Kritik: SKYLINE [2010]

Wer kennt das nicht: Man schaut einen richtig schlechten Film und denkt sich: Gebt mir das Geld und ich mach was Besseres draus. Dachten sich wohl auch die Brüder Strause, die sich zwar im Sektor der Special Effects einen Namen gemacht haben (u.a. „Avatar“ & „2012“), denen das aber scheinbar alles nicht genug war. Nach „Alien Vs. Predator 2“, den ich nicht kenne, ist „Skyline“ ihr zweiter Spielfilm und ihr erster, den sie eigenständig produziert haben. Was immer in diesem Film passiert, die beiden haben es selber zu verantworten, kein Studio, welches ihnen eventuell Auflagen diktiert hat. Das lässt ja hoffen: Ein Film kann ja noch so gut sein, die Story noch so ausgefeilt, wenn Special Effects eine tragende Rolle spielen und diese dann so schlecht sind, dass einem die ganze Illusion geraubt wird, kann das einen ganzen Film zerstören. Wenn man also einen Film von zwei ausgewiesenen Special-Effects-Experten präsentiert bekommt, ist das ja schon die halbe Miete. Also, sollte man meinen.

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Kritik: DER KLEINE NICK [2010]

Was gab es für ein großes Hallo als es damals hieß, „Der Herr der Ringe“ wird verfilmt. Als unverfilmbar galt das Werk. Der Großteil der Fans jedoch konnte von Peter Jackson zufriedengestellt werden. Viel schwieriger als die detailierten Abenteuer Frodos in Mittelerde war für mich jedoch die Vorstellung, dass „Der kleine Nick“ verfilmt werden sollte. Nicht nur, dass Nick in all seinen Abenteuern als Ich-Erzähler auftritt, mit all seinen teilweisen naiven Sichtweisen und kindlicher Logik, die Geschichten sind für mich auch untrennbar mit den Zeichnungen Sempés verbunden. Ich war gespannt, wie das als Real-Verfilmung funktionieren sollte, vor allem die „Massen-Szenen“, in denen sich alle Jungs gegenseitig eins auf die Nase geben (außer Adalbert, weil der eine Brille trägt). Der Trailer wirkte damals ganz ok, ins Kino hab ichs nicht geschafft, nun also die Sichtung im Heimkino, und bei solchen Komödien ist das ja auch völlig ok.

Joachim ist entsetzt: Er hat ein kleines Brüderchen bekommen und fühlt sich nun völlig vernachlässigt. Als er dann eines Tages nicht in die Schule kommt, ist für Nick und die anderen Jungs die Sache klar: Joachim wurde im Wald ausgesetzt, da für ihn kein Platz mehr ist. Dann macht Nick eine schreckliche Entdeckung: Seine Eltern zeigen scheinbar die gleichen Symptome wie Joachims Eltern, kurz bevor sein Brüderchen da war. Er bekommt es mit der Angst zu tun: Was, wenn er nun auch ein Brüderchen bekommt und ebenfalls im Wald ausgesetzt wird? Das gilt es zu verhindern, und so heckt er mit seinen Kumpels einen Plan aus…

