TWIN PEAKS – Season 1

twinpeaks1_01Ab und an muss man auch mal was für die Allgemeinbildung tun. „Twin Peaks“ gehört scheinbar dazu, die Mutter aller Mysterie-Serien, der Quasi-Vorläufer von „Akte X“, ein großer Erfolg (zumindest zu Beginn) für David Lynch. Und scheinbar ein Beispiel dafür, wie Produzenten-Entscheidungen eine Serie kaputt machen können – obwohl ich so weit ja noch gar nicht bin, werde ich dann in Staffel 2 merken. Selbstverständlich habe ich im Vorfeld nur das Beste erwartet, bei so einem vielzitierten Klassiker freute ich mich schon auf viele spannende Stunden in dieser Kleinstadt, in der niemand ist, wie er zuerst scheint. Aber der Reihe nach.

Ein Mord geschieht in der beschaulichen Kleinstadt Twin Peaks, und niemand will’s gewesen sein. Ist ja immer so. Der Dorf-Sheriff und FBI-Agent Dale Cooper ermitteln in der Mordsache Laura Palmer, kommen aber nicht so wirklich voran: Denn in einer kleinen Stadt ist nichts, wie es zu Beginn scheint.

Zugegeben: Die Serie macht es einem zu Beginn nicht leicht. Das man ihr die 24 Jahre anmerkt ist das eine, aber es ist auch die Fülle an Charakteren, bei der man anfangs noch nicht wirklich durchblickt, wer jetzt wer ist, wer mit wem, von Namen ganz zu schweigen. Doch das gibt sich dann und man merkt: Irgendwie sind die alle nicht ganz dicht. Wobei Cooper immer noch die besten Szenen gehören: Wenn er Diane bis ins Detail die Qualität des Kaffees erklärt oder von Kirschkuchen und den Duft von Bäumen schwadroniert, ist das großartig. Ein Mann, der von seiner Frau tyrannisiert wird und Vorhänge aufhängen muss und irgendwie scheint von Treue niemand in dem Ort viel zu halten. Im Grunde ist das ganze einfach nur absurd. Wenn Cooper von tanzenden Zwergen träumt oder der Vater des Opfers auf ihrer Beerdigung auf dem Sarg liegt – man weiß nicht immer gleich was ernst gemeint ist und was absichtlich völlig überzogen wurde, was man auch von den kitschigen Soap-Elementen sagen kann. Und bei all den Merkwürdigkeiten ist ja auch noch ein Mord aufzuklären, dessen düstere Hintergründe so gar nicht in diese scheinbare Kleinstadt-Idylle passen wollen.

„Twin Peaks“ mag damals revolutionärer gewirkt haben als es die Serie heutzutage tut. Auf mich wirkte diese erste Staffel teilweise unausgegoren, manche Szenen arg auf die Spitze getrieben und trotzdem musste ich weitergucken (nach dem Cliffhanger sowieso). Wobei ich sagen muss: Primär interessiert mich schon wer der Mörder ist, für die Nebenhandlungen würde ich nicht dranbleiben – es sei denn es stellt sich heraus, dass alles zusammenhängt. Ansonsten ist mir z.B. das Schicksal des Sägewerks doch relativ wumpe. An sich also ein gute Serie – auch weil einfach so gut wie jeder dort einen an der Klatsche hat und das ganze dadurch sehr surreal wirkt – die bei einer Erstsichtung in der heutigen Zeit aber wohl nicht mehr so wirken kann, wie sie es scheinbar damals tat.
kritik

6 Kommentare

  1. Florian Lieb (@Flo_Lieb) · Oktober 29, 2014

    Jetzt bin ich schockiert ob der Bewertung. Muss mich erstmal bei meinem Therapeuten wieder ordnen😀

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    • Xander · Oktober 29, 2014

      Wenn ich jetzt nur diesen Kommentar ein-ordnen könnte… Ist das jetzt positiv gemeint…?

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    • Florian Lieb (@Flo_Lieb) · Oktober 30, 2014

      Natürlich nicht! 7 von 10 für Twin Peaks… tz tz tz🙂

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    • Xander · Oktober 30, 2014

      Es hätten also mehr sein müssen? 😛

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  2. bullion · Oktober 29, 2014

    Ja, „Twin Peaks“ ist anstrengend, allerdings fand ich die erste Staffel da noch zugänglicher. Bei der zweiten hat mich die starke Soap Opera-Ausrichtung doch gestört; letztendlich war ich aber sehr fasziniert von Serie und Handlung — somit gab es bei mir 2 Punkte mehr.

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    • Xander · Oktober 29, 2014

      Wow, 9 Punkte ist natürlich ne Ansage. Dafür war’s mir dann doch zu sprunghaft in der Intention. Mal sehen wann die zweite Staffel dran ist…

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