Serienkritik: DAS PHANTOM 1+2 [2009]

Früher, da waren die Helden noch bunt, die Gegner noch simpel gestrickt und einfach nur böse und der „Score“ bestand aus fröhlichen Melodien, wenn der Held triumphierte. Da war selbst „Das Phantom“ von 1996 keine Ausnahme, der ja im Grunde nur ein lila kostümierter Indiana Jones-Verschnitt war. Das machte ihn zwar nicht zum besten Film aller Zeiten, aber durchaus zu einem Guilty Pleasure, denn auch bei einer kürzlichen, erneuten Sichtung (die wievielte weiß ich schon gar nicht mehr) machte der Film eindeutig Spaß. Als Charaktereinführung dienten fünf Minuten zu Filmbeginn („For those who came in late“), dann war alles gesagt und das Abenteuer konnte beginnen – heutzutage undenkbar. Der Superheld von heute ist bodenständig, realistisch und hat einen tragischen Hintergrund – so auch bei diesem Zweiteiler, ursprünglich als Vierteiler geplant, als Pilot für eine Fernsehserie, die nie produziert wurde: Das 22. Phantom, also (scheinbar) der direkte Nachfahre des Phantoms aus dem Kinofilm.

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Shortcuts: SUCKER PUNCH [2011]; ZWEIOHRKÜKEN [2009]; MARVEL’S MAN-THING [2005]

Sucker Punch

Zack Snyder ist ein Genie. Jeder sollte denken, er könnte nur bekannte Vorlagen visuell eindrucksvoll abfilmen, ohnen ihnen einen neuen Sinn oder gar etwas wie eine Seele mit auf den Weg zu geben, und dann kommt ein Film wie „Sucker Punch“ und belehrt uns allen eines Besseren. Noch nie hat uns Männern ein Autorenfilmer so schonungslos den Spiegel vorgehalten, sich so imposant für die Frauen eingesetzt und dafür sämtliches Nerdtum instrumentalisiert. Ach, Bullshit. Der Film ist krank, langweilig und völlig belanglos. Die Feminismus-Ansätze enden direkt in einer Fleischbeschau, die Videospielsequenzen mit ihren Bosskämpfen wirken genau so und entbehren jeglicher Relevanz. Wenn Fans des Films von Tiefgang sprechen, meinen sie mit Sicherheit was anderes und kichern verschämt.

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Kritik: OBEN [2009]

Es gibt nicht nur Pixar. Das wollen wir doch mal klarstellen. In der Zeit zwischen den Pixar-Titeln kommen so viele Animationsfilme in die Kinos, die um die Zuschauer buhlen, doch wenn man Leute nach ihren Animationslieblingen fragt, werden doch erstaunlich oft Filme aus John Lassiters Firma genannt. Zufall? Wohl nicht. Insbesondere mit „Toy Story“ revolutionierte Pixar das Genre, und das nicht nur aufgrund technischer Perfektion. Es waren auch die erzählten Geschichten, die es manchmal in der Form noch nicht gab, und selbst wenn, wurden sie so hintergründig und humorvoll erzählt, das man oft das Gefühl hatte, vor Pixar gab es das nicht. Sprechende Autos, verliebte Roboter, eine Familie voller Superhelden und kochende Ratten – es gibt nichts, was es nicht gibt. Und genau deswegen kann auch ein alter Mann mit Hilfe hunderter Luftballons mit seinem Haus wegfliegen.

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Kritik: DEFENDOR [2009]

„Do you remember when you saved Jack’s life? I’ll never forget what you did that day. You were just a regular guy doing something remarkable. You don’t need a costume. Ordinary people, they do extraordinary things all the time. You’re always going to be that hero, Arthur, just by being yourself.“

Früher, da hatten die Superhelden in Filmen noch richtige Superkräfte. Sie konnten fliegen, hatten Spinnenkräfte, besonders schnell laufen oder wurden zumindest genetisch aufgefrischt. Und dann ging alles den Bach runter, die Filmemachern ließen die notwendige Ernsthaftigkeit, die dieses Thema benötigt missen und schickten Helden ins Rennen, die gar keine sind. „Kick Ass“, „Watchmen“ oder „Super“: Superhelden ohne Superkräfte, teilweise angelegt als Komödie: Unfassbar! Und mit „Defendor“ wird der nächste Held ins Rennen geschickt, doch im Unterschied zu den erstgenannten ist er ein tragischer Held. Aus großer Kraft erwächst große Verantwortung? „Defendor“ stellt sich die Frage, ob man nicht auch Verantwortung trägt, wenn man keine große Macht hat. Ist Gewalt ok, wenn dadurch andere gerettet werden?