„Der kleine Nick“ spielt in einer steril überzeichneten Welt der 50er-60er-Jahre. Damals war die Welt noch in Ordnung und eines der größten Probleme ist da noch, wenn Nick für einen Schulaufsatz nicht weiß, was er später einmal werden will. Das Setting passt schon mal, denn zu der Zeit kamen ja auch die ersten Geschichten Nicks heraus. Wo es anfängt schwierig zu werden, sind die Charaktere. In den Büchern kennt man sie nur aus den Erzählungen von Nick. Ob das alles wirklich so ist, wie er es beschreibt weiß man nicht, denn Kinder sehen manche Dinge ja nun mal etwas anders, als sie tatsächlich sind, und dass macht ja auch mit den Charme aus. Für den Film jedoch muss man sich festlegen, denn obwohl Nick hier als Off-Sprecher agiert, entspringen die Bilder, die der Zuschauer zu sehen bekommt, nicht alleine seiner Sichtweise. Schließlich ist er nicht mal in allen Szenen anwesend, kann diese also auch nicht erzählen. Die überzeichneten Charaktere entsprechen jedoch trotzdem exakt denen aus den Büchern. Der dicke Otto, der immer am Essen ist, Chlodwig, der immer in der Ecke stehen muss oder Adalbert, der Klassenbeste – so kennt man sie, und so sieht man sie auch im Film. Und so hat jeder Charakter seine Momente (auch Nicks Eltern, die ganz andere Sorgen als die Kinder haben), und durch die Einbindung diverser Buch-Abenteuer fühlt man sich auch beständig an diese erinnert. Und doch fehlt irgendetwas, denn an den Charme der wuseligen Zeichnungen kommt leider keine der Kameraeinstellungen heran.

Man sollte Buchverfilmungen nicht immer an ihrer Vorlage messen. Wenn man diese jedoch kennt, ist es fast unmöglich, den Film fortwährend mit dieser zu vergleichen. Natürlich hat es ein Film schwer, sich mit den Büchern vom kleinen Nick zu messen, sind diese doch auf ihre eigene Art schwer umsetzbar. Doch kann man den Film auch als etwas Eigenständiges sehen, denn „Le Petit Nicolas“ dürfte auch all diejenigen unterhalten, die die Bücher nicht kennen. Im Grunde ist es ein Kinderfilm, an dem auch jung gebliebene Erwachsene ihren Spaß haben werden. Er besteht zwar nicht aus einer Ansammlung von Schenkelklopfern, doch beim Abspann sollte jeder ein Lächeln im Gesicht haben, denn man weiß, warum Nick anfangs keine Ahnung hat, was er werden soll: Eigentlich soll sich gar nichts verändern, denn es ist ja prima so, wie es jetzt ist. Auch wenn er am Ende einsieht, dass nicht jede Veränderung automatisch schlecht ist.

Kurzkritiken: BURIED [2010]; DRACHENZÄHMEN LEICHT GEMACHT [2010]

Buried

Bei kaum einem anderen Film lässt sich der Slogan „Mittendrin statt nur dabei“ besser anwenden als bei „Buried“. Ryan Reynolds spielt hier einen LKW-Fahrer im Irak, der Hilfsgüter transportiert, als plötzlich sein Konvoi von Aufständischen angegriffen wird und er von eben diesen gefangen genommen und als Geisel genommen wird. Die moderne Geisel von heute wird jedoch nicht irgendwo in einer Lagerhalle gefangengehalten, sondern bei lebendigem Leib in einem Sarg begraben, mit einem Handy als Kontakt zur Außenwelt. Und nur über eben dieses Handy erfährt der Zuschauer (und Herr Reynolds) das alles, denn das Innere des Sarges ist das Einzige, was man in den 90 min des Films zu sehen bekommt. Das hört sich jetzt vielleicht nicht all zu aufregend an, 90 min mit Ryan in der Kiste zu liegen (vielleicht sehen Frauen das ja anders), und dementsprechend war ich vor dem Film auch skeptisch. Und doch schafft der Film es, eine klaustrophobische Spannung zu erzeugen, man fiebert mit ihm mit und sorgt sich spürbar um den Handyakku. Das funktioniert also sogar so gut, dass es Showeinlagen wie die Schlange gar nicht gebraucht hätte, denn es ist mehr als offensichtlich, dass diese aus eben diesem Grund als einziger Nebendarsteller in den Film geschafft hat: Die Geschichte aufzulockern, den Zuschauer zu wecken, sowas in der Richtung. Als würde man der selber aufgebauten Spannung nicht ganz trauen. Und doch: Am Ende wirkt es fehl am Platz und passt so gar nicht zur restlichen Stimmung des Films. Denn ansonsten, und das hat schon ein wenig überrascht, ist der Film spannend mit einem in der Form nicht ganz so erwarteten Ende.

