DER HOBBIT 2 – SMAUGS EINÖDE (HFR-3D) [2013]

„Schon sind wir mittendrin im Seifenoper-Look, bei der privat gefilmten Aufnahme der Theateraufführung der Gruppe “Laienspielkreis Oer-Erckenschwick”. Nein, in diesen Momenten ist HFR nicht schön, es ist furchtbar, beraubt dem Zuschauer die Illusion. Schade, dass ausgerechnet “Der Hobbit” als Testballon für diese jungfräuliche Technik herhalten musste. Das das Bild schneller abläuft als gewöhnlich, mag dabei aber auch nur ein rein subjektiver Eindruck meinerseits sein.“ Das war letztes Jahr mein Fazit zur technischen Umsetzung des ersten Teils, „Eine unerwartete Reise„. Aber auch unabhängig von der technischen Seite gab es seinerzeit viel auszusetzen, seien es unnötige Erweiterungen des Inhalts oder der übermäßige und übertriebene CGI-Einsatz: Das war letztendlich doch nicht das geliebte Mittelerde, wie wir es aus der HdR-Trilogie lieben gelernt haben. Jetzt also der zweite Teil von dreien, wieder in HFR-3D (vielleicht hat man sich daran gewöhnt?) – wieder eine Enttäuschung?


Immer noch sind die Zwerge, der Zauberer und der Hobbit unterwegs zum Berg, um den Ring reinzuschmeißen um den Drachen zu besiegen, und wie sang schon ein bekannter deutscher Liedermacher: „Dieser Weg wird kein leichter sein“. Vor allem, nicht nur das es scheiße weit ist, Peter Jackson gönnt unteren tapferen Freunden auch keine gefahrlose Durchreise – vor allem die Orks trachten ihnen nach dem Leben…

Seit dem ersten Teil ist eine lange Zeit vergangen – ein Jahr, um halbwegs genau zu sein. In diesem einen Jahr und nach 2,5 Sichtungen von „Eine unerwartete Reise“ gab es viel Zeit, um über das Gesehene und noch zu Sehende nachzudenken. Die Aufteilung dieses dünnen Kinderbuchs in ein übeladenes Epos mit drei Filmen und guten neun Stunden Laufzeit finde ich immer noch nicht gut, aber wie ich das sehe, gibt es zwei Herangehensweisen: Eine werkgetreue Verfilmung mit tonalen Abweichungen zur HdR-Trilogie oder eine inhaltliche Anpassung für einen nahtlosen Übergang zu den drei Filmen. Gewünscht hatte ich mir ersteres als eigenständigen Film, Peter Jackson hat sich aber für Herangehensweise Nr. 2 entschieden. Das muss man nicht gutfinden. Aber man kann versuchen, es zu akzeptieren um letztendlich doch noch Spaß mit den Hobbit-Filmen zu haben. Und was soll ich sagen: Das habe ich.

Gut, Angriffsfläche bietet der Film immer noch genug, auch abgesehen von der technischen Seite. Warum genau der arme Drache jetzt in die epische Geschichte des Kampfes gegen Sauron einbezogen wurde, hat sich mir noch nicht ganz erschlossen, aber das ist nun mal eine Folge der Anpassung. Die Zwerge brauchen ihren Berg zurück, damit Sauron… tja, dort keine Bergwanderung unternehmen kann, was weiß ich. Davon einmal abgesehen, fügen sich die neuen Szenen nahtloser in den Film ein als noch beim Vorgänger – die Wiederauferstehung des Bösen parallel zur Handlung ist wesentlich glaubhafter dargestellt. Wo man sich im ersten Teil noch wunderte, was Gandalf plötzlich von Sauron faselt, wo es doch nur um Zwerge und ihren Berg gehen soll, ist dies jetzt in der Geschichte etabliert und akzeptiert und verschafft ihm somit – wenn auch erst im zweiten Teil und somit viel zu spät – die nötige Hintergrundgeschichte für all den Jackson-typischen Pathos. Denn was bei HdR angebracht war, weil ganz Mittelerde auf dem Spiel stand, wirkte in „Eine unerwartete Reise“ seltsam, da es ja, ich sagte es bereits, nur um 13 Zwerge und ihren scheiß Berg ging.

