THE LEFTOVERS – Season 1

leftovers1_01Damon Lindelof dürfte den meisten noch als Drehbuchautor aus „LOST“-Zeiten in Erinnerung sein, womit vor dem Start seiner neuen Serie „The Leftovers“ dann auch kräftig geworben wurde. Ob das eine gute Idee war? Nicht wenige waren von dem Ende der Insel-Serie enttäuscht und fühlten sich – auf Deutsch gesagt – verarscht, und nun soll man ihm erneut sein Vertrauen schenken, bei einer neuen Mysterie-Serie? Nun, ich zumindest habe es getan, manchmal siegt die Neugierde ja doch. Außerdem ist die Auswahl in diesem Genre ja auch nicht die Größte. Und sowieso: HBO, was sollte da schiefgehen? Im Zweifel würde man zumindest wieder nackte Frauen sehen, das wäre ein schwacher Trost.


2% der Weltbevölkerung verschwinden spurlos. Von einem Moment auf den anderen sind sie einfach weg und niemand weiß wieso und wohin sie verschwunden sind. Drei Jahre später: Die verbliebenen Menschen begehen den dritten Jahrestag des Verschwindens, und jeder ist auf seine Weise damit zurechtgekommen, der eine besser, der andere schlechter. Auch hat sich eine sektenähnliche Vereinigung gegründet, die SV („Schuldig Verbliebenen“), welche ein Schweige-Gelübde abgelegt haben, sich nur noch in Weiß kleiden und als Symbol ihrer Schuld kettenrauchen. Was hat es mit diesen Menschen auf sich? Warum sind sie schuldig? Und warum randaliert ein Hirsch in der Wohnung von Chief Kevin Garvey?

Gleich in der ersten Folge gibt es also schon Mysterien ohne Ende, aber es wird auch deutlich: Hauptsächlich geht es erst mal um die Menschen, die noch da sind. Ihr Schicksal, ihr Leben, das Verarbeiten ihres Verlustes. Das klingt nach ganz großem Drama und Betroffenheits-TV, ist es aber bei weitem nicht, passiert doch auch abseits der Depressionen genug um die Spannung zu erhalten – genug, um mich schon nach der ersten Folge zu packen, was auch nicht bei jeder Serie der Fall ist, in der Regel dauert das 2-3 Folgen. Dabei liegt das nicht nur an der gelungenen Einführung der Charaktere, sondern auch an der Inszenierung, wenn zum Beispiel manche Szenen von kurzen Flashbacks – die teilweise relativ verstörend nur Sekunden-Bruchteile andauern – unterbrochen werden. Das funktioniert dann, um auf Biegen und Brechen den Vergleich herstellen zu können, ähnlich wie bei „LOST“, nur das jede eingeschobene Szene hier noch mehr Fragen aufwirft.

Und doch, bis zur ersten Ernüchterung dauerte es dann auch nicht lange: Bereits Folge drei war insgesamt gesehen doch eher mau, wenn sie auch gegen Ende wieder sehr gut die Kurve gekriegt hat. Und hier zeichnete sich dann auch ab, dass es auch bei „The Leftovers“ Folgen gibt, dich sich ausschließlich mit einem der Hauptcharaktere beschäftigen und einem manche Zusammenhänge erst später klar werden (vergleiche hier die Pilotfolge mit dem Schicksal der Pastorenfrau). Ab diesem Zeitpunkt fehlt es der Serie dann für eine Zeit an echten Highlights, dafür gibt es aber auch kaum etwas auszusetzen. Man weiß aber auch noch immer gar nicht, worum es überhaupt geht, denn um die Verschwundenen geht es schon lange nicht mehr.

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Ehrlich gesagt habe ich glaube ich noch nie ein Serie eine Staffel lang verfolgt, ohne zu wissen was das ganze überhaupt soll, wer die Leute sind und was sie wollen. Das spricht ja eigentlich für die Serie, denn unter normalen Umständen würde man ja eigentlich nicht weiter gucken wenn einem kein Anlass dazu gegeben wird. Gegen Ende kommt dann etwas Bewegung in die Sache: Kevin realisiert so langsam, was er nachts treibt und auch die SV erklärt sich ein wenig. Man spürt, dass es auf ein großes Finale hinausläuft, interessant, denn so viel passiert ja gar nicht (auf die Verschwundenen bezogen) auf das man hinarbeiten könnte. Und am Ende merkt man: Schlauer ist man immer noch nicht, dafür hat die letzte Aktion der SV im Finale eine vollkommen überzogene Reaktion der Bevölkerung nach sich gezogen.

„The Leftovers“ ist interessant, teilweise spannend, manchmal etwas zu ruhig, stellenweise überzogen, aber irgendwie wie auch komisch, da auf die Prämisse der Serie kaum noch eingegangen wird. In ähnlicher Form könnte das alles auch ohne verschwundene Menschen so passieren, auch wenn diese natürlich der Auslöser waren. Auch wenn ich im Vorfeld ohne große Erwartungen an die Serie gegangen bin, da ich auch gar nicht wirklich wusste worum es überhaupt geht, so bin ich doch ein klein wenig enttäuscht. Und auch eine zweite Staffel würde ich wahrscheinlich nur unter Vorbehalt schauen – um sie notfalls abzubrechen wenn ich merke, das Ganze führt wie bei „LOST“ zu einem unbefriedigenden Ende. Zumindest für die SV hätte ich mir mehr Erklärungen gewünscht, ist sie doch auch ziemlich präsent. Und da hätte ich schon gerne gewusst, was das alles überhaupt soll.
kritik65_xb

5 Kommentare

  1. Pingback: 2014 – Eine Bestandsaufnahme |
  2. bullion · Januar 7, 2015

    Ich habe die Serie noch nicht gesehen, finde aber das Konzept spannend. Aufgrund Lindelofs Beteiligung macht es aber wohl Sinn erst einmal bis zum Ende abzuwarten…😉

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    • Xander · Januar 7, 2015

      Das Konzept an sich klingt spannend – jedoch wird viel zu wenig daraus gemacht. Kann ja aber noch kommen. Ich denke aber, wir werden nie erfahren was passierte.

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  3. Florian Lieb (@Flo_Lieb) · Januar 7, 2015

    Hatte glaub nur die ersten zwei Folgen gesehen, womöglich auch nur den Piloten. Fand die Serie absolut uninteressant, insbesondere diese Sekte.

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    • Xander · Januar 7, 2015

      Wobei ich den Piloten noch mit am besten fand. Aber aus der Sekte hätte man mehr machen können, das ist wohl wahr.

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