Drachenzähmen leicht gemacht

So sind sie, die Wikinger: Immer auf Streit aus, und keinesfalls nachgeben. Und wenn es auch eine ganze Horde Drachen sind, die das Dorf regelmäßig angreift – zurückgewichen wird nicht, dann werden halt die Häuser immer wieder neu gebaut. Da muss dann erst der Wickie der Neuzeit namens Hicks kommen, der seinem Vater dem Stammeshäuptling den Weg weisen muss. Der Drache, das missverstandene Wesen. Und getreu dem gerne verfilmten Motto „Kindermund tut Wahrheit kund“ wird auch hier natürlich am Ende alles gut und die Erwachsenen sehen ihren Fehler ein, soviel darf man wohl verraten. Überhaupt sind Animationsfilme für Kinder gerne mal überraschungsarm, und so auch hier, der Weg ist das Ziel. Aber: Das macht alles überhaupt nichts. „Drachenzähmen leicht gemacht“ ist ein grundsympathischer Animationsfilm, der als Mischung aus „Dragonheart“, „Ronja Räubertocher“ und „Wickie“ zu keiner Sekunde langweilt und ganz nebenbei auch reichlich Action zu bieten hat, die seinerzeit im Kino das 3D rechtfertigen musste. Immerhin, und das ist schon fast einen Extrapunkt wert: Keine Szene des Films macht den Eindruck, als sei sie nur wegens des 3Ds eingefügt worden. So wie das in 3D vielleicht ganz schick ausgesehen haben könnte, so funktioniert das in 2D alles genau so gut, wenn nicht sogar besser, weil ohne Brille.

Shortcuts: SO SPIELT DAS LEBEN [2010]; SHERLOCK HOLMES [2010]; BLAIR WITCH PROJECT [1999]; REINE FELLSACHE [2010]

So spielt das Leben

Junge trifft Mädchen, sie mögen sich erst nicht, müssen miteinander auskommen, mögen sich dann doch, sie aber auch einen anderen, aber den erstgenannten dann doch viel lieber und am Ende haben sich alle lieb. Das ist in etwa die Formel für jede zweite RomCom, und so auch für diesen Film. Was aber Katherine Heigl entgegen kommen dürfte, denn da sie gefühlt gar keine anderen Rollen spielt, muss sie sich hier nicht umgewöhnen. Zusätzlich haben wir in diesem Film noch die typischen Zutaten die man gerne nimmt, wenn man grad nichts anderes im Haus hat: Lustige Nebenrollen wie die dicke Frau und ihr unterdrückter Mann, zwei Schwule, die fröhlich in der Klischeeschublade wühlen, der lustige schwarze Taxifahrer und natürlich das süße Baby. Mir persönlich hat eigentlich nur der Golden Retriever gefehlt. Im Großen und Ganzen ist das alles durchaus wegguckbar und das ein oder andere Mal ist es auch recht witzig, aber es reicht bei weitem nicht für eine Ansiedlung im oberen Bereich, dafür ist der Film dann doch zu belanglos und vorhersehbar.

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Kritik: THE BOOK OF ELI

Wer hat nicht schon einmal darüber nachgedacht, auf welche Weise sich die Menschheit demnächst zugrunde richten wird? Also, DAS es passiert, scheint außer Frage, über das WIE gibt es noch Uneinigkeit. Eine beliebte Variante und wie ich finde, gar nicht mal so abwegig, ist der Atomkrieg. Wenn dann jedoch wirklich alle tot wären, macht das ja keinen Spaß und regt nicht wirklich die Fantasie an. Die Frage ist doch: Was kommt danach? Wie würden die Überlebenden in der postapokalyptischen Welt, ja, überleben? „Waterworld“ zeigt die Welt überflutet, zwar nicht wegen eines Atomkrieges, aber das Ergebnis ist ähnlich: Trinkwasser ist ein knappes Gut, alleine schlägt man sich am besten durch und Frauen bringen in der Regel nur Unglück. Die Erlösung findet man immer nach einer langen Reise, nie da, wo man sich grade aufhält, aber immerhin: Am Ende wird dann alles gut, mal mehr, mal weniger.

