2001: ODYSSEE IM WELTRAUM [1968]

2001_01Manche Filme mag ich hier ja gar nicht besprechen, die Fallhöhe ist einfach zu groß. „2001 – Odyssee im Weltraum“ ist so einer. Wühlt man sich ein wenig durch’s Internet, ist das ja der Film der Filme, absolute Kunst, der Science-Fiction Film überhaupt, Gott in Filmgestalt. Nun bin ich ja nicht wirklich religiös. Und in Philosophie nicht wirklich bewandert, geschweige denn interessiert. Schlechte Voraussetzungen also, um diesen Film adäquat zu besprechen geschweige denn zu verstehen? Gibt es da etwas zu verstehen? Oder, anders ausgedrückt: Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Fresse halten? Vielleicht ist das manchmal besser, aber ich sag mal so: Ich sag da jetzt trotzdem meine Meinung zu. Widersprüche bitte in die Kommentare. Und, nun ja, wenn man das so nennen kann: Spoiler sind zu erwarten.


Ein merkwürdiger schwarzer Obelisk gibt der Menschheit Rätsel auf und führt gleichzeitig jeweils bei Erscheinen zu einer großen Veränderung. Von der frühen Steinzeit bis in die Zukunft des Menschen im Weltall: Wo kommt er her, was bedeutet er, vor allem für die Menschheit?

Hm, ja. „2001“ ist einer dieser Filme, die man irgendwie erst dann bewerten kann, wenn man ihn zu Ende gesehen hat. Man muss wissen wohin die Reise führt bevor man sagen kann, wie das bisher gesehene einzuordnen ist. Und selbst dann fällt es einem schwer. „2001“ ist auch einer dieser Filme, bei welchem ich die endgültige Punktebewertung nach meiner patentierten Excel-Formel vornehme, die nur in Ausnahmefällen verwendet wird um mich zu vergewissern, dass die mir vorschwebenden Punkte auch in Summe gerechtfertigt sind. Ihr merkt schon, ich rede um den heißen Brei. Na gut. Dann wollen wir mal.

Schon direkt zu Beginn des Filmes merkt man, dass „2001“ etwas Besonderes ist und auch sein will. Minutenlang sieht man nur ein schwarzes Bild und lauscht klassischer Musik. Freunde derselbigen sind hier glaube ich schon im Vorteil, da Kubrick die Musikauswahl nicht zufällig getroffen hat – auch diese hat jeweils eine Bedeutung im jeweiligen Kontext. Und die Auswahl klassischer Musik macht den Film noch zeitloser, als er ohnehin schon ist. Untermalt von einem zeitgenössischem Score würde der Film eine weitaus andere Wirkung haben. Denn zeitlos ist er: Angefangen bei der schon erwähnten Musik, geht es weiter bei den erstklassigen Effekten, bei denen man sich auch heute noch fragt, wie Kubrick das ohne CGI hinbekommen hat. Und wo man sich im Umkehrschluss fragt: Warum scheint sowas heute nicht mehr möglich?

Auch die Ausstattung, Kubricks Vorstellung wie es in der Zukunft aussieht inkl. der Darsteller lässt keine Rückschlüsse auf das Alter des Films zu. Kurz zuvor sah ich noch „Futureworld“ aus dem Jahr 1976, was man diesem aber auch in jeder Sekunde ansah: Zeitgenössische Frisuren, Schlaghosen und Pornobrillen – von so einem Look ist „2001“ meilenweit entfernt. Audiovisuell ist der Film also schon mal ganz großes Kino, bis zu diesem Punkt ist sich aber wohl sowieso jeder einig – bis man sich dann auch die inhaltliche Ebene begibt, da scheiden sich die Geister.

Kubrick beginnt seine Geschichte im wahrsten Sinne des Wortes ganz am Anfang: Die Menschheit an sich wird repräsentiert von Affenmenschen, die scheinbar durch die pure Anwesenheit des Obelisken einen Entwicklungsschub durchmachen: Sie lernen, Werkzeug zu benutzen. Wohin sie das letzten Endes bringt, zeigt dann das zweite Kapitel: Bis auf den Mond. Dort wiederum finden Wissenschaftler erneut einen Obelisken der sie auf die Idee bringt, zum Jupiter zu fliegen denn mit diesem scheint die Strahlung des Obelisken in Verbindung zu stehen. Bis hierhin habe ich mir das ja noch alles gefallen gelassen, wobei der Beginn mit den Affen schon etwas speziell war. Doch insbesondere das Kapitel mit der Jupiter-Mission finde ich ganz groß – dank HAL. Abgesehen von allem tiefgründigem Quatsch des letzten Kapitels wäre HAL eigentlich Grund genug, den Film zu schauen. Ein Bordcomputer, der sich Gedanken über die Mission macht und Angst davor hat, abgeschaltet zu werden – dieser Teil der Story hätte seinen eigenen Film verdient gehabt. Aus nicht näher erklärbaren Gründen finde ich übrigens die Pause („Intermission“) in diesem Part großartig, dass hat was von Theater und weniger von Pinkelpausen im Kino bei Filmen mit Überlänge.

