DER HERR DER RINGE – TRILOGIE (SE) [2001-2003]

hdrtrilogie_01Was „Eine unerwartete Reise“ nicht geschafft hat, das schaffte „Smaugs Einöde“: Lust auf eine erneute Sichtung der klassischen Trilogie. Was ja abseits von allen Punkten auch viel über den jeweiligen Film aussagt. Und auch wenn der Umzugs- und Feiertagsstress tatsächlich seinen Tribut gezollt hat, mussten die Sichtungen (natürlich) in den erweiterten Fassungen stattfinden, denn wenn Mittelerde, dann so viel wie möglich. Und rückblickend kann ich auch gar nicht sagen, ob ich jemals wieder auf bestimmte Szenen verzichten könnte, zu stimmig ist das Gesamtbild, so großartig ist die Atmosphäre dieser Welt, in die uns Peter Jackson eintauchen lässt. Abgesehen davon, dass Jackson gefühlt jeden im Buch beschriebenen Grashalm auch tatsächlich abgefilmt hat, bilden diese drei Filme für mich auch deshalb die besten Buchverfilmungen, weil es das Mittelerde ist, welches man beim Lesen vor Augen hatte. So und nicht anders sieht es dort aus, fühlt es sich an. Inhaltliche Änderungen und Anpassungen für den Massengeschmack hin oder her: Anders kann ich mir einen Film über Isildurs Fluch jetzt nicht mehr vorstellen. Oder drei Filme. Wie auch immer.


Es gibt in meinen Augen nicht viele Filme, um die ich frühere Generationen aufgrund der Möglichkeit der erstmaligen Kinosichtung beneide. „Star Wars“, selbstverständlich. Auch selbstverständlich, dass ich die ursprünglich Trilogie zwar im Kino sah, aber natürlich nicht damals, 1978, da gab’s mich noch nicht. „Jurassic Park“ gehört auch dazu. Umso dankbarer kann man für Filme sein, die man selber beim Erscheinen im Kino sehen durfte und von denen man weiß, dass man mit Glück von zukünftigen Filmfreunden dafür beneidet wird. Man sagt ja nicht umsonst: „Dafür werden Filme gemacht“, denn es stimmt ja auch.

hdrdiegefährten_01Und wenn ein Film vor einigen Jahren zeigte, wie sehr ein Film auf der großen Leinwand wirkt, dann war das „Die Gefährten“. Wenn sich die Gemeinschaft des Rings gebildet hat, in weiten Landschaftsaufnahmen deren Wanderung gezeigt wird und sie einer nach dem anderen durchs Bild laufen, begleitet von Howard Shores großartigem Score: DAS ist Kino. Nein, vielleicht kein anspruchsvolles Arthouse-Kino, keine intelligente Independent-Produktion, dafür aber reinste Kinomagie, die auf den Zuschauer überspringt. Der erste Teil lebt von seiner Aufbruchs-Stimmung, seinen unterschiedlichen, aber bis ins Detail durchdachten Figuren und deren glaubwürdigen Darstellung sowie den großartigen Sets und den für damalige Zeiten entsprechend guten Spezial-Effekten. Natürlich hat Tolkien mit seinem Buch eine großartige weil in allen Belangen durchdachte Vorlage geliefert. Wer hier mit wem verwandt ist und was aus welchen Gründen tut – Tolkien hat an alles gedacht und das macht sich in dem Film natürlich bemerkbar (und bezogen auf die neuen Szenen genau das Gegenteil bei den „Hobbit“-Filmen). Das Schicksal Mittelerdes in den Händen eines kleinen Hobbits: Wo all die großen Helden und Krieger bereits versagt haben (Isildur) oder versagen würden (Borumir) liegt es an Frodo Beutlin, Mittelerde zu retten.

hdrdiezweitürme_01Die zwei Türme“ ist zwar zum einen eine mehr als würdige Fortsetzung, hat aber auch den Nachteil, dass sie die Gemeinschaft aufgeteilt hat und man somit an mehreren Fronten kämpft: Frodo, Sam und Gollum ziehen Richtung Mordor, Merry und Pippin versuchen die Ents zu überzeugen, Aragorn, Legolas, Gimli und Gandalf versuchen Rohan gegen Sarumans Truppen beizustehen. Trotz all dieser Handlungsstränge und den immer mal wieder eingestreuten Action-Szenen nimmt sich Peter Jackson hier noch die Zeit für ruhige Momente. Die Beziehung zwischen Frodo, Sam und Gollum wird glaubhaft dargestellt – Frodos Verständnis Gollum gegenüber und Sams Abscheu sowie Gollums scheinbare Bekehrung bis zum (in seinen Augen) Verrat durch Frodo: Selten hat man ein derartiges Mitgefühl für eine digitale Figur entwickelt. Zugegeben, hätte Sam noch einmal „Herr Frodo“ gesagt, hätte ich ihn durch den Fernseher erschlagen und auch die Aufbruchsstimmung des ersten Teils wird nicht erreicht, aber durch das opulente Teilzeit-Finale wird man für vieles entschädigt. Das man sich lediglich im Mittelteil einer Trilogie befindet, fällt zu keiner Sekunde negativ auf.