Auch Eli hat diese Reise vor sich und vor allem vor, sie alleine zu beschreiten. Er muss ein Buch in den Westen bringen, ein Buch, dass für die Menschen scheinbar die Erlösung bringt, zumindest aber für Eli selber, denn er liest auch jeden Tag darin, was er gar nicht braucht, er kanns eh auswendig. Recht schnell lernen wir: Es ist die Bibel. Das Wort Gottes als Heilsbringer, aber nur, je nachdem in wessen Hände es fällt – denn auch Gary Oldmann will es haben, aber nur, damit ihm die Menschen folgen, da nur die Bibel dafür die richtigen Worte kennt.

„The Book Of Eli“ beginnt unheimlich atmosphärisch. Eli als einsamer Jäger im Wald, der im atomaren Ascheregen eine Katze erlegt, um was zu Essen zu bekommen. Die Farbfilter dürfen zeigen was sie können, allgemein ist das Setting durchaus beeindruckend, sowohl die Kamerafahrten als auch, oder vielleicht genau des wegen, die Actionszenen wissen durchaus zu gefallen. Denzel Washington als Einzelkämpfer wirkt im ersten Moment zwar ungewohnt, aber letztendlich passt die Rolle als dystopischer Blade sehr wohl zu ihm – auch wenn sein Charakter erst durch seinen Gegenspieler komplettiert wird, einem grandios spielenden Gary Oldman, durch den der düstere Pessimismus welcher den Film durchzieht ein wenig aufgelockert wird. Schon bei „Léon“ gab er den Bösen, der sich gegen einen Einzelkämpfer behaupten muss, und auch hier passt die Rolle einfach zu ihm. Wäre sein Part nicht, man würde schon viel früher bei diesem Film einschlafen. Denn so gut das alles technisch gelöst ist, so sehr sich Washington und Filmpartnerin Mila Kunis auch bemühen: Der Film ist zwischen den Actionsequenzen ruhig, zu ruhig. Das wäre eigentlich gar nicht schlimm, wenn sich ein Film die Zeit nimmt, um seine Story und die Charaktere zu entwickeln, aber hier entwickelt sich gar nichts, es werden lieber noch ein paar Landschaftsaufnahmen gezeigt, die zwar zu Beginn noch beeindrucken, am Ende den Film aber unnötig in die Länge ziehen. Denn den Leuten beim Reden zuhören sollte man tunlichst lassen, solange man kein christlicher Fundamentalist ist.

[SPOILER] Denn wie gesagt, es geht um die Bibel, und Eli will nicht nur das Buch überbringen, sondern auch die Botschaft. Und so wird nicht nur in einer Szene Jonny Cash zitiert, sondern auch fleißig die Bibel. Den Leuten wird das Beten beigebracht und überhaupt, Eli ist zu seiner Mission aufgebrochen, da ihn eine Stimme dazu aufgefordert hat. Das Eli letztendlich auch noch blind sein soll, setzt dem Ganzen noch die Krone auf: Nicht nur, das er bis zum Schluss so gut wie unverwundbar ist, scheinbar wurde er auch noch von Gott geleitet. [/SPOILER]