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Kurzkritik: SO GUT WIE TOT – DER FILM (Dead Like Me – Life After Death) [2009]

Bryan Fullers Serie „Dead Like Me“, die er frühzeitig verließ und der er nur noch als Berater zur Verfügung stand, war kein langes Leben vergönnt: Schon nach zwei Staffeln war sie tot wie ihre Hauptpersonen. Aber, wie wir es ja in der Serie gelernt haben, nicht immer stirbt man so ganz, und so gab es 2009 ein kleines Lebenszeichen von Geogia Lass, in der Direct-to-DVD-Produktion „Dead Like Me – Life After Death“. Drei Jahre lagen zwischen Serienende und dem Film, aber da die Show ja recht abrupt endete, hatte ich dennoch die Hoffnung auf einen würdigen Abschluss der Geschichte. Mandy Patinkin (Rube) hatte keine Lust mehr und Laura Harris (Daisy) war nicht verfügbar – aber ok, mit einem guten Drehbuch sollte sich alles erklären lassen…

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Kritik: Stieg Larsson – VERBLENDUNG [Buch / Film 2009]


Wenn von einer Roman-Trilogie weltweit über 31 Millionen Exemplare verkauft werden, die Trilogie auch im Kino ein riesiger Erfolg wird und diese schon zwei Jahre später eine Hollywood-Neuverfilmung nach sich zieht, sollte man ja meinen, dass da irgendwas dran ist. Dass Stieg Larsson mit seiner Millenium-Trilogie den Massengeschmack gefunden hat, dass die Thematik hochaktuell ist. Alles Gründe, warum ich mich jetzt auch mal, wenn auch spät, mit dem Thema (zumindest mit der Trilogie erster Teil) befasst habe, in völliger vorheriger Unkenntnis worum es überhaupt geht. Aber der Trailer der US-Version wirkte auf jeden Fall interessant genug, um spätestens jetzt mein Interesse zu wecken. Und was soll ich sagen? Ich weiß zwar nicht, was ich erwartet habe, aber auf jeden Fall etwas anderes, was aber nicht heißen soll, dass ich enttäuscht wurde. Aber die Gefahr, bei so einer dreifach Dosis verblendet zu werden, besteht mit Sicherheit…

Darum gehts:

Mikael Blomkvist ist leitender Redakteur der Zeitschrift „Millenium“. Als er einen Artikel über den Großindustriellen Wennerström veröffentlicht, ohne seine Quellen ausreichend zu belegen, wird er wegen Verleumdung angeklagt und zieht sich aus der Redaktion zurück. Da bietet ihm der ehemalige Industrielle Henrik Vanger ein Geschäft an: Blomkvist soll für ihn eine Familienchronik schreiben – und ganz nebenbei das Verschwinden seiner Nichte Harriet vor 35 Jahren aufklären. Mikael willigt ein – auch, um vorerst aus der Schusslinie der Medien zu geraten, um „Millenium“ nicht noch weiter zu schaden. Doch was er herausfindet, hat er in seinen kühnsten Träumen nicht erwartet…

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Kurzkritik: MARY & MAX – oder: Schrumpfen Schafe, wenn es regnet? [2009]

Mary Daisy Dinkle, acht Jahre alt, lebt in Australien und ist todunglücklich. Ihre Mutter ist Alkoholikerin, ihr Vater zieht sich immer in seinen Schuppen zurück und präpariert tote Tiere und sie hat keine Freunde, unter anderem weil sie auch ein merkwürdiges Muttermal mitten auf der Stirn hat.
Max Jerry Horrowitz, 44 Jahre alt, lebt einsam in New York und hat ebenfalls keine Freunde, weil er unter dem Asperger-Syndrom leidet. Soziale Interaktion mit anderen Menschen fällt ihm schwer, alles Fremde löst Panikattacken in ihm aus.
Mary glaubt, dass Babys in Australien in Biergläsern gefunden werden. Um festzustellen, ob dies woanders auch so ist, sucht sie sich nach dem Zufallsprinzip Max‘ Adresse aus dem Telefonbuch von New York und schreibt ihm einen Brief, woraufhin sich eine wunderbare, tragikomische Freundschaft entwickelt…

