FRAKTUS [2012]

fraktus_01Es gibt sie noch, diese Filme, von denen man im Vorfeld nie etwas gehört hat und die einem dann wärmstens empfohlen werden. Oft sind es dann ja deutsche Filme, wo man dann reflexartig sagt, ok, das hat Gründe warum man da nichts von hört, aber die Erfahrung zeigt ja: Der deutsche Film an sich ist oftmals besser als sein Ruf und so viel mehr als nur die Filme des Joshua Zenker. Und wenn nun dieser ominöse „deutsche Film“ auf das Genre der Mockumentary trifft? Nun, dann heißt das Ergebnis nicht zwangsläufig „Stromberg“, sondern dann kommt auch mal sowas wie „Fraktus“ dabei heraus. Und man ärgert sich, dass der Film bisher an einem vorbeigegangen ist.


In den 80er Jahren waren „Fraktus“ so etwas wie die Gründer des Techno, leider jedoch ihrer Zeit voraus, so dass der ganz große Erfolg ausblieb. Als bei einem ihrer Konzerte ein Feuer ausbricht und die Halle bis auf die Grundmauern abbrennt, trennt sich die Band aus unbekannten Gründen. In der Dokumentation „Fraktus“ erinnern sich Prominente wie Jan Delay, Westbam, H. P. Baxxter, Steve Blame, Peter Illmann, Alex Christensen, Stephan Remmler, Marusha und Peter Urban an die Band und ihren Einfluss auf die heutige Musik. Musikproduzent Roger Dettner plant nun, Fraktus für ein Comeback wieder zusammenzuführen.

Der Film beginnt mit einem Rückblick auf die Bandgeschichte, und das hätte stimmiger nicht umgesetzt werden können, angefangen vom 80er-Look bis hin zum gefakten „Formel Eins“-Auftritt, an den sich Peter Illmann dann auch gerne erinnert: Auch wenn ich die Illmann-„Formel Eins“-Ära nur noch ganz vage in Erinnerung habe (das heißt schon was, da war ich 3!), das passt. Und wenn sich dann Künstler wie H.P. Baxxter oder Westbam bierernst dazu bekennen, sich für ihre Hits bei Fraktus bedient zu haben, dann glaubt man ihnen das – wenn man nicht wüsste, dass der ganze Film Fake ist. Selbst ein bekanntes Telekommunikations-Unternehmen soll seinen Jingle von Fraktus geklaut haben. Und so ist der erste Teil des Films genial und urkomisch umgesetzt, bis es dann so weit ist, dass Roger Dettner (Devid Striesow) die Band wieder zusammen bringen will. Nicht nur, dass Striesow seine Rolle nicht wirklich glaubhaft zum Leben erweckt, auch bricht der Film hier mit dem Genre, wenn z.B. gezeigt wird, wie Szenen für die Kamera wiederholt werden müssen. Wenn sich der Film als Doku tarnt, dann passt das nicht, wenn nicht, dann passt der Anfang des Films nicht, der sich mehr als der Rest des Films als Dokumentation ausgibt.

Aber auch in dieser Phase hat der Film seine Highlights, insbesondere ist hier zum einen die Aufnahme-Session bei Alex Christensen zu nennen, in welcher er mal eben in fünf Minuten den neuen Fraktus-Hit aus Standard-Technopop-Samples bastelt und die drei Bandmitglieder in dem Video zur Staffage degradiert und zum anderen der („reale“) Auftritt beim Melt-Festival, welcher desaströs endet.

„Fraktus“ ist herrlich bekloppt, gibt sich ernst in komischen Szenen und wirkt durch die Gast-Stars durchaus realistisch. Manche Szenen sind zwar over the top und das Ende ist dann doch etwas zu versöhnlich, aber im Großen und Ganzen ist der Film ein großer Spaß eine interessante Dokumenation.
kritik

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