Kurzkritik: FÜR EINE HANDVOLL DOLLAR [1964]

Ursprünglich wollte ich da ja gar nichts zu schreiben, gingen nach der Erstsichtung doch einige Jahre ins Land und die nun erfolgte Sichtung geschah auf Basis der gekürzten Fassung von 1980 unter der Synchronisierungs-Federführung von Rainer Brandt. Die Folge ist ein Western mit Haudrauf-Humor, mit Anleihen an einen Bud Spencer Film, der dadurch einiges von seiner Atmosphäre einbüßt. Nichts desto trotz weiß man ja, dass das nicht so muss, dass der Film mehr ist als ein paar deplazierte dumme Sprüche. Man weiß, dass „Für eine Handvoll Dollar“, der Erstling von Sergio Leone, das Genre des Italo-Westerns begründete und den Weg ebnete für so einige Nachahmer.


Ein einsamer Cowboy trifft in der mexikanischen Kleinstadt San Miguel ein und hofft, dort ein wenig Geld zu verdienen. Schnell realisiert er die dortige Situation: Zwei rivalisierende Banden kämpfen um die Vorherrschaft in dem kleinen Städtchen. Der Mann, der sich selber Joe nennt, ergreift seine Chance und versucht, die beiden Banden gegeneinander auszuspielen, immer auf seinen Vorteil bedacht…

„Für eine Handvoll Dollar“ ist der Gegenentwurf zum amerikanischen, romantischen Western à la John Wayne. Dreckig, brutal, nichts beschönigend. Der einsame Reiter („Held“ kann man wohl nicht sagen) gegen die Widrigkeiten des Westens, in dem Männer noch echte Männer sind und ein Colt über Leben und Tod entscheidet. Dies zeigt Sergio Leone in fantastischen Bildern, die in diesem Film zwar noch nicht an die Klasse der Nachfolger heranreichen, aber dennoch ihre Wirkung nicht verfehlen. Extreme Close-Ups wurden stilprägend für das Genre, ebenso wie der großartige Score von Ennio Morricone (dessen Scores nach diesem Film aber auch noch viel großartiger wurden).

So sehr der Film für die damalige Zeit bahnbrechend war, so sehr beeindruckt er zwar zum einen durch die o.g. Punkte noch heute, zum anderen jedoch ist die Story des Films nicht zwingend die bahnbrechendste, war sie doch auch damals schon ein Remake einer Buchverfilmung, bzw. basierte auf dem gleichen Buch wie ein anderer Film, wie auch immer. Es hätte der Geschichte vermutlich gut getan, wenn sie etwas mehr Zeit bekommen hätte, denn so wirken die Abläufe doch etwas gehetzt – was auch sein Gutes hat: Langeweile kommt auf diese Weise gar nicht auf.

Die abschließende Bewertung soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass man es hier mit einem wegweisenden Film zu tun hat, der handwerklich sehr gut gemacht ist und so eine ganz eigene Wirkung entfaltet. Die knappe Laufzeit jedoch verhindert einen wirklich Tiefgang, die dünne Story wird auf die Schnelle erzählt. Aber was auch immer ich hier schreibe und wie auch immer man anschließend zu diesem Film steht, gehört er auf jeden Fall zum Pflichtprogramm eines jeden Filmfans. Und wenn synchronisiert, dann in der ursprünglichen Fassung.

5 Kommentare

  1. maloney · Dezember 4, 2012

    Kult und genial! Nuff said!

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    • Xander · Dezember 4, 2012

      Und warum hab ich dann soviele Worte dafür gebraucht? Verdammt!

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  2. Florian Lieb (@Flo_Lieb) · Dezember 4, 2012

    Aber was auch immer ich hier schreibe und wie auch immer man anschließend zu diesem Film steht, gehört er auf jeden Fall zum Pflichtprogramm eines jeden Filmfans.

    Pflichtprogramm, Pflichtprogramm. Pflichtprogramm wäre dann wohl eher noch das Original.

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    • Xander · Dezember 4, 2012

      Das wohl auch. Aber man kann ja nicht alles gucken.

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