Es geht also sehr biblisch zu, und nicht nur aufgrund des Filmtitels kommt es einem vor als würde man ein Kapitel aus der Bibel mit einem bis dato unbekannten Propheten sehen. Für Leute, die mit Gottes Botschaft wenig anfangen können, wird der Film zu einer Qual, die Grundaussage ist zudem mit „Und bist du nicht gläubig, so brauch ich Gewalt“ sehr fragwürdig. Man stelle sich einfach mal vor, anstelle der Bibel würde es um den Koran gehen – unvorstellbar, das Geschrei wäre groß. Religionsunterricht mit großem Budget in einer Welt, in der passender Weise Dan Browns „Sakrileg“ verbrannt wird. Der coole, sonnenbebrillte Christ der Zukunft wäscht sich mit Erfrischungstüchern von Kentucky Fried Chicken, hört Musik über den iPod und metzelt sich mit seiner Machete den Weg frei, um die frohe Botschaft in die Welt zu tragen. Das lässt nicht wirklich für die Menschheit hoffen.

Shortcuts: KINDSKÖPFE / GROWN UPS [2010]; (500) DAYS OF SUMMER [2009]

Kindsköpfe

Roger Ebert hat einmal gesagt, „Kindsköpfe“ fühle sich an wie „ein Wochenende, dass man mit Leuten verbringt, die man so schnell nicht wiedersehen möchte“. Das trifft es eigentlich ziemlich gut. Wenn man sich mit diesen Kindsköpfen irgendwo blicken lassen würde, ist der eigene Ruf doch auf Dauer ruiniert. Furzende Omas, ins Schwimmbad pinkelnde alte Männer und die üblichen Dickenwitze: Auch wenn man ganz objektiv an diesen Film herangeht, nichts gegen Adam Sandler hat und sich ohne Vorbehalte vor den Fernseher setzt: Die Zeit, in der man über sowas lachen konnte, sollte eigentlich längst vergangen sein. Aber da passt es doch ins Bild, dass ja auch die Kindheit der Protagonisten längst vergangen ist und sie diese bei einem Treffen nach einer halben Ewigkeit wieder aufleben lassen wollen. Doch wie man es dreht und wendet: Schon nach dem ersten Gag, noch während des Vorspanns, hätte ich am liebsten abgeschaltet, wäre meine Neugier nicht größer gewesen. Witze mit dem Spruch „Warum, weil ich schwarz bin?“ werden auch dadurch nicht wieder lustig, nur weil sie von einem Kind aufgesagt werden. Ich muss aber zugeben: Es darf auch durchaus gelacht werden bei den „Grown Ups“. Immer dann, wenn es mal nicht unter die Gürtellinie geht, wenn die Kumpels unter sich sind und man nebenbei auch merkt, dass sich die vier mögen, stimmt einfach die Chemie und die Gags sitzen. Das ist etwa dann der Fall, wenn sie sich absprechen, wer wann auf den Frauenhintern glotzen darf – „Gucken wir jetzt etwa alle in den Baum?“. Natürlich ist das auch ein wenig herabwürdigend für Frauen. Aber man darf auch nicht vergessen, dass es sich hier immer noch um einen Adam Sandler Film handelt. Man nimmt, was man kriegen kann. Und bekommt als Bonus, was man nicht will: Moralischen Familienquatsch inkl. gemeinsames Hissen der amerikanischen Flagge. Es lebe die amerikanische Familie und ihre Werte.

