DER GIGANT AUS DEM ALL [1999]

gigant_01Disney hat alles versaut. Wer nur Zeichentrickfilme von Disney kennt, geht von vorneherein davon aus, dass solche Filme nur was für Kinder sind, dass immer gesungen wird, dass alles immer niedlich ist, dass ein Elternteil stirbt. Anders kann ich es mir nicht erklären, dass ambitioniertere Projekte in schöner Regelmäßigkeit an den Kinokassen scheitern, wie ja auch der kürzlich hier besprochene „Titan A.E.“. Jetzt muss ich natürlich zugeben, dass ich seinerzeit vielleicht auch etwas blauäugig durch die Welt gelaufen bin und dem Film (hätte ich von ihm gehört) keine Chance gegeben hätte. Mit dem Alter kommt die Weisheit, „Der Gigant aus dem All“ wurde nun gesehen, ein Teil der Liste abgehakt.


1957: Der neunjährige Junge Hogarth Hughes lebt mit seiner Mutter in dem kleinen Städchen Rockwell. Eines Tages stürzt ein rund 15 m hoher Riesenroboter vor der Stadt ins Meer, welcher von Hogarth entdeckt und versteckt wird – und zwar auf Deans Schrottplatz, was sich anbietet, da der Roboter Metall als Nahrung benötigt. Doch auch andere Leute bemerkten den Absturz, so dass der Regierungsbeamte Kent Mansley misstrauisch wird und dem Jungen am liebsten das Militär auf den Hals hetzen würde…

„Du musst keine Waffe sein. Nur du entscheidest wer oder was du sein willst. Du hast die Wahl…wähle!“

Zugegeben, das Grundgerüst der Geschichte ist nicht wirklich neu. Mit der prominenteste Vertreter dieser Story ist wohl „E.T.“, wenn auch in kleinerem Maßstab. Und so ist die Gefahr natürlich groß, die Story so zu verarbeiten, wie es Disney tun würde – siehe erster Absatz. Zum Beispiel, Hogarth findet den Roboter und fährt am Abend auf seinem Fahrrad nach Hause – nebenbei ein Lied singend, wie aufregend doch alles ist. Aber das hier ist nicht vom Maus-Konzern, und das ist auch gut so. Denn „Der Gigant aus dem All“ spielt zur Zeit des kalten Krieges und das lässt Brad Bird den Zuschauer auch spüren. Sputnik war in der Umlaufbahn (und soll ihm Film auch am Sternenhimmel zu sehen sein) und der Absturz des Roboters wird gleich als Angriff gewertet.

Vieles wird in dem Film unbemerkt thematisiert, ohne das es breitgetreten wird und er von einem Klischee ins nächste stolpert: Die Einsamkeit Hogharts, weil er kaum Freunde zu haben scheint, die Mutter, die immer lange arbeiten muss und der Vater – das weiß man gar nicht so genau, es wird auch nicht gesagt, und das ist schon alles sehr angenehm, denn für die Geschichte ist es eh irrelevant. So wirkt alles aus einem Guss, als hätten die Charaktere wirklich einen Hintergrund und sie handeln und reden nicht, als wurden sie extra für den Film ausgedacht. Statt dessen hat sich jemand wirkliche Gedanken gemacht und den Film mit vielen Details ausgestattet.

„Der Gigant aus dem All“ funktioniert als Zeichentrickfilm für die ganze Familie, ohne großartig kitschig zu werden. Der Humor ist subtil, die Zeichnungen und Animationen einwandfrei und voller Anspielungen – einer der besten (mir bekannten) Filme seines Genres, so einfach ist das. Nur zu spät entdeckt hab ich ihn, was schade ist.
kritik

4 Kommentare

  1. bullion · März 12, 2013

    Den wollte ich auch schon immer sehen, habe es aber bisher nicht geschafft. Wird Zeit! Gibt es davon eigentlich eine Blu-ray?

    Gefällt mir

    • Xander · März 12, 2013

      Nicht das ich wüsste. Was im Grunde auch sehr schade ist, aber wie ich finde bei Zeichtrickfilmen zu verschmerzen.

      Gefällt mir

  2. maloney · März 13, 2013

    Sehr schön, dass sich jemand weiteres diesen Film angesehen hat ich kann ihn wirklich nur jedem empfehlen

    Gefällt mir

    • Xander · März 13, 2013

      Natürlich nur aufgrund deiner Empfehlung!

      Gefällt mir

Sag was dazu!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s