Xander zieht um! (8): The Final Conclusion

Alle bisherigen Ausgaben: Hier.

Man kennt das ja aus’m Fernsehen: Die Geschichte ist zu Ende, und dann wird eine Texttafel eingeblendet: „Sechs Monate später“. Oder so ähnlich. Dann sieht man mal, wie es den Leuten ergangen ist, was geschehen ist, wie es ausging. Im Dezember 2013 war es ja soweit: Wir sind aus unserem Mietshaus in ein eigenes Haus gezogen und seit dem – ist vieles anders. Vieles besser – manches nicht. Und auf vielfachen Wunsch (von einem) hier nun also ein kleiner Abschlussbericht.

„The Money Pit“

Wo ich vorher nur „Mitbewohner“ war und meinen Teil zur Miete beigetragen habe, bin ich jetzt Eigentümer und bekomme sozusagen „Miete“ (die Familienverhältnisse drösel ich hier jetzt nicht auf). Was man gut finden kann: Ich bekomme jetzt viel mehr Post! Was weniger gut ist: Es befinden sich oftmals Rechnungen in den Umschlägen.

Denn wenn man so ein Projekt angeht, braucht man vor allem eines: Geld. Jeder will Geld. Der Finanzberater (wenn man einen hat, was man sollte), die finanzierende Bank sowieso, der Notar, das Finanzamt, etwaige Handwerker, die Gemeinde, der Entsorger, der Wasserverband. Strom, klar. Bestimmt hab ich noch welche vergessen. Und manche davon wollen in regelmäßigen Abständen Geld, was ich schon relativ unverschämt finde. Schließlich hat man selber davon ja auch nur begrenzte Mengen, und sich mehr beschaffen ist entweder illegal oder kostet wiederum auch Geld. Und eigentlich will man sein Geld ja auch für ganz andere Dinge ausgeben – was man zwangsläufig muss: Farbe, Tapeten, Werkzeug, Möbel, Bodenbeläge, Material bei Renovierungen, Inneneinrichtungen – je nachdem in welchem Zustand das gekaufte Haus ist (ganz bitter müssen Neubauten sein, wo ja noch ALLES zu machen ist, inklusive Bauen, natürlich). Vielleicht findet man ein günstiges Haus – muss dann aber meist die Differenz zu einem teureren Haus investieren, wenn nicht noch mehr. Erwähnte ich schon, wie teuer so ein Garten werden kann?

Bis jetzt (toi toi toi) sieht es jedenfalls so aus, als hätten wir alles richtig gemacht. Erst überlegt, was monatlich zur Finanzierung drin sitzt und dann nur nach Häusern geguckt, die preislich darunter lagen, um möglicherweise nötige Investitionen noch mit abdecken zu können. Denn: Es wird immer teurer, als man plant. Wer ganz knapp auf den letzten Cent kalkuliert, kann böse überrascht werden. Das kann man bzw. können wir natürlich immer noch. Aber man muss es ja nicht von Beginn an darauf anlegen. Natürlich dauert die Haussuche dann etwas länger, vielleicht muss man auch Kompromisse eingehen. Immer noch besser, als sich hoffnungslos zu verschulden und seines Lebens nicht mehr froh zu werden. Denn die Moral von der Geschicht: Billig werden tut das nicht!

Aber: Das Haus gehört dir, verdammt noch mal.

„Dream House“

Wenn man sich ein eigenes Haus vorstellt, dann kann es gar nicht groß genug sein. Wenn man sich Häuser anschaut, wird man von der Realität eingeholt – je mehr Räume, desto teurer. Wird ja beim Bauen nicht anders sein. Jeder hübsche Winkel, jede nett gemeinte Ecke oder Nische kostet extra. Was nicht quadratisch oder rechwinklig ist, bekommt nen Aufschlag. Die erste Zeichnung ist Wunschdenken, der finale Entwurf vermutlich weit davon entfernt. Sag ich nicht aus eigener Erfahrung – bekomme ich aber momentan mit. Bei „gebrauchten“ Häusern ist es aber auch nicht einfacher: Man bekommt vorgesetzt, was sich andere überlegt hat und muss sehen, ob es mit den eigenen Vorstellungen in Einklang zu bringen ist. Was erst gut aussieht, kann sich nachher als das Gegenteil herausstellen.

