ZÄHL BIS DREI UND BETE (3:10 TO YUMA) [1957] im Vergleich mit TODESZUG NACH YUMA [2007]

Man lernt doch nie aus. Filme wie „Jackie Brown“ oder „Out Of Sight“ haben eine Gemeinsamkeit: Sie basieren auf Geschichten des Autors Elmore Leonard, der abseits des Thrillers aber auch Westerngeschichten verfasste – unter anderem auch „Three-Ten To Yuma“, welche dann auch direkt verfilmt wurde. Und das nicht nur einmal: 2007 wurde der Stoff erneut verfilmt, wie der Film ist steht hier. Jetzt also das „Original“, bzw.: Die Erstverfilmung der Kurzgeschichte mit dem selten dämlichen deutschen Titel „Zähl bis drei und bete“ (wobei „Todeszug nach Yuma“ auch nicht besser ist). Während es bei meinem letzten Westernvergleich („Der Marshall“ vs. „True Grit“) punktemäßig ein Unentschieden gab, darf man gespannt sein, wie es hier ausgeht.


Dan Evans beobachtet mit seinen Söhnen, wie der Gangster Ben Wades mit seiner Bande die Postkutsche von Mr. Butterfield überfällt. Wades lässt ihn in Ruhe, nimmt aber seine Pferde an sich, damit Evans nicht zum Marshall reiten kann. Als der Marshall kurze Zeit später am Ort des Überfalls eintrifft, erzählt Dan ihm, das Wades in die Stadt geritten ist – dort kann dieser auch kurze Zeit später festgenommen werden. Um eine Befreiung durch seine Bande zu verhindern, soll Wades schnellstmöglich in den Zug nach Yuma gesetzt werden – und Dan soll ihn dorthin bringen…

[ab jetzt: SPOILER]

Beide Filme basieren auf der gleichen Kurzgeschichte von Elmore Leonard, daher ist das inhaltliche Grundgerüst identisch. Armer Farmer, der kein Geld für Wasser für seine Herde hat, beobachtet, wie eine Gangsterbande mit Hilfe seiner Rinderherde eine Postkutsche zum Halten zwingt und diese dann überfällt. Der Gangsterboss wird gefasst, nachdem er sich mit der städtischen Bardame vergnügt hat, der Farmer soll ihn zum Zug in die Nachbarstadt bringen, am Zug angekommen, hilft ihm der Bandit letztendlich.

Wo sich die Filme dann doch unterscheiden, sind die unterschiedlich gesetzten Schwerpunkte, die eventuell auch mit der Entstehungszeit zu tun haben. Früher, wo technisch und finanziell vielleicht nicht ganz so viel möglich war, beschränkte man sich auf das Wesentliche, in diesem Fall: Den Konflikt zwischen Evans und Wades, genauer gesagt Bens Psychospielchen im Hotelzimmer. Mangolds Neuinterpretation hingegen setzt mehr auf die Action, wodurch der Weg zum Hotel ausführlich dokumentiert wird, natürlich, um so viele Actionszenen wie möglich unterzubringen. Interessant, dass „Zähle bis drei und bete“ diese Reise komplett ignoriert – mit dem Vorteil, dass der Fokus auf den beiden Protagonisten liegt. Und dem Vorteil, dass all die Logikprobleme des neueren Films nicht im Original auftauchen.

Auch das Ende weicht ab. In beiden Filmen ist Ben Wades ein kaltblütiger Killer, der auch nicht davor zurückschreckt, einen seiner eigenen Leute zu erschießen. Doch das Finale von „Todeszug nach Yuma“ setzt dem Ganzen die Krone auf: Aus Mitleid (?) mit Dan erschießt er seine ganze Bande, steigt freiwillig in den Zug mit den Worten „Aus Yuma bin ich schon öfter ausgebrochen“, nur um dann aber anschließend sein Pferd heranzupfeifen und (vermutlich, gezeigt wird es nicht) später wieder aus dem Zug herauszuspringen. Die Erstverfilmung lässt Ben zwar auch mehr oder weniger frewillig einsteigen, jedoch zum einen ohne vorher seine ganzen Leute zu töten, zum anderen aber auch als Gegenleistung dafür, dass Dan ihm im Hotel das Leben gerettet hat (was im 2007er Film nicht vorkam) – und mit dem Verweis darauf, dass er schon einmal aus Yuma ausgebrochen ist. Und: Dan begleitet ihn im Zug nach Yuma. Im Grunde enden beide Filme ähnlich, hinterlassen durch die Abweichungen aber einen anderen Eindruck, der Film von 1957 macht aus Ben Wades abschließend auch keinen geisteskranken Gutmenschen.

Je nachdem, wo man als Zuschauer selber die Schwerpunkte setzt, mag man die eine Variante vermutlich lieber als die andere. Wer ein psychologisches Katz- und Mausspiel bevorzugt, der sollte zu „Zähl bis drei und bete“ greifen, wer mehr Action sehen will und dabei die Logik auch mal außen vor lassen kann, der schaut sich „Todeszug nach Yuma“ an. Einen großartigen Ben Wades (mit Glenn Ford bzw. Russel Crowe) bieten sie beide.

5 Kommentare

  1. Dos Corazones · Januar 16, 2013

    Das Remake gefällt mir ja trotz seiner Logiklöcher richtig gut, wobei ich mich gar nicht als großen Wester-Fan bezeichnen kann. Dafür kenne ich auch gerade von den Klassikern zu wenige Filme.
    Allerdings hat mich das Original schon öfter mal interessiert und wird bei Gelegenheit gesichtet. Immerhin scheint es sich ja zu lohnen.

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    • Xander · Januar 16, 2013

      Diese schicke Holzbox konnte ich bei der Amazone noch für 3.25 € (inkl. Prime-Versand!) erstehen, hat sich auf jeden Fall gelohnt!

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  2. donpozuelo · Januar 17, 2013

    Das Remake kenne ich auch… und ich fand den Film damals verdammt gut… tja, bis halt dieses blöde Ende kam. Total bescheuert irgendwie. Hat mir den ganzen Film versaut. Schade eigentlich… war damals seit langem mal wieder ein toller Western und dann sowas!

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    • Xander · Januar 17, 2013

      Ja, das Ende war… Naja, zumindest überraschend!

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  3. Pingback: Zähl bis drei und bete (1957) | Film-Blogosphäre

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