hdrrückkehrkönig_01„Problematischer“ wird da schon der Schlussakt „Die Rückkehr des Königs„: Helms Klamm wurde verteidigt, Saruman besiegt – was bleibt ist „nur“ Sauron und Gondor – und natürlich Frodo und der Ring. Aber es scheint offensichtlich, dass alles auf ein riesiges, gewaltiges Ende hinausläuft, und so steht zu befürchten, dass insbesondere zu Beginn etwas Leerlauf herrscht -aber natürlich weiß Jackson mit der zur Verfügung stehenden Zeit etwas anzufangen. Frodo, Sam und Gollum bekommen mehr Gelegenheit, ihre Konflikte weiter auszutragen, Arwen lässt sich auch noch einmal alles durch den Kopf gehen und so rückt er näher, der Moment der Entscheidung, das Finale der größten, schönsten, monumentalsten und berührendsten Filmtrilogie bisher. Ganz Mittelerde gerettet, von kleinen Hobbits – exemplarisch für den Zuschauer verneigen sich die Völker Mittelerdes vor den Hobbits und man möchte es ihnen am liebsten gleichtun. Und man möchte am liebsten gleich wieder den ersten Film einlegen und von vorne beginnen. Oder noch einmal die Bücher lesen – die Erfahrung ist, und das ist selten genug, durchaus vergleichbar.

Bei kaum einer anderen Buchreihe ist die Fallhöhe größer als bei Toliens Meisterwerk. Triumphieren oder scheitern – andere Möglichkeiten gab es für Peter Jackson nicht. Ich bin ihm dankbar, dass er sich für die erste entschieden hat, die richtigen Leute gecastet, die richtige Stimmung eingefangen hat. „Der Herr der Ringe“ hat es geschafft, aus dem Stand ein moderner Klassiker zu werden, man mag es sich als Filmfreund nicht mehr ohne vorstellen. „Die Gefährten“ war der Beginn einer neuen Zeitrechnung des Fantasy-Films, nach „Die Rückkehr des Königs“ gab es nur die Frage „Wie, das war’s jetzt?“. Man hat zu jeder Sekunde der Filme das Gefühl, Peter Jackson war mit Herzblut dabei, die Filme machen nicht den Eindruck, als wurden sie nur aus kommerziellen Gründen gedreht. Und ich muss jetzt erst mal „Die Gefährten“ gucken. Ist schon zu lange her.

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14 Kommentare

  1. bullion · Januar 4, 2014

    Oh ja! Gibt schön die Gefühle wieder, die auch ich beim Sichten der Trilogie hatte – und auch immer noch habe. Bei mir liegt die letzte Sichtung auch schon wieder viel zu lange zurück. Lust hätte ich – besonders nach dem verkorksten letzten Mittelerde-Besuch – auch einmal wieder. Leider sind die Kids zurzeit so nachtaktiv, dass ich mit Mühe und Not ein bis zwei Serienepisoden über den Abend verteilt schaffe…

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    • Xander · Januar 4, 2014

      Ich fand es – bedingt durch die letzten Wochen – schon bei einem Teil schwierig durchzuhalten, was aber natürlich nicht an den Filmen liegt.

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  2. Jan · Januar 4, 2014

    Ja, das ist wirklich eine tolle Filmreihe. Und mir fällt es selbst unglaublich schwer, einen Favoriten aus der Trilogie hervorzuheben. Dass besondere ist jedenfalls, dass jeder Film für sich geschlossen funktioniert. Jedes Finale ist ein Herzschlagmoment und geht nahe und wird vor allem in sich abgeschlossen. Trotzdem hängen die Filme so nah handlungsbedingt aneinander, dass man der immensen Laufzeit zu Trotz einfach weitergucken möchte. Eigentlich nur schade, dass ich keinen der Filme im Kino gesehen habe…

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    • Xander · Januar 4, 2014

      Insbesondere im Kino sind die Filme natürlich ein Erlebnis. Wie kommt’s das du die verpasst hast?

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    • Jan · Januar 4, 2014

      Puh, ich war damals 10, als der erste ins Kino kam und habe die Bücher nie gelesen. Damals war ich noch so dumm und unerfahren und wollte Harry Potter gucken – schlechte Entscheidung so in der Retrospektive…😀

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    • Xander · Januar 4, 2014

      Ich fühl mich grade alt.

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    • bullion · Januar 5, 2014

      Nicht nur du…

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  3. Florian Lieb (@Flo_Lieb) · Januar 4, 2014

    Bei Merlins Bart! Ich kann nur hoffen, dass sich die Bewertung von 10 aus der Summe der Individualbewertungen erklärt😀

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    • Xander · Januar 4, 2014

      Alle drei zusammen bekommen 10 von zehn möglichen Punkten. Du hälst von der Trilogie nicht so viel oder?

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  4. Kim · Januar 12, 2014

    Ein moderner Klassiker und ich kann einfach nicht mehr mitzählen wie oft ich den Film schon gesehen habe!

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    • Xander · Januar 12, 2014

      Mitzählen könnte ich zwar noch, aber ein „moderner Klassiker“ ist es wohl, das stimmt.

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    • Kim · Januar 12, 2014

      Ich kann nicht mehr mitzählen wie oft ich den 3x hintereinander im Kino gesehen habe😄

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