(500) Days Of Summer

Eine Liebesgeschichte, die keine ist: Er liebt sie, sie ihn zwar irgendwie auch, aber auch irgendwie nicht. In jeder x-beliebigen RomCom würde sie ihn am Ende natürlich wirklich lieben und es würde mindestens geheiratet werden, hier, und so viel sei verraten, wird am Ende zwar auch geheiratet, aber in einem anderen Zusammenhang. Ganz grob die typische Geschichte, wie man sie kennt, aber so erzählt, wie frau es nicht gewohnt ist: Realistisch, ohne Kitsch, nachvollziehbar. Man kann mit niemanden leiden, ohne vorher mit ihm gelacht zu haben, und so ergeht es uns hier: Zwar ist die Geschichte nicht chronologisch erzählt, doch besonders in der ersten Hälfte, in den ersten „days of summer“, ist ja noch alles gut und umso mehr trifft einen dann der weitere Verlauf der Beziehung, die keine ist. Eine Liebesgeschichte, die man mögen darf, ein Film, den man mögen sollte, zwei Protagonisten, die aus der Geschichte lernen, also, vielleicht. Gibt es die wahre Liebe? Ja, nein, vielleicht. Wirklich schlauer ist man nicht. Und wenn schon Summer nicht daran glaubt, und dies Tom in den ersten von 500 Tagen deutlich macht – der Zuschauer glaubt an die Liebe, wünscht es Tom, und man kennt es doch auch so aus dem Kino. Man flieht in diese Welt, in der doch alles gut wird, irgendwie, denn wie gesagt: Am Ende wird geheiratet, und während man sich eine Träne der Rührung aus den Augen wischt, läuft der Abspann. Realität und Vorstellung: Würde man einen ähnlichen Effekt wie die Montage im Film erzielen wollen, man sollte eine beliebige RomCom mit Julia Roberts oder so in einem Fernseher daneben laufen lassen. Natürlich, Summer hat uns alle gewarnt. Natürlich hätten auch wir es darauf ankommen lassen. Und doch würden wir sie gerne hassen dafür, aber eigentlich ja auch nicht. Es hat nicht sollen sein.

Kurzkritik: CHATROOM [2010]

Das böse, böse Internet. Alles voll von Raubkopierern, Kinderschändern und Perversen. „Chatroom“, dessen Tagline (wohl aus marketingtechnischen Gründen) „Willkommen im Anti-Social Network“ lautet, nimmt sich dieser Prämisse an, ohne sie zu hinterfragen. Das muss man wissen, wenn man sich auf diesen Film einlassen will, denn viel Gutes bietet das filmische Netz nicht. Denn obwohl sich Jim, Emily, William, Mo und Eva einfach nur in einem Chatroom treffen, um zu reden, stellt sich schnell heraus, dass William ein falsches Spiel spielt, um damit die anderen zu manipulieren und Jim gar in den Selbstmord zu treiben. Denn er hat Gefallen daran gefunden anderen dabei zuzusehen wie sie tun, was er selber nicht geschafft hat.

Der Inhalt ist also schnell erzählt, aber als Umsetzung eines Theaterstücks geht es bei „Chatroom“ weniger um eine möglichst komplexe Handlung mit wechselnden Schauplätzen oder effektreicher Action, sondern mehr um die Beziehungen der fünf Freunde untereinander. Im Chatroom wird halt viel geredet, aber Gott sei Dank sieht man den Fünfen nicht 90 min dabei zu, wie sie vor ihrem Computer hocken. Das Internet ist wie ein Hotel mit langen Fluren, und jede Tür führt in einen anderen Chatroom. Diese werden von ihren Admins nach Belieben gestaltet und können auch mit Passwörtern gesichert werden – eine geniale und visuell gute Idee, HTML-Code filmisch umzusetzen. Wenn sich die fünf in Williams Chatroom treffen, sitzen sie auf fünf Stühlen in einem ansonsten leeren Raum, wohingegen Evas Raum trendy geschmückt ist, mit riesigen Plakaten an der Wand. Jeder Chatraum drückt auf diese Weise die Gefühle seines Besitzers aus. Jim beispielsweise hat erst gar keinen. Depressiv, weil als Kind vom Vater verlassen, lässt er niemanden an sich heran, weder im richtigen Leben, noch im Internet. Mehr durch Zufall scheint er in Williams Chatroom „Chelsea Teens!“ zu kommen und wird gleich von Williams Art eingenommen.