Momentan haben wir noch zwei Räume, die nicht fertig sind. Beide Räume sind zur Zeit noch relativ vollgestellt. Das dürfen sie – wenn sie ihrer Bestimmung übergeben werden – aber nicht mehr sein. Problem dabei: Wir haben keinen Abstellraum.

Es gibt wirklich Dinge, die bedenkt man nicht, erst Recht nicht, wenn man vorher einen Keller hatte, den man dann aber nicht mehr haben wird. Wohin mit Dingen, die momentan nicht oder nur saisonal benötigt werden, man aber keinen wirklichen Platz mehr dafür hat? Vorratsraum? Aber wo? Kleinigkeit, aber ärgerlich: Wir haben nicht bedacht, dass der Kühlschrank in der übernommenen Küche kein Gefrierfach hat. Was ja nicht ganz so schlimm ist, weil es eh zu klein gewesen wäre. Also kauft man sich eine Kühltruhe. Oder Gefrierschrank. Man hat jetzt aber keinen Platz dafür in der Küche und eben diesen einen oben beschriebenen Raum nicht, was dann? Ganz einfach: Wir lagern unsere Tiefkühlkost jetzt in der Garage. Von dem Gedanken da ein Auto reinzustellen haben wir uns sowieso relativ schnell verabschiedet.

„In einer kleinen Stadt“

Raus aus dem Dorf, rein in das Dorf. Wohnten wir vorher zwar auch mittendrin, waren wir aber nicht dabei: Die Hütte war so zugewachsen und uneinsichtig, wie’s dahinter aussah, konnte keiner sehen, hat ja auch keinen zu interessieren, wurde von uns auch so behandelt. So wirklich von „Garten“ mochte man da gar nicht sprechen. Der Zustand des Hauses an sich war auch dementsprechend, weil der Vermieter sich auch nicht gekümmert hat. War uns dann auch irgendwann egal, wir wollten ja weg. Ok, im Idealfall wäre unser neues Domizil genauso vor neugierigen Blicken geschützt (weswegen ein Neubau in diesen kleinen Neubausiedlungen auch nicht in Frage kam), aber nun haben wir quasi das Gegenteil: Inmitten einer gesetzten Siedlung, in einer verkehrsberuhigten Zone, haben wir zwar mehr Platz, sitzen aber auch auf dem Präsentierteller. „Mitten“ in der Siedlung trifft es nämlich ziemlich gut. Wir sind das Zentrum der Siedlung.

Man glaubt gar nicht, wieviele Leute man grüßen muss, wenn man sie plötzlich sieht, wie sie am Haus vorbeigehen. Der Garten direkt an der Straße, die Hecke noch im Wachstum begriffen: Wenn wir draußen sitzen, sehen das alle. Da muss man sich erstmal dran gewöhnen. Wenn der Grill ordentlich qualmt, haben alle was davon. Das Klischee der Nachbarn, die sich mal eben über’n Zaun unterhalten: Wir leben es, Spießer reloaded. Schreiende Kinder beim Nachbarn hören sich an wie im eigenen Garten, nur lauter – aber selber hält man sich lieber mit seiner Stichsäge an die Mittagsruhe – wir sind ja schließlich die Neuen. Kann anders herum aber auch lustig sein: Steht man des Nachts noch rauchend draußen, kann man schon mal mitbekommen wie die Nachbarn betrunken nach Hause kommen und darüber philosophieren dass sie ja eigentlich keine gelbe Tonne benötigen, weil sie biologisch leben. Gemeinsames Maibaum-Aufstellen? Check! Lagerte ja schließlich noch von den Vorbesitzern in unserer Garage. Gelebte Integration.

All den klischeehaften Nachbarschaftskram macht man mit. Adventskranz, Maibaum, Rücksichtsnahme – mein Gott, ich hab dem einen sogar schon gesagt, dass sein Hund auf unseren Rasen scheißt. Und wenn sich jemand durch unsere Katzen gestört fühlt, solle er das doch bitte sagen, doch ändern könnten wir daran eh nichts. Als wir den übernommenen Gartenteich entsorgt haben und da drin noch ein Fisch lebte, konnten wir ihn mal eben „nach nebenan“ bringen. Als wir am Renovieren waren, stand plötzlich jemand mit ’nem Tablett mit Kaffee und Kuchen vor der Tür.

