OH BOY [2012]

ohboy_01Da sitzt man abends in seinem neu erworbenem Eigenheim auf dem Land, das Feuer lodert im Kamin, die Katze reckt sich neben einem auf dem Sofa und man schaut in Ruhe, welche Filme auf dem Festplattenreceiver noch zur Verfügung stehen. Dann entscheidet man sich für einen Film über einen jungen Mann, der mitten in Berlin eine kleine Sinnkrise durchmacht, ohne Geld, ohne Plan, ohne Kaffee. Und fragt sich, ob man da überhaupt mitreden kann. Ob man seine Sorgen nachvollziehen kann. Oder ob man ähnliches erlebt haben muss, um sich mit ihm zu identifizieren. Ob man ein Stadtkind sein muss. Und was soll ich sagen: Da sind die Sorgen relativ unbegründet. Der Weg ist das Ziel, die Vergangenheit eher nebensächlich, und solche Gedanken wie dieser junge Mann hat sich wohl schon jeder in ähnlicher Form in dem Alter gemacht. Aber noch viel mehr ist es sowieso ein Film über Berlin.

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VINCENT WILL MEER [2010]

— „Hast du mich grade Fotze genannt??“
– „Mensch, er hat Tourette!“
— „Ne, das meinte ich schon so.“

VincentwillMeer_01Komödien über kranke oder gehandicapte Menschen sind nicht einfach zu realisieren, gilt es doch die Gradwanderung zu meistern zwischen sich darüber lustig machen und nicht lustig zu sein und stattdessen die Betroffenheitsschiene zu fahren. Und selbst wenn es einem gelingt, gibt es immer noch genügend Leute die nicht darüber lachen können bzw. denen das Thema immer noch nicht sensibel genug angegangen wurde. Zuletzt hatte „Ziemlich beste Freunde“ das Problem, dass die meisten Film diesen Film lustig fanden, sich aber immer noch genügend Leute gefunden haben, die den so gar nicht zum Lachen fanden, der arme Mann. Sogar Rassismus wurde dem Film vorgeworfen, da sein Pfleger schwarz war und angeblich zu stereotyp angelegt wurde. Meine Güte. Diese Sorgen sollte „vincent will meer“ nicht haben, spielen Menschen mit anderer Herkunft hier doch kaum eine Rolle – dafür aber gleich drei junge Leute mit unterschiedlichen Krankheiten.

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Kurzkritik: DAS FEST [1998]

Wer kennt sie nicht, die Familienfeste, zu denen sie alle kommen, von nah und fern, Freunde, Verwandte, Bekannte. Gute Laune ist angesagt, egal was passiert, niemand mag negative Gedanken hegen, bei Geburtstagen steht das Geburtstagskind im Vordergrund, persönliche Differenzen müssen da schon mal hinten an stehen. Egal, wie man zu dem Jubilar steht: Er hat Geburtstag, und da wird gefälligst gefeiert. Und auch die Abläufe sind jedem geläufig: Die Begrüßung – wie gehts, gute Anreise gehabt, Mensch, was seid Ihr groß geworden, ja, ist viel zu lange her, wir sollten uns öfter sehen, für mich keinen Sekt, danke. Dann gehts zu Tisch, ein Hoch auf das Geburtstagskind, die Suppe ist aber lecker, schön ist es hier, da hat er sich aber Mühe gegeben. Same procedure as every time, Familienfeiern sind doch größtenteils austauschbar, die selben Gesichter, die immer das gleiche erzählen, zu unterschiedlichen Anlässen. Doch manchmal kommt es anders, als man denkt.
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Shortcuts: HOP [2011]; LARS UND DIE FRAUEN [2007]; MEGA-SHARK VS. GIANT-OCTOPUS [2009]; ZEITEN ÄNDERN DICH [2010]

Hop – Osterhase oder Superstar?

