DER ELEFANTENMENSCH [1980]

Ein-Film-Viele-Blogger
Elefantenmensch_01Es begab sich aber zu der Zeit, dass es Sonntag war, morgens, nach dem ersten Kaffee. Und es fühlte sich richtig an, JETZT „Der Elefantenmensch“ zu gucken, ein Film, der seit Bekanntgabe des „Spielplans“ der Aktion „Ein Film – Viele Blogger“ bereits hier lag. „Ein Film – Viele Blogger“? Eine Aktion von Intergalaktische Filmreisen: Möglichst viele Blogger posten zu einem vorgegebenen Stichtag ihre Besprechung zu einem vorgegebenen Film. Da mag dann zwar der Feedreader relativ eintönig aussehen, das Ergebnis wird es aber definitiv nicht sein, denn es wird wohl kaum so sein, dass alle Blogger den Film auch gleich sehen, sprich bewerten.


Nun also „Der Elefantenmensch“, ein Film, frei nach dem Leben von John Merrick, der aufgrund seiner körperlichen Missbildung in London im Jahr 1881 in einem Zirkus als Attraktion ausgestellt wird. Der Arzt Frederick Treves holt ihn aus dieser Lage in ein Krankenhaus, um seinen Fall zu studieren. Langsam fasst Merrick Vertrauen zu dem Chirugen und dieser versucht, ihm ein möglichst normales Leben zu ermöglichen.

Ein Film, der sich schon von der Geschichte her recht interessant anhört von einem Regisseur, der ja auch kein schlechter sein soll – Ihr merkt schon, mit dem Schaffen von David Lynch hatte ich bisher eher wenig zu tun, selbst „Dune“ steht hier noch ungesehen im Regal. Aber immerhin, er steht hier. Und schaut man sich im Netz ein wenig um, so gehört „Der Elefantenmensch“ zu den ganz großen. Negatives findet man selten und man sollte es nicht wagen, schlecht über den Film zu reden. Nun, ein gutes Vorzeichen sollte man meinen – oder aber ein weiteres Beispiel dafür, dass ich nicht zwingend mit der Meinung der Masse einverstanden bin. Und was soll ich sagen: So kam es dann auch. Dieses Drama von David Lynch hat nämlich hauptsächlich eines bei mir ausgelöst: Langeweile.

Ok, schon die Inhaltsangabe klingt zwar wie gesagt interessant, aber natürlich besteht auch die Gefahr, dass der Zuschauer kalt gelassen wird, dass einem Merrick letztendlich doch egal ist, dass die Geschichte einfach so abgespult wird, und genauso kam es mir vor. So schnell es geht, dass das Interesse von Treves geweckt wird, so schnell hat sich meines im Grunde verabschiedet. Lynch ist es nicht gelungen, dass ich mit seinem Elefantenmenschen oder mit Treves mitfühle, vieles wirkt einfach wie Stationen, die abehakt werden müssen. Der Widerstand von Merricks „Besitzer“ – Check. Die Zweifel der Krankenhausleitung – Check. Die „dramatische“ Wendung – dazu noch relativ vorhersehbar – Check. Und dann ist der Film zu Ende.

Das ist ja handwerklich alles gut. Auch die Schauspieler fallen jetzt nicht irgendwie negativ auf oder so. Und die Geschichte hätte ja durchaus Potenzial gehabt. Und wenn man sich all die lobenden Kritiken durchliest, bekommt man ja schon fast Selbstzweifel. Und doch ist es ganz einfach: Wenn der Funke bei so einem Drama nicht überspringt, man mit der Person nicht mitfühlen kann, dann ist das für die abschließende Bewertung des Films von entscheidender Bedeutung. Gerade weil der Rest der Welt es ja scheinbar anders sieht, ist eine Zweitsichtung irgendwann mit Sicherheit nicht ausgeschlossen, vielleicht wächst der Film mit der Anzahl der Sichtungen. Aber so, selbst mit einigen Tagen Abstand ist „Der Elefantenmensch“ kein Film, den ich von meiner Seite aus uneingeschränkt empfehlen kann.
kritik

Advertisements

7 Kommentare

  1. filmschrott · Juli 5, 2014

    Also mir hat er ziemlich gut gefallen. Würde ihn jetzt auch nicht in den Olymp heben, aber bei mir hat der Film das geschafft, was er wollte.
    Aber das ist wohl auch immer von einem selbst abhängig. Habe auch viele Filme gesehen, die eigentlich etwas bewirken sollten in mir, bei denen ich aber eigentlich nur pausenlos auf die Uhr geguckt habe, in der Hoffnung, dass die Langeweile bald ein Ende hat.

    Gefällt mir

    • Xander · Juli 5, 2014

      Ja, so war das leider. Und dann ging er auch noch so lange 😉

      Gefällt mir

    • filmschrott · Juli 5, 2014

      Naja, 2 Stunden ist ja mittlerweile ne normale Länge. Wobei er dir ja wahrscheinlich mit mehr Zeit besser gefallen hätte, wenn man nicht einfach von Station zu Station gerusht wäre.

      Gefällt mir

  2. bullion · Juli 6, 2014

    Meine Sichtung ist schon ewig her, doch weiß ich noch dass mich der Film ziemlich gepackt und erschüttert hatte. Dürfte so 8 Punkte vergeben haben. Vielleicht auch 9. Muss man vielleicht auch in der Stimmung für sein.

    Gefällt mir

    • Xander · Juli 6, 2014

      Dachte, das wäre ich gewesen. War letztendlich aber wohl doch nicht so…

      Gefällt mir

  3. Intergalactic Ape-Man · Juli 18, 2014

    Mit dem Fazit bist du ja bisher unter uns noch allein geblieben und irgendwie ist es schon schade, daß Der Elefantenmensch bei dir nicht gezündet hat. Es wäre mal interessant, wie du so anhand der anderen Stimmen abschätzen würdest, woran es gelegen haben kann. Denn der Film als solches ist ja schon geschwängert von zermürbender Traurigkeit, so daß man ein Gefallen im herkömmlichen Sinne nur bedingt erwarten kann. Ich hoffe einfach mal, daß für dich noch etwas treffenderes dabei sein wird und ein bisschen kannst du das ja auch steuern, denn ich benötige langsam eine Auswahl für die nächsten Termine. Also her mit den Vorschlägen. 🙂

    Gefällt mir

  4. Pingback: DO THE RIGHT THING [1989] |

Sag was dazu!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s