Leider finden sich jedoch auch in „Smaugs Einöde“ von mir bereits im Vorgänger kritisierte Elemente wieder, so auch die übertriebene – und größtenteils natürlich hinzugedichtete – Action. Da nach Jacksons Meinung wohl im Mittelteil des Buches zu wenig passiert, um einen mittleren 3-Stunden-Film zu rechtfertigen (große Überraschung!), muss natürlich noch einiges passieren, was man am einfachsten damit lösen kann, dass die Gefährten einfach von den Orks verfolgt werden und immer dann wenn Leerlauf droht angegriffen werden. Aber wie unnötig: Mit den Spinnen, den Waldelben, der Seestadt und Erebor gibt es doch mehr als genug Schauplätze und Situationen, die den Film ganz alleine gefüllt hätten, aber dann wäre er keine drei Stunden gegangen, natürlich. Kurzfilm kann ja jeder. Und gerade wenn man glaubt, die Vorlage und die dazugedichtete Action reichen für drei Stunden, entdeckt Peter Jackson den großen Romantiker in sich und denkt sich noch ein vage angedeutete Liebesgeschichte aus. Das man eine an sich interessante Figur wie Tauriel so klischeehaft verheizt, ist aber eher schade, ihr Dialog mit Fili (oder Kili? Na, einer der Zwerge halt!) eher zum Fremdschämen geeignet.

Über 700 Wörter und noch keins zur Technik? Nein, denn meine Meinung dazu hat sich in keinster Weise geändert. Alles was ihr zum Aussehen und zur Wirkung des HFR wissen müsst, steht bereits in meiner Kritik zu „Eine unerwartete Reise“, den dritten Teil werde ich definitiv in 2D sehen, wenn möglich. Mit anderen Worten: Auch des Hobbits zweiter Teil gewinnt durch das gute alte 2D an Atmospäre, da man durch den Seifenopernlook nicht ständig aus der Fantasie gerissen wird. Ich will dabei sein, aber nicht mittendrin.

Viel könnte man schreiben über den Hobbit, es gäbe gute Gründe ihn zu verreißen, womöglich aber auch gute Gründe ihn zu lieben. Mein Eindruck ist der, dass sich der Film wieder mehr nach Mittelerde anfühlt, dass er ganz einfach stimmiger ist und sogar dem ein oder anderen Zwerg eine Persönlichkeit verschafft. HFR macht viel von dem kaputt, was nachher im Heimkino wieder repariert wird, das zeigt die Erfahrung nach dem ersten Teil. Was im Vorgänger das Ratespiel mit Gollum, dass ist in diesem Teil die erste Begegnung und der Dialog mit Smaug: Das Highlight des Films, ganz ohne wegrennen und Schlachten-Brimborium und surfende Elben.

Doch Bilbo, es war toll mit dir und du stimmst mich zuversichtlich auf den dritten Teil. Ich habe mich damit abgefunden, dass du in deinem eigenen Film, in deiner eigenen Geschichte, nur eine Nebenrolle spielst. Tröste dich: Diese drei Filme sind keine Buchverfilmung mehr, sondern bedienen sich nur einiger Schauplätze. Das Buch bleibt dir!

kritik75_xb

10 Kommentare

  1. maloney · Dezember 31, 2013

    Bilbo ist wie im 1ten Teil zwar nicht der Hauptcharakter aber Smaug machte das längstens wieder wett^^

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  2. bullion · Dezember 31, 2013

    Dein Fazit ist absolut richtig. Weniger Buchverfilmung, als Schauplatzspektakel. Bin fast schon überrascht, wie gut der Film bei dir weggekommen ist. Anscheinend konntest du über HFR auch besser hinwegsehen. Zweimal hätte ich mir das nicht angetan. Immerhin wartet irgendwo da draußen das Heimkinoerlebnis, aus dessen Erwartung sich auch bei mir der positive Teil meiner Besprechung speist.

    Einen guten Rutsch!

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    • Xander · Dezember 31, 2013

      Ja, an das HFR hatte ich mich – noch anders als beim ersten Teil – relativ schnell gewöhnt. Kann aber ja nicht Sinn der Sache sein, sich an eine Verschlechterung zu gewöhnen, im Heimkino wird der Film also mit Sicherheit dazu gewinnen.

