Kurzkritik: KREUTZER KOMMT… INS KRANKENHAUS [2012]

Zwei Jahre ist es nun schon her, dass Christoph Maria Herbst das erste Mal in die Rolle des Kommissar Kreutzer schlüpfen durfte, und auch wenn „Kreutzer“ keine Serie ist, so ist das auch für eine Fernsehfilm-Reihe eine lange Zeit. Nichts desto trotz habe ich den ersten Teil nicht nur positiv in Erinnerung, sondern er konnte auch kürzlich bei der Zweitsichtung noch überzeugen. Umso mehr war ich natürlich auf diesen zweiten Teil gespannt, das Setting im Krankenhaus versprach ja doch so einige Kuriositäten. Jedoch sei so viel verraten: Nicht alles, was ich mir von der Fortsetzung versprochen hatte, wurde auch eingehalten, hier und da wurde etwas geändert, doch Kreutzer selber ist eines geblieben: Fies und unkonventionell.


Eine Ärztin wurde in der Tiefgarage des Krankenhauses überfahren – mehrfach und vorsätzlich. Zwar ist sie nicht sofort tot, überlebt die Notoperation jedoch nicht. Als Kommissar Kreutzer am Tatort eintrifft, erwartet ihn ein schwieriger Fall: Motive hätten viele, ein Alibi hat auch nicht jeder, getan haben will es keiner. War aber irgendwie auch zu erwarten. Ungleich schwieriger wird es jedoch, weil Kreutzer aufgrund einer schmerzhaften persönlichen Erfahrung eine Abneigung gegen Krankenhäuser hat und eigentlich gar nicht in diesen ermittelt und somit von Erinnerungen geplagt wird…

Das ist er also, der „neue Kreutzer“. Hat sich kaum verändert, es ist die Umgebung, die sich geändert hat. Statt eines Nachtclubs ist es nun ein Krankenhaus, in welchem er ermittelt, und auch wenn die Anzahl der Verdächtigen überschaubarer ist als bei seinem ersten Fall, so ist dort ungleich mehr los. Eine Hochzeitsgesellschaft wurde eingeliefert und kotzt sich auf den Fluren die Seele aus dem Leib, ein kleiner Junge steckt mit seinem Kopf in einer Vase („Vorsicht, das ist Ming!“) und mittendrin ein junger Mann, der sich entscheiden muss, ob er das Herz seiner im Koma liegenden Schwester an eine Staatsanwältin spendet. Und dann wäre da ja noch der kleine krebskranke (?) Junge, der vorhersagen kann, ob Leute sterben oder nicht. Humor und Drama liegen hier also eng beeinander, doch hat wenig damit mit dem eigentlichen Fall zu tun. Kreutzer bekommt nicht die Gelegenheiten wie im ersten Teil, sich auf die Verdächtigen einzustellen und mutiert mitunter zum Monk-esten Klassenclown, der sich darüber beschwert, dass seine letzte Assistentin die Stullen falsch geschmiert hat. Immer mal wieder werden die möglichen Täter zusammengerufen, nur damit Kreutzer ihre Reaktionen auf seine Sprüche testen kann, und doch ist die Auflösung des Falls eher mittelmäßig – seine Kollegen aus anderen Krimis wären mit simplen Nachforschungen viel schneller darauf gekommen. Ohne so unkonventionell daherzukommen.

„Kreutzer kommt… im Krankenhaus“ ist leider nicht die würdige Fortsetzung, die man sich erhofft hat, auch wenn das Feuilleton das irgendwie anders zu sehen scheint. Sicher, es macht Spaß, den Kommissar in diesem Krankenhaus zuzuschauen, selber drin liegen möchte man besser nicht, und man will ja schon wissen wer und warum. Und doch könnte es einem nicht egaler sein. Schade irgendwie. Sollte es einen dritten Teil geben, dann doch bitte wieder auf die Stärken des Erstlings besinnen.
7/10

2 Kommentare

  1. Schlombie · Oktober 24, 2012

    Am meisten hat mich geärgert, dass man diesmal so vieles erfahren hat, bevor es Kreutzer weiß. In Teil 1 hatte man ab dem ersten Auftritt von Kreutzer nie mehr gewusst als er selbst. Mit dem neuen Konzept ging viel vom vorhandenen Potential flöten.

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    • Xander · Oktober 24, 2012

      Stimmt! Vergessen zu erwähnen, aber gar nicht mal so unwichtig.

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