Die Grundidee sowie die technische Umsetzung, als auch die musikalische Untermalung, all das ist gut gelöst, und doch, mit fortschreitender Laufzeit enthält der Film immer mehr Längen. Wenn die Figuren vorgestellt sind, die Konstellationen klar sind und auch die Hintergründe der handelnden Personen, ab dem Zeitpunkt gibt es etwas Leerlauf. Es geht nur noch um Jim und William und die Dynamik ist ein wenig raus. Und wie schon zu Beginn gesagt: Entweder, die Macher haben wirklich Angst vor dem sogenannten Internet mit all den bösen Menschen die es füllen, oder es ist Absicht, es so darzustellen – doch „Anti-Social Network“ macht hier wirklich Sinn. Wenn man Chats zum Social Network dazuzählen will: sozial ist hier niemand. Man kann es also nur so sehen, dass die positiven Aspekte bewusst ausgeblendet werden, um die Intention deutlicher werden zu lassen. Im Endeffekt allerdings doch zu oberflächlich und dabei noch nicht mal konsequent.

„Chatroom“ ist seit dem 24.06.2011 auf DVD und Blu Ray erhältlich.

Double-Feature: STARTUP (AntiTrust) [2001]; THE SOCIAL NETWORK [2010]

Wer kennt sie nicht, die Geschichten, die man sich am Lagerfeuer erzählt über Startup-Unternehmen, die in kleinen Garagen von Nerds gegründet wurden und die dann millionenschwere Konzerne wurden. Eine Idee, die die Welt revolutionierte – von Studenten, die ihre Freizeit sonst nicht anders verbrachten als an Computern zu schrauben und Codes zu schreiben.
Die gleiche Grundidee, aber zwei Filme, die fast unterschiedlicher nicht sein können. Vereinfacht lässt sich festhalten: Auf der einen Seite haben wie den Studenten, der sich in einer knallharten und brutalen Geschäftswelt prostituiert, auf der anderen Seite den idealistischen Programmierer, der vor allem anderen die Sorge hat, seine Idee wäre nicht mehr cool.

STARTUP
(Conspiracy.com / AntiTrust)

Milo (im Mark Zuckerberg Gedächtnislook) und seine Kumpels arbeiten in einer Garage an einem revolutionären Open-Source Programm, mit dem weltweite Datenkommunikation für jeden ermöglicht würde. Gary, Chef des Software-Konzerns „Nurv“, arbeitet an einem ähnlichen Projekt – kommerziell natürlich. Um den angestrebten Termin einhalten zu können, wirbt er Milo an. Dieser nimmt das Angebot an – merkt aber schnell, das etwas faul ist im Hause Nurv. Denn wie der deutsche Untertitel schon sagt: „Traue nur dir selbst“, hier ist niemand was er scheint, und Gary ja schon mal gar nicht. In Wirklichkeit ist er nämlich Bill Gates.

Oberflächlich betrachtet ist „Startup“ ein solider Teenie-Thriller der zeigt, was wir alle schon insgeheim wussten: Microsoft Nurv klaut seine Codes von Programmieren zusammen und stellt unfertige Produkte auf den Markt und nicht nur das – sie töten die Programmierer sogar! Denn wie sagte Gary noch: „Jeder Student in seiner Garage könnte ein besseres Produkt entwickeln und uns vom Markt drängen“. Theoretisch, ja. Praktisch lässt er es dann aber lieber nicht soweit kommen. Wie gesagt, oberflächlich. Denn durch all die Themen, die der Film von sich aus anspricht – man braucht Profit, um zu expandieren, man kann mit dem Geld ja auch Gutes tun, Open Source wird ja doch nur von anderen geklaut, die dann damit Geld verdienen – durch all das widerspricht er seiner Grundidee – Open Source ist das einzig wahre – permanent selber. Denn wenn Nurv für sein Kommunikationsnetzwerk 12 Satelliten ins All schießen musste, wie wollten Milo & Co. ein ähnliches Programm (frei) auf den Markt bringen, ganz ohne Satellit? Es scheint also, als ob man doch ein wenig Geld braucht, um seine Ideen zu verwirklichen – aber das wird lieber nicht hinterfragt. Was ein richtiger Nerd ist, der schafft sowas ganz ohne Satellitentechnik. Früher ging sowas auch mit zwei Dosen und einem Bindfaden.