      Ansonsten fand ich den Film durchaus gelungen, lag aber womöglich auch daran, dass ich mit einer anderen Einstellung an den Film gegangen bin, da ich ja nun wusste, dass es weniger um den Hobbit – also das Buch an sich – als viel mehr um eine Vorgeschichte zu HdR geht. Und in der Hinsicht ist der Film durchaus gelungen, wenn auch nicht so wie die „ursprüngliche“ Trilogie.

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  3. Jan · Dezember 31, 2013

    Ich kann dem Film mit zunehmender Zeit nach dem Kinobesuch immer weniger abgewinnen. Tatsächlich habe ich nur 2 Szenen in guter Erinnerung und beide machen das, was man von einem Film, der im Titel den HOBBIT trägt, erwarten sollte: Einen Hobbit als Hauptfigur. So gibt es eine grandiose Szene im Dunkelwald im Kampf gegen die Spinnen, in der Bilbo eine erste erschreckende Wandlung von sich feststellt und dann natürlich das Gespräch mit Smaug und dessen ersten Auftritt. Der Rest hat mich für den Moment unterhalten, aber nicht übermäßig. Mittlerweile halte ich den Rest tatsächlich für vollkommen nichtig, er bringt der Geschichte überhaupt nichts. Der zweite Teil kämpft unheimlich damit, dass er nicht gebraucht wird – es passiert zwar viel, aber eigentlich doch auch gar nichts. Keine Handlung wird irgendwie auch nur annähernd an ein (wenn auch nur zwischenzeitliches) Ende geführt. Klar gehört der Film in eine Trilogie, aber der erste hat wenigstens noch von der Dramaturgie und seinen narrativen Strukturen eigenständig funktioniert.

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    • Xander · Dezember 31, 2013

      Ja, das ist natürlich das Problem des Mittelteils in einer künstlich aufgeblähten Geschichte: So richtig wichtig für die eigentliche Geschichte ist das nicht. Wären die Jungs stramm durch den Wald marschiert und hätten die Elben nicht getroffen, viel geändert hätte das nichts. Nichts desto trotz sind die Düsterwald-Szenen natürlich einige der wenigen, die tatsächlich so ungefähr auch dem Buch entstammen.
      2 sehr gute Szenen und der Rest unterhaltsam: Das ist doch nichts schlechtes. Und immer noch besser als der erste Teil, wo wenig zusammenpasste und nur die Gollum-Szene denkwürdig war.

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  4. phyXius · Januar 1, 2014

    Das mit der Brücke zu HdR ergibt Sinn, habe ich auch so wahrgenommen. Dennoch war für mich in dem Film zuviel von Allem, bis auf die Story. Wenn man den Geschehnissen aus HdR eine Vorgeschichte spendieren wollte, hätte man das für meinen Geschmack eine Ecke ausführlicher machen sollen, auch wenn das den Film noch weiter vom Buch wegbewegt hätte.

    „Aber wie unnötig: Mit den Spinnen, den Waldelben, der Seestadt und Erebor gibt es doch mehr als genug Schauplätze und Situationen, die den Film ganz alleine gefüllt hätten, aber dann wäre er keine drei Stunden gegangen“
    Habe ich mir auch gedacht. Da wurde eine Menge Potential liegen gelassen, das das Buch und die erste Hälfte des ersten Hobbit-Teils so charmant gemacht hat.

    Ich habe es schon bei mir geschrieben: Den zweiten Teil einer Trilogie zu bewerten ist eine undankbare Aufgabe. Ich hoffe auf den dritten Teil und dort dann auf einen Fokus auf das Gandalf-Zeugs. Wenn man das Buch gelesen hat muss man jedoch eher Angst vor einer dreistündigen Schlacht um den Berg haben.:-/

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    • Xander · Januar 1, 2014

      Der Film funktioniert letztendlich auch nur als Brücke zu HdR – als Buchverfilmung, als die ich den ersten Teil noch bewertete, scheitert er. Aber als das was er ist finde ich kommt die Stimmung schon wieder sehr gut rüber, natürlich aber kein Vergleich mit „Die Gefährten“, den ich mir jetzt in der SE noch einmal angesehen habe.

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