Kurzkritik: LIFE OF PI – SCHIFFBRUCH MIT TIGER [2012]

Unverfilmbar sind Filme eigentlich nur, solange sie noch niemand ansprechend verfilmt hat. Wer hätte schließlich gedacht das es durchaus möglich ist Filme darüber zu drehen, wie mehrere Leute über diverse Berge wandern, um einen Ring ins Feuer zu schmeißen? Und doch hat Peter Jackson dieses Meisterwerk vollbracht. Von „Life Of Pi“ wurde das scheinbar stets das gleiche behauptet, auch wenn ich von diesem Buch vor dem Film nie etwas gehört und es dementsprechend auch noch nicht gelesen habe. Allerdings werde ich das nach Sichtung des Films auch nicht nachholen, das sei vorab schon gesagt. (Spoiler sind gekennzeichnet)


Piscine Patel, genannt Pi, lebt mit seiner Familie in Indien. Sein Vater leitet einen Zoo, dessen Hauptattraktion der bengalische Tiger Richard Parker ist. Als seine Eltern beschließen, nach Kanada auszuwandern, besteigt die Familie mitsamt den Zootieren, die in Kanada verkauft werden sollen, einen japanischen Frachter, welcher allerdings in einen Sturm gerät und sinkt – Pi überlebt als einziger, muss sich aber sein Rettungsboot mit einem Zebra, einer Hyäne und einem Urang-Utan teilen – und Richard Parker.

Ein Film, der aufgrund der Unkenntnis der Vorlage nur aufgrund des Trailers und anderer Kritiken fasziniert, der ein beeindruckendes 3D bieten soll – „Life of Pi“ sollte ein versöhnlicher Kino-Jahresabschluss werden, nach der großen sogenannten „Hobbit-Enttäuschung“ (wenn so etwas bei zukünftigen Filmen geschieht, einfach sagen: „Das war aber ein Hobbit, schade“ und jeder weiß, was gemeint ist). Jetzt erfolgte die Sichtung allerdings im nicht weniger beeindruckenden 2D (aus Gründen), dennoch kann der Film audiovisuell durchaus überzeugen. Ein wenig 3D hat man durch die Tatsache, dass ein Fisch über den schwarzen Filmbalken fliegt – lustige Idee an dieser Stelle.

Durch die Wahl größtenteils unbekannter Darsteller bewirkt Ang Lee genau das richtige: Die Fokussierung auf den Film, die Geschichte, nicht auf den Star. Und die Geschichte macht den Film dann letztendlich auch zu etwas besonderem. „Life of Pi“ ist ein modernes Märchen über den Glauben, was mich zwar zuerst etwas abschreckte, aber nachdem man die ersten 30 Minuten überstanden hat, tritt die Religion doch etwas mehr in den Hintergrund. Das soll im Buch nicht so sein (Angabe ohne Gewähr), weshalb ich mir dieses jedenfalls nicht durchlesen werde. Und einen Star hat der Film, der zumindest jetzt kein Unbekannter mehr sein wird: Tiger Richard Parker, von dem es zwar auch reale Aufnahmen in den Film geschafft haben, der allerdings größtenteils am Computer entstand. Und das sieht man ihm im Film so gut wie gar nicht an. Auch wenn der Vergleich ein wenig hinken mag: Insbesondere wenn man Katzen zu Hause hat, kommen einem die Bewegungen, „Gesichtsausdrücke“ und Emotionen doch sehr bekannt vor, unglaublich, wie perfekt das Wesen des Tigers digital eingefangen wurde. Sein Wechselspiel mit Pi trägt den Film – aber das muss es auch, geht es doch im Großteil des Films darum. Und es funktioniert.

Erwähnenswert sind vielleicht noch zwei Dinge, die mich besonders beeindruckt haben: Die Inszenierung des Untergangs des Frachters sowie die Schlussszene [SPOILER], wenn Pi die zweite Version der Geschichte erzählt: Mit Kameraeinstellung nur auf sein Gesicht, ohne Musik, wenn er trocken die grauenhaftere Variante vorträgt [/SPOILER].

Atemberaubende Bilder, eine emotionale Geschichte, tolle Darsteller und realistische sowie surrealistische Effekte im Einklang: „Life of Pi – Schiffbruch mit Tiger“ ist ein zwar etwas religionslastiges, aber dennoch tolles Gefühlskino zum Jahresende mit tausenden von Erdmännchen als Bonus. Ein Film, der auch diejenigen zum Nachdenken bringen könnte, die ansonsten recht wenig mit Religion zu tun haben, denn es stimmt schon – was wäre einem lieber?

5 Kommentare

  1. Florian Lieb (@Flo_Lieb) · Dezember 31, 2012

    Ich fand den Film ja sehr viel religiöser als das Buch, jedenfalls hat es mich im Film weitaus mehr gestört. Insgesamt würde ich aber auch den Film nicht als „religiös“ bezeichnen, wobei ich allerdings auch zu denjenigen gehöre, die sagen würden, die Geschichte (bzw. das Leben allgemein) wäre besser ohne Religion.

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    • Xander · Dezember 31, 2012

      Der Großteil des Films ist ja auch nicht besonders religiös. Aber insbesondere der Anfang (wie Pi zu „seinen“ Religionen findet) und auch das Ende, wenn sich der Kreis schließt, schon. Von daher ist das ja alles noch ok, wenn auch etwas am Punktabzug beteiligt.

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  2. Pingback: Kurzkritik: THE FALL [2009] « Xanders Blog
  3. golddna · Januar 10, 2013

    Lesenswertes zum sehenswerten Film:

    http://faszinationmensch.com/2012/12/30/leben-mit-pi-oder-leben-mit-phi

    Gruß IP

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    • Xander · Januar 10, 2013

      “ „Kann man an etwas glauben, selbst wenn es sich nicht beweisen lässt? Und warum sollte man das tun?“

      Diese beiden Fragen zeigen das wirkliche Wesen dessen, was die neuen Denkstrukturen der Optimierung ausmacht. Dieses massentauglich einem breitem Publikum, welches mit der Beweisbarkeit der Welt aufgewachsen ist, mit bildgewaltiger Schönheit nahe zu bringen, zeugt einmal mehr von der Nähe des Zenits der Unordnung. Die Zeit ist reif.“

      Ähm – ja. Viel Erfolg noch bei „der Finde nach einer besseren Welt“.

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