THE SOCIAL NETWORK

Mit dem Klischee mit der Firmengründung in der Garage hat der Film nicht mehr viel am Hut, auch wenn es hier eine Studentenbude ist, in der alles seinen Anfang nimmt. Nicht, um Geld zu verdienen oder um ganz groß rauszukommen – es beginnt mit einer einfachen Rache an Zuckerbergs Exfreundin bzw. den Frauen allgemein. Denn es geht um Beziehungen. Freundschaftliche, die Zuckerberg in dem Film zwar zugeschrieben werden, die aber (für ihn) nicht wirklich relevant sind, sondern nur ein Mittel zum Zweck (=Finanzierung) sind, Liebesbeziehungen, die gleich zu Beginn des Film gekappt werden, oder die Art von Beziehungen, durch die man in angesagte Lokale kommt, die einem den Zugang in prestigeträchtige Vereinigungen ebnen, durch welche man noch prestigeträchtigere Verbindungen knüpfen kann. Wer kennt wen, und kennt man vielleicht auch die Freundesfreunde? Und wenn ja, was machen die grade?

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TITANIC 2 – DIE RÜCKKEHR [2010]

Ich könnte mir vorstellen, Kritiken über Asylum-Filme zu schreiben, ist genau überflüssig wie über Uwe Boll -Filme zu schreiben. Irgendwie erinnern mich diese Filme an kleine Kinder, die mit ihren bescheidenen Mitteln Szenen nachspielen, beispielsweise als Cowboy und Indianer und davon total begeistert sind. In ihren Augen SIND sie dann ja auch Cowboy und Indianer, selbst wenn das Gewehr aus Holz geschnitzt ist. Die Erwachsenen belächeln sowas dann gerne mal – oder haben nie damit aufgehört und spielen vor der Kamera weiter. Dabei kommen dann Filme wie „Titanic 2 – Die Rückkehr“ heraus. Für die Produzenten vielleicht der beste Film aller Zeiten, und das auch noch selbst gemacht (!), für alle anderen schlimmer als so mancher Fan-Film.

Es gehört schon was dazu, von einer realen Katastrophe eine Fortsetzung zu machen, diese dann tatsächlich mit „Die Rückkehr“ zu untertiteln und die Story auch noch ähnlich ablaufen zu lassen. Natürlich ein Eisberg, natürlich gibt die „Titanic 2“ Vollgas, und wenn dann noch der Satz fällt „Es scheint, als wenn sich die Geschichte wiederholen würde!“ denkt man sich: Ja, das Gefühl habe ich auch. Der einzig nennenswerte Unterschied ist wohl noch der Versuch, ein wenig Umweltbotschaft von wegen Erderwärmung und schmelzende Pole mit einzubringen, aber das Thema ist dann nach 20 Minuten auch vom Tisch.

So wie ich das sehe, hat man zwei Möglichkeiten. Entweder, man ist schon besoffen, wenn man den Film anschaut.
Oder man verbindet die Sichtung mit einem Trinkspiel. Beispielsweise muss man immer einen trinken, wenn die gleiche Szene kommt, wie die Titanic vorbei schippert. Jedesmal einen trinken, wenn es zu dunkel ist, um überhaupt etwas (die schlechten Effekte nämlich) zu erkennen. Oder jedesmal einen trinken, wenn der Held der Geschichte (zumindest in der deutschen Synchro) „Ok!“ sagt oder fragt „Bist du ok?“. Obwohl das dann schon für Fortgeschrittene ist, ansonsten würde eine Alkoholvergiftung anstehen.

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