Nicht alle Filme, die animierte und/oder geknetete Hauptdarsteller beinhalten, sind automatisch für Kinder. Trotz des doch eher lustigen deutschen Titels gehört „Mary & Max – oder: Schrumpfen Schafe wenn es regnet?“ definitiv nicht in Kinderhände, oder zumindest nicht in all zu kleine. Davon abgesehen, dass die Kleinen den Film bestenfalls langweilig finden, gehört die Thematik doch eher nicht so in das Interessengebiet kleiner Kinder. Behinderungen, Isolation, Suizid: Es sind schwere Geschütze, die Sam Elliot in seinem ersten Spielfilm auffährt. Dabei fängt ja alles recht harmlos an. Mary und Max werden einzeln vorgestellt, man lernt sie kennen, und noch achtet man auf die Kleinigkeiten – wie gut die Animation gelungen ist, ob man Fingerabdrücke auf den Figuren sieht (ich meine einen entdeckt zu haben) – doch mehr und mehr zieht einen der Film in seinen Bann. Es sind die lustigen Stellen, etwa wenn Max von seinem imaginären Freund erzählt: Als ihm sein Psychiater sagte, er brauche ihn nicht mehr, sehen wir diesen imaginären Freund „Mr. Ravioli“, wie er in einer Ecke sitzt und Selbsthilfebücher liest. Und es sind die tragischen Momente, etwa wenn der Tod Marys Mutter gezeigt wird (der allerdings auch eine gewisse Komik innehat). Und während sich Mary allem Anschein nach weiterentwickelt, bleibt bei Max alles beim Alten, abgesehen von der Tatsache, das Mary ein wichtiger Teil seines Lebens geworden ist, für welches er sich drei Ziele gesetzt hat: Ein Lebensvorrat an Schokolade, alle Figuren der Noblets besitzen, einen Freund finden.

„Mary & Max“ ist einer dieser besonderen Filme, die einen zum Lachen bringen, die aber auch das Gegenteil bewirken (können). Direkt nach dem Film weiß man eigentlich gar nicht, wie man sich fühlen soll, auf keinen Fall denkt man weiter über die Herstellung des Films nach, sondern über Mary und Max, die beiden einsamen MENSCHEN, die sich gefunden, zwischendurch verloren, und am Ende wieder – gefunden? – haben. Eine Geschichte über Freundschaft, die Liebe, das Leben und den Tod. Und darüber, ob Babys von Prostituierten in Eiern gelegt werden, wenn man Atheist ist. Oder ob Schafe im Regen schrumpfen.

Shortcuts: PLEASANTVILLE [1998]; SUPER 8 [2011]; THE BROTHERS GRIMM [2005]; THE TOURNAMENT [2009]

Eine kleine Auswahl an Filmen, deren Sichtung kürzlich und aber auch schon vor längerer Zeit stattfand.

PLEASANTVILLE

Tobey Maguire und Reese Witherspoon als Geschwisterpaar, welches durch eine magische Fernbedienung in die schwarz-weiße Welt der 50er-Jahre TV-Serie „Pleasantville“ gerät. Während er sich sofort wohl fühlt in seiner Lieblingssendung, stellt sie die heile Welt sofort gehörig auf den Kopf und verdreht den Männern selbigen. Schließlich ist in dieser heilen Welt soetwas wie Sex zum Beispiel gänzlich unbekannt… Sehr launiges Märchen, welches durch den Kontrast der 50er mit der Neuzeit sehr zu unterhalten weiß. Das ist genau die Sorte Film, die man auch als Mann ruhigen Gewissens als „schön“ bezeichnen kann, und damit wären wir auch schon wieder bei Reese Witherspoon.