Es ist unglaublich, wie beliebig und langweilig man einen Film gestalten kann, so dass höchstwahrscheinlich sogar die Zielgruppe der unter 9-Jährigen angeödet sein wird. Storytechnisch dachte man sich wohl, dass die Weihnachtsfilme bereits abgegrast sind und man jetzt auch mal mit Ostern Kasse machen will, und so ist es halt der Osterhase Junior (kreative Namensgebung: „E.B.“, für Easter-Bunny…), der das Leben von James Marsden schwer macht, und zwar leider genau so, wie man sich das vorstellt. Das die beste Szene die ist, in der Marsden den Hasen mit einem Stein erschlagen will, sagt erschreckend viel über den Film aus. Belangloser „Santa Clause“-Abklatsch vom Reißbrett, der außer ganz netten Animationen und Penny aus „The Big Bang Theory“ nicht viel zu bieten hat.

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Kritik: DEFENDOR [2009]

„Do you remember when you saved Jack’s life? I’ll never forget what you did that day. You were just a regular guy doing something remarkable. You don’t need a costume. Ordinary people, they do extraordinary things all the time. You’re always going to be that hero, Arthur, just by being yourself.“

Früher, da hatten die Superhelden in Filmen noch richtige Superkräfte. Sie konnten fliegen, hatten Spinnenkräfte, besonders schnell laufen oder wurden zumindest genetisch aufgefrischt. Und dann ging alles den Bach runter, die Filmemachern ließen die notwendige Ernsthaftigkeit, die dieses Thema benötigt missen und schickten Helden ins Rennen, die gar keine sind. „Kick Ass“, „Watchmen“ oder „Super“: Superhelden ohne Superkräfte, teilweise angelegt als Komödie: Unfassbar! Und mit „Defendor“ wird der nächste Held ins Rennen geschickt, doch im Unterschied zu den erstgenannten ist er ein tragischer Held. Aus großer Kraft erwächst große Verantwortung? „Defendor“ stellt sich die Frage, ob man nicht auch Verantwortung trägt, wenn man keine große Macht hat. Ist Gewalt ok, wenn dadurch andere gerettet werden?

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Kurzkritik: PERSEPOLIS [2007]

Das Leben im Iran war und ist nicht immer einfach. Das wissen die Menschen die dort leben bzw. gelebt haben wohl am besten. Marjane Satrapi kommt aus dem Iran, lebt jetzt in Frankreich und hat ihre Erlebnisse aus der Heimat in einem mehrbändigen Comic festgehalten. In tristem – dafür aber kontrastreichen – S/W-Zeichnungen erfährt der Leser – oder in diesem Fall der Zuschauer – wie es war, damals, von der Regentschaft des Schah, über die Islamische Revolution bis in die 90er Jahre, in denen Satrapi nach Frankreich auswanderte.

Der Film beginnt mit der Kindheit Satrapis, in welcher der Schah noch an der Macht ist. Die Menschen im Iran sind unzufrieden mit den Verhältnissen in ihrem Land und im Zuge der Revolution verlässt der Schah den Iran. Aufbruchstimmung macht sich breit, die jedoch bald wieder verfliegt: Die neuen Machthaber setzen ihre religiösen Vorstellungen über die Gesellschaft sehr bald in die Tat um, welche das Leben im Iran stark einschränken und insbesondere die Rolle der Frau beeinflussen.

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Shortcuts: SHERLOCK HOLMES 2 – SPIEL IM SCHATTEN [2011]; SILENT HILL [2006]; BRÜGGE SEHEN… UND STERBEN? (IN BRUGES) [2008]

Sherlock Holmes: Spiel im Schatten

Jetzt nimmt es auch Guy Ritchies Holmes mal mit Moriarty auf, wie so viele Sherlocks vor ihm. Und das ist auch gut so. Denn auch wenn Holmes zu Beginn des Films schon alle Zusammenhänge herausgefunden hat und es dann nur noch darum geht, Moriarty zu fangen, so ist der Weg dahin durchaus spannend, humorvoll und ansehnlich inszeniert. Leider sieht das zwar einerseits auch ganz schick aus, fühlt sich aber leider ein wenig wie durchschnittliches Popcorn-Kino an, ohne dass ich da genaue Gründe nennen könnte.
Man kann sagen: Gott sei Dank war der erste Teil schwächer, denn so konnte sich die Fortsetzung steigern und man wird positiv überrascht. Besser als die Asylum-Variante sind beide Filme aber allemal. Doch an die BBC-Serie kommen sie nicht heran.

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