Kritik: SCOTT PILGRIM GEGEN DEN REST DER WELT (SCOTT PILGRIM VS. THE WORLD) [2010]

Wer beim 16-Bit-Universal-Logo und der C64-Musik zu Beginn des Films denkt, sein Fernseher wäre kaputt oder irgendetwas würde mit der Signalübertragung nicht stimmen – derjenige sollte den Film direkt wieder abstellen, der wird mit dem, was auf ihn zukommen würde, nicht glücklich. Ähnlich wie es auf dem Plakat im Film zum Band-Battle steht (in etwa „Zwei gehen rein, einer fliegt raus“), haben wir zu zweit begonnen den Film zu sehen und ich habe ihn alleine beendet. „Scott Pilgrim“ wird nicht jedem gefallen, aber das will er auch gar nicht. Er richtet sich ganz klar an die Nerds dieser Welt, an alle, die mit Comics, Videospielen und Indie-Rock aufgewachsen sind. Denn der Film ist nicht nur eine Comicverfilmung, er ist ein Comic in Filmform, ein real gewordenes Videospiel.

Scott datet ein Highschool-Mädchen und trifft anschließend auf einer Party die Frau seiner Träume (im wahrsten Sinne des Wortes) – Ramona. Doch um ihr Herz zu gewinnen bzw. um sie für sich alleine zu haben, muss er erst gegen ihre sieben Ex-Lover antreten und sie in bester Beat’m’up-Manier besiegen. Blöd nur, dass er halt immer noch das Highschool-Mädchen (Knives) datet…

Ich finds relativ schwer, das gesehene in Worte zu fassen. Denn so richtig viel passieren will in dem Film nicht – die obigen drei Sätze sagen im Grunde schon alles. Scott trifft Ramona, dann die Kämpfe gegen ihre Ex-Lover, Ende. Dazwischen jeweils noch ein paar Dialogzeilen. Viel mehr ist der Film was fürs Auge, denn zu sehen gibt es genug. Damit mein ich jetzt ausnahmsweise mal nicht die weibliche Besetzung, sondern vielmehr allgemein die visuelle Umsetzung. Ähnlich wie damals die Batman-Serie wird hier jedes Geräusch visualisiert, so dass da schon mal „Ding-Dong!“ steht, wenn die Tür klingelt. Doch wirkt es hier keinesfalls albern oder fehl am Platz. Ach, guckt einfach den Trailer, dann seht Ihr was ich meine.

Der Cast hat mir leider nicht ausnahmslos gefallen. Zugegeben, ich kenne die Comic-Vorlage (noch) nicht, aber Michael Cera wirkte für mich irgendwie fehl am Platze. Er spielt zwar im Grunde immer nur sich selbst, aber zum Beispiel bei „Juno“ passte das sehr viel besser, dort war er schon die Idealbesetzung. Dieser Scott ist irgendwie ein Lahmarsch mit Selbstzweifeln bei dem man sich fragt, was Ramona denn an ihm findet – seine Pac-Man Geschichte wird es wohl nicht gewesen sein. Seltsamerweise stimmt die Chemie zwischen ihm und Knives sehr viel besser, dies sind auch die wenigen Momente, bei denen man das Gefühl hat das Cera auch ein wenig aus sich herausgeht und Freude an dem hat, was er da tut. Was man bei Ramona nicht sagen kann, da sie eigentlich immer einen sehr gelangweilten Eindruck macht. Sollte der Scott in der Comic-Vorlage natürlich genau so sein wie im Film dargestellt, nehm ich das selbstverständlich zurück – dann hat es mir einfach so nicht gefallen.

Aber trotz allem ist der Film episch. Ein Positiv-Beispiel für Style over Substance, mit seinen sieben „Exes“ zwar etwas lang geraten, aber im Endeffekt witzig, durchgeknallt und experimentell genug, um durchaus zu gefallen. Nicht jedem, wohlgemerkt. Macht aber auch nichts. Kein Meisterwerk für die Ewigkeit, dafür hat „Scott Pilgrim“ dann doch zu wenig zu erzählen, aber für den Moment ausgezeichnetes Entertainment. Und während ich das hier geschrieben habe, hab ich mir bestimmt fünf mal obigen Trailer angesehen. Das heißt schon was.

Shortcuts: SUNSHINE CLEANING, NICK & NORAH, STAR TREK XI (ZS)

SUNSHINE CLEANING [2008]

Zwei Schwestern kommen nicht wirklich mit ihrem Leben klar und gründen eine Tatort-Reinigungsfirma. Der Film von den Produzenten von Little Miss Sunshine wartet zwar ebenfalls mit Sonnenschein im Namen und skurrilen Charakteren auf, ist aber insgesamt mehr Tragik als Komödie, auch wenn diverse Szenen doch recht amüsant sind. Der Film zeichnet sich hauptsächlich durch die großartigen Darsteller sowie seine Bodenständigkeit aus – wie beispielsweise bei Little Miss Sunshine, Juno oder meinetwegen auch Garden State merkt man Sunshine Cleaning doch an, das etwas wie eine Seele in ihm steckt. Und das macht ihn am Ende doch sehr sympathisch. Sicherlich kein Meilenstein der Filmgeschichte, aber auf seine Art sehenswert.

NICK & NORAH – SOUNDTRACK EINER NACHT [2008]

Nick wurde von seiner Freundin verlassen und kommt damit nicht wirklich klar. Daraufhin stellt er ihr eine Mix-CD nach der anderen zusammen, in der Hoffnung, sie zurück zu erobern. Norah, die „Freundin“ seiner Ex, bekommt diese in die Finger und ist begeistert. Der Zufall führt sie zusammen und lässt sie eine turbulente Nacht erleben… . Michael Cera wärmt seine Rolle aus Juno auf und kann somit keine wirklichen Akzente setzen, für einen Film, der den Soundtrack schon im Titel hat ist die Musikauswahl und Platzierung doch sehr beliebig und auch sonst ist das Ganze irgendwie nichts besonderes, vor allem da ich nicht wirklich fand, dass sich so etwas wie eine Chemie zwischen Nick und Norah entwickelt. Aber der Film hat trotz allem durchaus Witz und ist deshalb auch guckbar. Mehr aber auch nicht.

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Soundtrack des Lebens (6): Juno


In der Review schon erwähnt, hat mir der Soundtrack von Juno von Anfang an sehr gut gefallen. Die Auswahl der Songs passt unglaublich gut zu diesem Film (der ja auch so unglaublich gut ist) und unterstreicht die Stimmung perfekt. Beispielhaft habe ich einfach mal „Anyone Else“ vom Schluss des Films gewählt, da er nicht nur von den Darstellern selber dargeboten wird, sondern auch zur Aussage des Films perfekt passt. Ein Feel-Good-Soundtrack, der aber leider auf CD nur halb so gut wirkt.


(YouTube)

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