Ich habe Angst vor dem Tag, an dem wir uns mit denen verkrachen.

„YippieYaYaYippieYippieYeah“

Things Done: Gestrichen. Laminat verlegt. Tapeziert. 7 Dachfenster ausgetauscht. Garagendach erneuert. In drei Räumen komplette Dämmung bis auf die Dachpfannen erneuert. Gartenteich entfernt. Halben Garten umgegraben & begradigt. Gewächshaus aufgebaut. Bierdosenhähnchen gegrillt. Baum gepflanzt!

Things to do: Garagentor schleifen und neu lackieren. Alles aus Holz draußen streichen. Rasen säen (komplett). Dachrinnen erneuern. 2,5 Räume bezugsfertig machen. Treppenhaus komplett neu verspachteln und streichen. Terrassenbereich neu gestalten. Vorhänge aufhängen. Spare-Ribs grillen. Hässliche Hausnummer austauschen!

Was man lernt.

– Beim Kauf von LEDs auf die Lichttemperatur zu achten
– Es gibt ein Gerät namens „Schattenfugenfräse“
– „Ich hab heute keine Lust“ zählt nicht.
– Eine Kundenkarte vom Baumarkt zu haben ist gar nicht so schlimm.
– Der LKW vom Baumarkt kommt morgens früher als man glaubt
– einbetonierte Kantensteine ausgraben ist kein Spaß
– Bewegungsmelder fürs Flurlicht ist ne feine Sache
– … aber dadurch vergisst man in den Räumen immer das Licht auszumachen
– Es gibt kein Leben mehr ohne Fußbodenheizung.
– Man kann sich mit Freunden über die Vor- und Nachteile eines Staubsaugers unterhalten

– Das erste Mal in der Sonne im eigenen Garten zu sitzen und all das zu realisieren: Unbezahlbar.

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7 Kommentare

  1. Florian Lieb (@Flo_Lieb) · Mai 29, 2014

    Da bin ich lieber Mieter 😀

    Aber toi toi toi, dass es doch nicht zum „money pit“ wird!

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    • Xander · Mai 29, 2014

      Ach, das mag schlimmer klingen als es tatsächlich ist. Dafür haben wir das (hoffentlich) irgendwann bezahlt, während du weiter fleissig Miete zahlst 😉

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  2. bullion · Mai 29, 2014

    Danke für deinen Bericht! Ich kann deine Sorgen und Hoffnungen gut verstehen. Bei uns ist die Lage ja noch ein wenig anders, da wir selbst bauen (und das, ganz gewagt, ohne Finanzberater). Auch hatten wir im Vorfeld etliche Häuser angeschaut, doch die waren meist beinahe ebenso teuer wie Grundstück+Neubau und es hätte noch einiges zum „Traumhaus“ gefehlt – günstige Häuser gab es in der Gegend gar nicht. Insofern haben wir bei einem von der Lage her guten Grundstück zugegriffen (auch nach beinahe einem Jahr Suche) und nun bauen wir eben (ebenfalls ganz spießig) im Neubaugebiet – dafür eben ein Haus, das nahezu 100%-ig unserem Traumhaus entspricht. Zumindest noch. Mal sehen, was nocht kommt… 😉

    Nun geht der erste Ärger schon los mit Genehmigungsverfahren und Co., aber schließlich will man ja auch etwas vom Abenteuer Hausbau mitnehmen, um danach schöne Blogeinträge erstellen zu können… 🙂

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    • Xander · Mai 30, 2014

      Wobei deine Einträge dann mit Sicherheit spannender werden. Schätz ich.

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  3. Pingback: Run, Fatboy, Run (290) | Tonight is gonna be a large one.
  4. Sebastian · Mai 30, 2014

    Wow. Ich meine, ich kann mich da schon ein wenig hinein versetzen. Aber das was da an Arbeit drin steckt, ein Haus zu renovieren und Wohnlich zu machen – Junge Junge. Mir graust schon ein wenig vor dem Tag, wenn wir uns auf Haussuche machen. Gleichzeitig freue ich mich auch wie bolle!

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    • Xander · Mai 30, 2014

      Und das zu Recht!
      Vielleicht stell ich auch mal ein paar Fotos ein – ohne das gleich die Koordinaten ersichtlich sind 😉

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