ELYSIUM [2013]

elysium_01Ach, als Science-Fiction-Freund hat man es in letzter Zeit echt nicht leicht. Wie gern würde man doch wirklich mal wieder einen ernstzunehmenden Genre-Beitrag im Kino sehen! „Star Trek Into Darkness“ hat zwar Spaß gemacht – aber ernst nehmen kann man den wohl kaum, astreines Popcorm-Kino halt. Was war sonst noch? „Oblivion“ – naja. „After Earth“ habe ich mir nach Ansicht diverser Kritiken ganz gespart. „Total Recall“? Nett, nicht mehr. „In Time“? Dito. „District 9“ gefiel mir gut, weswegen ich dann letztendlich doch noch Hoffnung bezüglich „Elysium“ hatte, war dieser doch ebenfalls von Neill Blomkamp. Und: Leichte Spoiler sind zu erwarten, was bei dem Film aber nicht schlimm ist.


Im Jahre 2154 trennen arm und reich fast nicht nur im übertragenen Sinne Welten: Diejenigen die es sich leisten können leben auf der Weltraumstation „Elysium“, die Erde ist verdreckt und wurde den Armen überlassen, diese versuchen mehr oder weniger über die Runden zu kommen und müssen für die Reichen in Fabriken arbeiten. Medizinische Versorgung wird nur notdürftig in Krankenhäusern gewährleistet – währenddessen es auf Elysium Geräte gibt, die einen Menschen in Sekunden heilen können. Als sich Protagonist Max während der Arbeit einer Überdosis Strahlung aussetzt und auf der Erde nur noch fünf Tage zu leben hätte, entscheidet er sich dafür, nach Elysium zu gelangen – koste es, was es wolle.

Eine Hauptfigur die in einer Welt lebt, in der die Menschen in zwei Klassen geteilt und räumlich stark getrennt sind und in welcher sie in einer Fabrik Roboter baut – da kommt in einem doch die „totale Erinnerung“ an 2012 hoch. Das waren aber auch schon die Gemeinsamkeiten, ist „Elysium“ doch eigenständiger, wenn auch – soviel sei gesagt – nur in Teilen auch besser. Sicher, die Bilder die uns Blomkamp zeigt sind großartig und kein Vergleich zu anderen Science-Filmen, in denen die Zukunft aussieht wie geleckt. Die Erde ist dreckig und düster, Elysium ist porentief rein. Wunderschöne Kamerafahrten über die blühenden Landschaften im All, das Kampf ums Überleben auf der Erde – visuell hat sich der Film absolut nichts vorzuwerfen. Zumindest so lange wie nicht gekämpft wird, denn dann ist es wieder soweit, der Einsatz unserer allseits beliebtem Wackelkamera naht. Und wie sie wackelt! Im Grunde geht es soweit, dass man überhaupt nichts mehr erkennt. Wenn man vorher nicht aufgepasst hat und nicht weiß, wer da gegeneinander kämpft muss warten, bis der Kampf vorbei ist – denn währenddessen wird man es nicht erkennen können. Schade – die Welt in „Elysium“ sieht gut aus, aber in actionreicheren Szenen dürfen wir sie nicht sehen.

Doch was ist schon die Optik, wenn der Film nichts zu erzählen hat. Und der Film hätte gerne etwas zu erzählen, nämlich etwas über die Problematik der illegalen Einwanderung, die Einteilung der Menschen in verschiedene Klassen, wenn man will sogar etwas über die aktuelle Gesundheitspolitik. Doch das erzählt „Elysium“ nicht nur, das zeigt uns der Film überdeutlich, gleich in den ersten Szenen, sowohl optisch (wie oben schon erwähnt), aber auch anhand der gesprochenen Sprachen – Französisch und Englisch bei den feinen Leuten droben im Himmelszelt, Spanisch auf der Erde. Wer Geld hat, bleibt gesund, auch das lernen wir früh. Subtil geht anders – aber letztendlich interessieren den Film solche Sachen auch nur oberflächlich, ist er doch – und zeigt es gegen Ende um so mehr (auch wenn mans dann nicht mehr erkennt, s.o.) – ein reiner Actioner, der sich seine Sozialkritik nur als Tarnung übergestülpt hat. Am Ende heißt es Mann gegen Mann, und da erscheint der Film schon fast ein wenig wie „Iron Man Light“, wenn sich Prota- und Antagonist da gegenseitig durch ihr Exoskelett verstärkt in die Fresse hauen.