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Shortcuts: KINDSKÖPFE / GROWN UPS [2010]; (500) DAYS OF SUMMER [2009]

Kindsköpfe

Roger Ebert hat einmal gesagt, „Kindsköpfe“ fühle sich an wie „ein Wochenende, dass man mit Leuten verbringt, die man so schnell nicht wiedersehen möchte“. Das trifft es eigentlich ziemlich gut. Wenn man sich mit diesen Kindsköpfen irgendwo blicken lassen würde, ist der eigene Ruf doch auf Dauer ruiniert. Furzende Omas, ins Schwimmbad pinkelnde alte Männer und die üblichen Dickenwitze: Auch wenn man ganz objektiv an diesen Film herangeht, nichts gegen Adam Sandler hat und sich ohne Vorbehalte vor den Fernseher setzt: Die Zeit, in der man über sowas lachen konnte, sollte eigentlich längst vergangen sein. Aber da passt es doch ins Bild, dass ja auch die Kindheit der Protagonisten längst vergangen ist und sie diese bei einem Treffen nach einer halben Ewigkeit wieder aufleben lassen wollen. Doch wie man es dreht und wendet: Schon nach dem ersten Gag, noch während des Vorspanns, hätte ich am liebsten abgeschaltet, wäre meine Neugier nicht größer gewesen. Witze mit dem Spruch „Warum, weil ich schwarz bin?“ werden auch dadurch nicht wieder lustig, nur weil sie von einem Kind aufgesagt werden. Ich muss aber zugeben: Es darf auch durchaus gelacht werden bei den „Grown Ups“. Immer dann, wenn es mal nicht unter die Gürtellinie geht, wenn die Kumpels unter sich sind und man nebenbei auch merkt, dass sich die vier mögen, stimmt einfach die Chemie und die Gags sitzen. Das ist etwa dann der Fall, wenn sie sich absprechen, wer wann auf den Frauenhintern glotzen darf – „Gucken wir jetzt etwa alle in den Baum?“. Natürlich ist das auch ein wenig herabwürdigend für Frauen. Aber man darf auch nicht vergessen, dass es sich hier immer noch um einen Adam Sandler Film handelt. Man nimmt, was man kriegen kann. Und bekommt als Bonus, was man nicht will: Moralischen Familienquatsch inkl. gemeinsames Hissen der amerikanischen Flagge. Es lebe die amerikanische Familie und ihre Werte.

(500) Days Of Summer

Eine Liebesgeschichte, die keine ist: Er liebt sie, sie ihn zwar irgendwie auch, aber auch irgendwie nicht. In jeder x-beliebigen RomCom würde sie ihn am Ende natürlich wirklich lieben und es würde mindestens geheiratet werden, hier, und so viel sei verraten, wird am Ende zwar auch geheiratet, aber in einem anderen Zusammenhang. Ganz grob die typische Geschichte, wie man sie kennt, aber so erzählt, wie frau es nicht gewohnt ist: Realistisch, ohne Kitsch, nachvollziehbar. Man kann mit niemanden leiden, ohne vorher mit ihm gelacht zu haben, und so ergeht es uns hier: Zwar ist die Geschichte nicht chronologisch erzählt, doch besonders in der ersten Hälfte, in den ersten „days of summer“, ist ja noch alles gut und umso mehr trifft einen dann der weitere Verlauf der Beziehung, die keine ist. Eine Liebesgeschichte, die man mögen darf, ein Film, den man mögen sollte, zwei Protagonisten, die aus der Geschichte lernen, also, vielleicht. Gibt es die wahre Liebe? Ja, nein, vielleicht. Wirklich schlauer ist man nicht. Und wenn schon Summer nicht daran glaubt, und dies Tom in den ersten von 500 Tagen deutlich macht – der Zuschauer glaubt an die Liebe, wünscht es Tom, und man kennt es doch auch so aus dem Kino. Man flieht in diese Welt, in der doch alles gut wird, irgendwie, denn wie gesagt: Am Ende wird geheiratet, und während man sich eine Träne der Rührung aus den Augen wischt, läuft der Abspann. Realität und Vorstellung: Würde man einen ähnlichen Effekt wie die Montage im Film erzielen wollen, man sollte eine beliebige RomCom mit Julia Roberts oder so in einem Fernseher daneben laufen lassen. Natürlich, Summer hat uns alle gewarnt. Natürlich hätten auch wir es darauf ankommen lassen. Und doch würden wir sie gerne hassen dafür, aber eigentlich ja auch nicht. Es hat nicht sollen sein.