Naja, aber dann ist da ja noch der letzte Teil beginnend mit der Ankunft beim Jupiter, bei welchem dann fröhlich drauf los interpretiert werden kann, was das nun zu bedeuten hat. Man findet auch sehr lustige ernstgemeinte Interpretationen im Internet – einfach mal suchen, es lohnt sich. Aber, nur mal (rein theoretisch) angenommen, Kubrick hat sich da gar nicht sooo viel bei gedacht sondern fand einfach nur die Idee gut, so einen abstrakten Schluss zu drehen nur um zu sehen, was passiert? Sollte ich jemals einen Film drehen, diese Idee wäre sehr verlockend. Da ich aber nun mal nicht Kubrick bin, würde dieser Film verrissen werden, denn für Kunst muss man sich erst mal nen Namen machen. Mein fehlendes Verständnis für den tieferen philosophischen Sinn des Films kann man aber auch ähnlich formulieren wie seinerzeit bei „Hurz“: Mir fehlt da der intellektuelle Zugang zu. Oder aber: Ich hab ihn ja nun auch erst einmal gesehen, womöglich braucht man mehrere Sichtungen.

Bis dahin lässt sich jedoch festhalten: Technisch ist „2001: Odyssee im Weltraum“ auch heute noch großartig, inhaltlich gefällt mir persönlich der Mittelteil am besten, eigentlich sogar sehr gut. Der merkwürdige Beginn und der noch viel merkwürdigere Schlussteil machen jedoch vieles zunichte, für mich persönlich hat sich Kubrick da etwas zu viel bei gedacht. Not my kind of movie. Was man dem Film allerdings hoch anrechnen muss: Man denkt über ihn nach, schließlich will man da ja auch einen Sinn drin sehen. Und sein Einfluss auf das Kino an sich ist ja auch nicht zu bestreiten.

kritik65_xb

12 Kommentare

  1. bullion · Januar 7, 2014

    Na, das ist doch mal wenigstens eine ehrliche Kritik. Hätte ich nach meiner ersten Sichtung wohl auch so geschrieben. Dann folgte irgendwann jedoch eine zweite, dann eine Aufführung im Kino und dann noch eine und so langsam hat sich der Film eingebrannt. Audiovisuell ganz klar großartig, doch auch atmosphärisch bombastisch. Wenn dir der Mittelteil am besten gefallen hat, dann schau ruhig auch mal die Fortsetzung. Die ist gar nicht so schlecht, wie immer getan wird – nur eben weniger Kunst und mehr Handlung.

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    • Xander · Januar 7, 2014

      Weniger Kunst, mehr Handlung? Bin dabei!

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  2. Jan · Januar 8, 2014

    Ich habe den Film erst einmal gesehen und war wie weggeblasen. Diese Bilder sind einfach einmalig. Der gesamte Film ist ein Unikat – so etwas hat vor Kubrick noch keiner versucht und seitdem entweder keinen weiteren Versuch gestartet oder sich erst gar nicht getraut. Alleine schon, weil es kein vergleichbares Werk in der Filmwelt gibt, ist 2001 interessant. Das heißt natürlich nicht, dass man den Film nicht kritisieren darf – und ich verstehe auch deine Kritik. Mich hat auch der Teil mit HAL am meisten gefesselt, danach war es Mindfuck, davor ein wenig träge. Allerdings wirkt 2001 trotz seiner so unterschiedlichen Teile wie aus einem Guss. Das ist einfach von vorne bis hinten durchkomponiert – auch wenn nicht alles Sinn ergeben muss, vielleicht sogar soll.

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    • Xander · Januar 8, 2014

      Wie aus reinem Guss wirkte es auf mich eben nicht, der letzte Teil war mir da zu abgehoben. Dieser Riesenfötus – naja.

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  3. Florian Lieb (@Flo_Lieb) · Januar 8, 2014

    Der beste Film aller Zeiten. Nuff said.

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    • Xander · Januar 8, 2014

      Das hört man ja öfter. Kann ich momentan nicht nachvollziehen.

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  4. donpozuelo · Januar 8, 2014

    Toller Film. Gucke den alle Jubeljahre mal wieder… einfach um mich mal wieder in dem Kubrick’schen Perfektionismus zu baden. Klar, die Story versteht man nie so wirklich (obwohl es da ja diesen sehr schönen Essay einer 13-Jährigen gibt, den selbst Kubrick als gute Erklärung empfunden hat), aber die Bilder hauen einen einfach nur um. Und ehrlich gesagt, denke ich auch jedes Mal beim Gucken, ich hätte den Film ein bisschen mehr verstanden… was dann aber doch nie der Fall ist😉

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    • Xander · Januar 8, 2014

      Die Bilder sind schon toll, keine Frage. Vielleicht braucht der Film tatsächlich mehrere Sichtungen.

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  5. ER.GO · Januar 9, 2014

    Der Film steht bei mir schon seit vielen, vielen Jahren auf der to-watch Liste und seit einiger Zeit hab ich ihn sogar Zuhause im Regal stehen. Du hast mich eben wieder daran erinnert, dass es jetzt wirklich mal Zeit wird ihn zu sehen. Ich bin nämlich schon gespannt, wie ich darauf reagiere … Ich kann mich erinnern die Affenszene als Kind mal gesehen zu haben und dazu Richard Strauss‘ Thus Spoke Zarathustra. Ich glaube egal wie man ihn findet, man muss ihn gesehen haben, so auch ich …

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    • Xander · Januar 9, 2014

      Das war ehrlich gesagt auch bei mir der Hauptgrund…

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