Aber auch das wäre – für sich genommen – alles halb so wild. Viel schwerer ins Gewicht fällt bei „Elysium“ tatsächlich der Versuch, so etwas wie eine ernstzunehmende Geschichte zu erzählen. Zu oft wird man aus dem Film herausgerissen, weil man sich im Laufe der Geschichte fragt, „warum“ das gerade passiert. Warum zum Beispiel müssen die Flüchtlingsschiffe von der Erde aus abgeschossen werden? Und das ist nur das kleinste Problem, das gesamte System Elysiums wird vom Zuschauer in Frage gestellt ob der Durchführbarkeit. Hier hätte man sich mehr Infos gewünscht, man kann schwerlich einfach akzeptieren, was man da sieht. Und auch nicht, dass da natürlich wieder seine Freundin aus Kindertagen auftaucht, deren Kind jetzt auch noch gerettet werden muss. Ein verzweifelter Versuch, doch noch Emotionen zu wecken.

„Elysium“ verprach so vieles und hält so wenig davon ein. Oberflächlich, plakativ, in Actionszenen unübersichtlich, vermag der Film nur optisch so richtig zu überzeugen. Also im Grunde das gleiche wie bei „Oblivion“. Warten wir also weiter auf den nächsten richtig guten Genre-Beitrag…
kritik

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11 Kommentare

  1. donpozuelo · August 19, 2013

    Yup, sehe ich ähnlich, auch wenn ich das mit dem Optischen nicht so unbedingt sehe. Das war zwar nett, aber mehr leider auch nicht. Ich hatte mir von diesem Film so viel mehr versprochen.

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    • Xander · August 19, 2013

      Das sah doch alles sehr gut aus! Was hat dich gestört?

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  2. donpozuelo · August 20, 2013

    Es sah gut aus, aber es war auch nichts dabei, was man nicht so schon gesehen hatte. Also nichts, was sich hervorhebt und wirklich erwähnenswert wäre.

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    • Xander · August 20, 2013

      Das hab ich im Grunde als positiv empfunden: Tolle Effekte, die nicht zu abgehoben wirken bzw. wirklich als solche zu erkennen waren, was schon einiges zum „Realismus“ beigetragen hat. Und die Kamerafahrten über Elysium sahen auch gut aus. Aber so wirken die Bilder auf jeden anders…

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  3. Jan · August 20, 2013

    Mir fällt bei dem Film am stärksten negativ auf, dass er zu Beginn nicht vorrangig versucht, den Zuschauer nur zu unterhalten, sondern eine Botschaft überliefern will. Es bleibt allerdings beim Versuch, da Blomkamp spätestens nach einer halben Stunde sein Sci-Fi-Drama links liegen lässt und ein Action-Kino ohne große Überraschungen erzählt. Am Ende bleibt das Gefühl, dass die Handlung nicht zu Ende gedacht wurde und dieses Manko hinter Effekten und Action kaschiert werden soll.

    Die Wackelkamera hat mich im übrigen gar nicht einmal so gestört, fand sie dem „dreckigen“ Kampf sogar stets angemessen. Allerdings stören mich Handkameras auch nicht grundlegend…

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    • Xander · August 20, 2013

      Grundlegend stören sie mich auch nicht – es muss halt passen. Das tut es zwar in diesem Fall, wie du schon sagst, auch – aber trotz dessen wurde doch sehr übertrieben, da man nichts mehr erkennt. Beispiel für einen durchaus positiven Einsatz der Technik, das mir dazu einfällt: „Chernobyl Diaries„.

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