Kurzkritik: DJANGO UNCHAINED [2013]

„I count six shots, nigger.“
– „I count two guns, nigger.“

Wenn man ehrlich ist: „Inglourious Basterds“ wäre ohne Christoph Waltz nur halb so gut. Für seine Darstellung des Hans Landa hätte er jeden Preis, abgesehen von der goldenen Himbeere, durchaus verdient. Kein Wunder also, dass Quentin Tarantino auch in seinem nächsten Film, dem Western „Django Unchained“ auf ihn zurückgreift, sind die beiden doch auch privat ganz gute Kumpels geworden. Doch kann Waltz seine letzte Leistung toppen oder hat man sich mittlerweile, auch durch seinen starken Auftritt in „Der Gott des Gemetzels„, an dem pointierten Spiel des Österreichers satt gesehen?


Der Kopfgeldjäger Dr. King Schultz befreit den Sklaven Django, da er für ihn drei flüchtige Verbrecher identifizieren soll. Die beiden freunden sich an und Dr. Schultz beschließt, Django bei der Suche nach dessen Frau Broomhilda zu helfen, die sich auf der Ranch „Candyland“ befindet. Doch den beiden ist schnell klar, dass sie Broomhilda nicht so ohne weiteres da raus kriegen…

Ein Vergleich mit den „Inglourious Basterds“ bietet sich hier, besonders beim Beginn des Films, durchaus an: Wieder ist es Christoph Waltz, der den Film an sich reißt und im Alleingang dafür sorgt, dass der Zuschauer begeistert ist. Sein Dr. Schultz ähnelt zwar Hans Landa, was aber überhaupt nicht ins Gewicht fällt. Fast die erste Hälfte ist eine Waltz One-Man-Show. Die Befreiung Djangos gehört mit zum besten Einstieg in einen Film, den man sich vorstellen kann. Hieße der Film „Dr. King Schultz“, man wüsste warum. Doch so, wie Waltz‘ Charakter Django von den Ketten befreit, so befreit sich eben jener auch aus seinem Dasein als Nebenrolle. „Django Unchained“ heißt der Film schließlich, und so tritt Jamie Foxx mehr und mehr in den Vordergrund, was ok ist, was diesen „Übergang“ aber auch problematisch macht.

Denn so gegen Ende des zweiten Drittels beginnt sich der Film, ein wenig zu ziehen. Es ist nicht so, dass man sich langweilt, man beginnt aber eventuell verstärkt darauf zu warten, dass es jetzt weitergeht. Wenn sich Humor und Gewalt abwechseln, ist das ja ok, jedoch wirken Szenen wie die Kapuzen-Diskussion irgendwie fehl am Platz, ebenso halte ich Candies Totenkopf-Monolog für unnötig (ja, auch wenn sich DiCaprio dabei verletzt hat und trotzdessen weitergespielt hat). Das beginnt schon bei der Frage, warum Candie diesen Totenschädel in seiner Tasche zusammen mit einem samtbezogenen Präsentierteller überhaupt aufbewahrt und endet bei der Frage: Nur um ihn dann beim erstbesten Besuch zweier Fremder kaputtzusägen? Herrlich dann aber wieder Samuel L. Jacksons Auftritt im Chefsessel mit dem Glas in der Hand. Als Sklave, wohlgemerkt.

Heiteres Zitateraten wechselt sich mit brachialer Gewalt ab: Tarantinos „Django Unchained“ ist eine linear erzählte Hommage an den Western, die aber mit zunehmender Laufzeit so ihre Längen hat. Eine grandiose One-Man-Show von Christoph Waltz, blutige Schießereien und ein erinnerungswürdiger, filmischer Abgang von Tarantinos Cameo: Dieser Django ist einer der guten!

19 Kommentare

  1. maloney · Januar 20, 2013

    Stimmt das ende zog sich ein wenig aber trotzdem ein ganz grosser Film mit noch grösseren Schauspielern!

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  2. bullion · Januar 20, 2013

    Ich freu mich auf den Film, auch wenn ich wohl erst bei der Heimkinoveröffentlichung dazu kommen werde ihn zu sehen. Und „Cowboys & Aliens“ hast du fast noch zu gnädig bewertet…😉

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    • Xander · Januar 20, 2013

      Die Vorfreude ist berechtigt! Ob da bei mir jetzt ne 8, 9 oder 10 drunter steht: Gut sind Filme in der Region ohne Frage.
      Bzgl. „C&A“: Das mag sein, aber ich bin ja auch ein netter Mensch. Der maloney, der sieht das nur nicht ein und findet den Film weiterhin super😉

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  3. Dos Corazones · Januar 20, 2013

    Im Grunde sind wir ja sehr ähnlicher Meinungen. Ein paar Szenen hätte man problemlos rausnehmen können und damit die Laufzeit wunderbar zurechttrimmen können. Hätte mir das Filmvergnügen jedenfalls noch verschönert.
    Allerdings hätte nie und nimmer die Kapuzen-Szene rausfliegen dürfen. Die war einfach nur witzig – wenn auch komplett aus der Handlung gerissen und dementsprechend unnötig.

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    • Xander · Januar 21, 2013

      Die war ja auch lustig. Aber passte da irgendwie nicht ganz hin.

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  4. donpozuelo · Januar 21, 2013

    Ja, alles in allem ein gelungener Film. Ich finde ja, der Film bietet einen grandiosen Leonardo DiCaprio, den ich im Kampf um den besten Nebendarsteller bevorzugt hätte.

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    • Xander · Januar 21, 2013

      So grandios fand ich ihn persönlich nicht, von daher ist das schon so in Ordnung😉

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  5. Kim · Januar 22, 2013

    Ohne Christoph Waltz wäre auch dieser Film nur halb so gut!

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    • Xander · Januar 22, 2013

      Das ist wohl wahr. Gut, dass er dabei ist!

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