiler jedoch schon.

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  2. Dino Scigliuzzo · August 16, 2013

    Hab den Film grad zur Hälfte geschafft anzuschauen.
    Von Logikfehlern mal abgesehen, finde ich es unerträglich öde, dass derjenige der Namensgeber des Filmes ist, erst nach beinah 2 Stunden das erste Mal in Aktion tritt und dann den Bösewicht aus Versehen ein Hochhaus hinabwirft. Oops, aber auch.

    Kann mir eigentlich auch jemand verraten, warum ausgerechnet er, und kein anderer, in die Fußstapfen des Phantoms steigen muss?
    Die stellen das dar wie bei Buffy, die als Auserwählte keine andere Wahl hat als sich den Vampiren zu stellen. Oder ist mir entgangen, dass das Phantom auch einer mystischen Linie von Phantomen und Anwärtern folgt?

    Auch ging mir die Logik nicht ein, warum plötzlich der Vater seiner geliebten Angebeteten ins Fadenkreuz der Sing-Bruderschaft gerät, nur weil er nach einer vermissten Person fahndet.
    Da wollten die Autoren doch nur einen Grund schaffen, dem Helden ein Dilemma zu präsentieren. „Oh mein Gott. Wenn ich nicht zurückgehe wird er getötet – aus welchem Grund auch immer.“

    Das nur bis zur Hälfte des Films. Ich glaub, den Rest erspare ich mir.

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  3. Xander · August 17, 2013

    Also zumindest deine erste Frage sollte beantwortet werden, wenn du dir meinen Text oben durchliest. Was die andere Frage angeht: Weiß ich ehrlich gesagt selber nicht mehr, die Sichtung ist ja nun auch schon ne Weile her. Die werden ihre Gründe gehabt haben…

    Aber du hast schon Recht: Ein Genre-Highlight ist das nicht. Und auch ich habs mir nur aus Nostalgie bis zum Ende angeschaut.

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  5. itzamna · September 7

    Ich weiß das Thema ist schon etwas älter, aber ich bin nun mal jetzt über die beiden Teile der Miniserie, des Films oder wie man dieses Versatzstück nun auch immer nennen möchte gestoßen. Ich habe mich kurz über eine neue Serie gefreut und fragte mich, als ich dann auf die Einstellung des Projekts mit Bezug auf negative Kritiken aufmerksam wurde und diese hier fand ehrlich gesagt wie die Fragen auftauchen können die hier so gestellt werden.

    Abgesehen davon, dass ich nicht weiß welche Leute verhaftet wurden, von denen die Polizei nichts böses wusste, kommen diverse Fragen bei mir einfach gar nicht auf!
    Ok ich habe schon als Kind die Phantom Comics gelesen und scheine daher schon von vorneherein mehr zu wissen als andere Kommentatoren. Dennoch wird im Film doch eindeutig auf die Vergangenheit der Walkers eingegangen und damit auch auf den Personenkult der sich um sie innerhalb der Einwohner des Inselstaates Bangalla seit mehr als 400 Jahren gebildet hat. Darum dreht sich schließlich die komplette erste Folge. Weiter ist es ja nicht einfach nur irgendeine vermisste Person nach der der Vater sucht, sondern der Erbe der Walkers, das weiß schließlich auch die Singh Bruderschaft, die ja schließlich auch die Eltern der Vermissten Person umbringen ließ. Wenn dann nun jemand in diesem Vermissten- und Mordfall rumstochert ist es nur logisch, dass dieser ins Fadenkreuz gerät.

    Klar könnte theoretisch jeder das Phantom werden, aber eben nicht jeder ist der „Geist der Wandert“ wie ihn die Einwohner sehen und verstehen, denn dies ist der Blutlinie der Walkers eigen, die sich über die Jahrhunderte als Schutzpatron in erster Linie der Bangallesen(?) und in zweiter als der der Unschuldigen und Schutzbedürftigen etabliert haben.

    Das ein bisschen mehr High Tech ins Spiel kommt ist zwar durchaus ein wenig gewöhnungsbedürftig, ergibt sich aber letztendlich durch den Zeitgeist. Schauspielerische Leistungen habe ich aber auch schon wesentlich schlechtere erlebt und die Story, ist zwar nicht neu, soll aber auch in hinblick auf eine nicht mehr gestartete Serie erstmal nur den Ursprung beleuchten und ist daher an den Comics orientiert und steht da vielen anderen Comicheldenorigins eigentlich in nichts nach. Im Gegenteil bin ich eigentlich immer davon ausgegangen, dass Marvels Black Panther das Phantom als großes Vorbild hatte, wenn man bedenkt das es mit der Erstveröffentlichung Mitte der 1930er noch rund dreißig Jahre älter ist als der Prinz von Wakanda!

    Klar ist manches Geschmackssache, aber ich finde es schade, dass es nicht mehr zu einer Serie gekommen ist. Das Phantom hatte für mich nämlich schon immer einen gewissen Reiz ausgemacht und das teilweise mehr als irgendwelche nahezu perfekten Supermänner oder andere Leute mit Mutantenkräften.

    Gruß Itzamna

    Ps: Ich mag den 1996 Film auch😉

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