Kurzkritik: IRON SKY [2012]

Am 06.05.2008 wurde bei YouTube ein Video hochgeladen, welches sehr bald für Furore sorgen sollte. Die Macher einer Star Trek-Parodie namens „Star Wreck“ stellten in diesem Video ihr neues Projekt vor: „Iron Sky“, ein Film über Nazis vom Mond. Aus viel mehr als „In 1945 the Nazis went to the Moon. In 2018 they are coming back.“ bestand der Film da noch nicht, aber das hat gereicht. Der Clip eroberte das Internet, eine Fan-Community bildete sich, Ideen und Spenden wurden gesammelt, „Iron Sky“ läuft 2012 im Kino. So kann das manchmal gehen. Und so fing das alles an:


1945. Hitler ist tot, der Krieg verloren, und so macht sich eine verbliebene Anzahl Nazis mit Hilfe eines gewissen Dr. Stoibers auf, den Mond zu besiedeln – um zurück zu schlagen, wenn die Zeit reif ist. Das Jahr 2018: Die Zeit ist reif. Nachdem die amtierende US-Präsidentin aus Wahlkampfzwecken wieder eine bemannte Mondmission startete und die Besatzung die Nazi-Basis entdeckt, denkt der Führer Kortzfleisch, dies sei nur eine Vorhut – und beginnt mit der Planung des Angriffs. Doch dafür braucht er Smartphones…

So ein Internethype kann schnell nach hinten los gehen – man denke da nur an „Snakes On A Plane“, bei dem das ganze sogenannte Internet voll war mit Lobeshymnen, und am Schluss wollte ihn keine Sau im Kino, geschweige denn auf DVD sehen. Da ist ein Independentfilm mit einem Budget von 7,5 Millionen Euro schon ein Risiko – aber im Fall von „Iron Sky“ ein Risiko, welches sich ausbezahlt hat. Denn anders als bei „Snakes“ steht hier kein Studio dahinter, welches noch irgendwie seine Vorstellungen mit einbringen will, der Film ist Fan made, und zu einem Teil auch von Fans finanziert. Und die Weisheit der Massen ist manchmal besser als die Weisheit eine Major-Studios.

Denn wer weiß, vielleicht hätten wir dann Sachen wie die „Untergangs-Rede“ der Marketingchefin oder die „Dr. Strangelove“-Hommage gar nicht in dem Film gesehen, der „albinisierte“ Neger Afroamerikaner wäre so nicht in Erscheinung getreten und womöglich hätte sich der Film dann auch noch ernst genommen, was fatal gewesen wäre. Diese Geschichte kann man nicht ernst nehmen. Ein Film über Nazis, die Autobahnen auf dem Mond bauen darf sich nicht ernst nehmen. Und das tut er nicht, und das ist auch gut so.

Die Charaktere sind herrlich durchgeknallt, Die Schauspieler sind (wenn man das in diesem Fall so sagen kann) überzeugend, der Humor schwarz, die Effekte für einen Film dieser Größenordnung mehr als überzeugend. „Iron Sky“ ist stellenweise schon fast albern, das muss er aber auch, denn man kann die „Nazis vom Mond“-Geschichte schließlich kaum über 90 min breittreten.

„Iron Sky“ ist besser als befürchtet, vielleicht nicht ganz so super und fantastisch wie er eventuell hätte sein können, aber: Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass er im Original noch gewinnt. Die Synchro scheint hier auch vieles kaputt zu machen, was schade ist, aber irgendwann im Heimkino noch mal geprüft wird. Jetzt bin ich aber erstmal durchaus mit dem zufrieden, was ich da gesehen habe.

@DHJaeger: „Q-N4751“ bedeutet kuunatsi („Mond-Nazi“ auf Finnisch).

11 Kommentare

  1. Dominik Höcht · April 15, 2012

    Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob man den gesehen haben muss. Meine talentierten Freunde, die sich immer geschickt ausdrücken mit Worten wie „der war geil“, helfen mir da nicht sehr viel weiter. Jedenfalls eine gute Kritik. Mal sehen, ob ich mich überwinden kann, oder die DVD irgendwann einmal her halten muss.

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    • Xander · April 15, 2012

      Es kommt immer darauf an, mit welcher Erwartungshaltung man an so einen Film rangeht. Mit Stand heute würde ich dir empfehlen: Wenn er bei euch im OmU im Kino kommt, ins Kino gehen (alleine schon der Effekte wegen), ansonsten: Warten auf Blu Ray bzw. DVD der Witze wegen.

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  2. bullion · April 15, 2012

    Werde wohl auf die Heimkinoverwertung warten und dann hoffentlich Spaß damit haben.

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  3. Dos Corazones · April 15, 2012

    Ich bin ja auch noch hin- und hergerissen, weil ich bei solchen Filmen, die ziemlich sicher auf verschiedene Sprachen setzen (wie einst Inglourious Basterds, der in der Synchro einfach lächerlich wurde), gerne auch den O-Ton höre. Der wird mir hier aber nicht angeboten – so warte ich wahrscheinlich doch auf die Blu-ray…

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    • Xander · April 15, 2012

      Wobei ich IN auch in der Synchro gesehen habe, ich fands ok!

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    • Xander · April 15, 2012

      Sollte IB heißen. Nicht IN.

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  4. Wortman · April 15, 2012

    Ansehen werde ich ihn mir garantiert – allerdings warte ich auch lieber auf die DVD.

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  5. donpozuelo · April 16, 2012

    Ich hatte ja das Vergnügen, den schon auf der Berlinale zu sehen und fand den spitze! Sollte man sich echt unbedingt anschauen😉

    Ich find’s nur echt schade, dass sie den synchronisiert haben, wie du sagst. Gerade bei diesem Film hätte man wirklich mal mit Untertiteln fahren sollen, zumal die ja eh recht viel Deutsch sprechen.

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