Kritik: THOR [2011]

Willkommen zu den Götter-Festspielen von Asgard. Bitte beachten Sie, dass der offizielle Empfang am Bifröst stattfindet und alle anderen Besucher vom Destroyer ungefragt vaporisiert werden. Eine lustige Plastikverkleidung ist Pflicht. Es erwartet Sie ein lustiger Abend voller Prunk und Zeremonien, großer Reden und Emotionen. Für die kleinen Besucher bieten wir Eisriesen-Schminken und Hammerwerfen zur Belustigung. Wir möchten Sie jetzt schon darum bitten, die Heimreise zeitnah einzuplanen, um Wartezeiten am Bifröst zu vermeiden. Als feierlicher Abschluss wird dieser zudem zerstört, so dass eine anschließende Heimreise nicht mehr möglich sein wird. Jetzt wünschen wir Ihnen aber zuerst viel Spaß auf der Veranstaltung!


„Thor“ als am von mir am wenigsten erwarteten Superheldenfilm zu bezeichnen, trifft die Sache recht gut. Wie ich schon vor gut vier Jahren schrieb, fand ich seine Hintergrundgeschichte nicht wirklich berauschend und auch meine Kostümtoleranz hat irgendwo Grenzen. Vielleicht sähe das anders aus, wäre ich ein langjähriger Comicfan, der schon alles gelesen hat, aber so ist es nun mal nicht. Seit 2008 hat sich aber so manches geändert, zum Beispiel gibt es demnächst „The Avengers“, auf welchen ich mich mittlerweile doch ziemlich freue, hauptsächlich zwar wegen Iron Man, aber auch, weil „Der unglaubliche Hulk“ oder auch „Captain America“ letztendlich doch nicht so scheiße waren, als das ein Team aus diesen nicht auch reizvoll sein könnte. Und so fehlte mir, der Vollständigkeit halber, auch noch „Thor“. Wenn der da schließlich auch mitspielt, will man ja auch wissen, wer das überhaupt ist. Und ob der Film vielleicht etwas mehr ist als eben diese erweiterte Einführung in „The Avengers“.

Man muss, insbesondere im Vergleich zu Tony Stark, Bruce Banner oder Steve Rogers, vieles akzeptieren können, wenn man sich ganz auf den Film einlassen will. Die Kräfte der erstgenannten können sich im Grunde, wenn auch etwas science-fiction-mäßig, alle irgendwo erklären lassen, sie entstanden aus Experimenten oder technischen Errungenschaften. Können also auch Atheisten ihren Spaß mit haben. Thor ist ein Gott. Lebt mit vielen anderen Göttern in Asgard und reist über die Regenbogenbrücke (!) in andere Welten. Und als er zu überheblich wird und lernen soll, was Besonnenheit bedeutet, wird er zur Verbannung auf die Erde geschickt, ohne seine Kräfte, mit einem Hammer, der in der Erde feststeckt. Denn ähnlich wie bei Excalibur bekommt ihn nur derjenige, der seiner würdig ist. Gut, dass das nicht irgendein Bauerntrampel aus dem Kaff ist, in dem Thor landete, sollte klar sein. Im Grunde kann man sich hier schon denken, wie der Hase läuft und man kann nur hoffen, dass der Weg dahin ein interessanter ist.

Und, ja, im Grunde ist er das, als Vorbereitung auf das, was kommt. Denn als eigenständige Geschichte wirkt das alles etwas flach, zu nebenbei erzählt, irgendwie juckt es den Zuschauer nicht wirklich, was da in Asgard und Jotunheim geschieht, denn die kurze und knappe Einführung zu Beginn des Films war eben genau das: Kurz und knapp, Alibi-Action für die Einstimmung in den Film. Schließlich kann Laufey doch so oft den Krieg erklären, wie er will, ohne die Urne kommt er eh nicht weit, was der ganzen Sache doch so ziemlich die Dramatik nimmt, aber als Vorwand genommen wird, Thor zu verbannen. Und so fokussiert sich der Film dann auch auf den menschelnden Thor, der sich in Natalie Portman verliebt, weil sie grad da ist. Und auf SHIELD: Wäre diese Nebenhandlung um Agent Coulson nicht, der Film wäre noch egaler, was auch wohl der Grund ist, weshalb dieser Organisation so ein großer Raum geschaffen wird, im Vergleich zu den anderen Heldenfilmen. Denn das scheint Marvel bewusst gewesen zu sein: Thor ist auch für die meisten Zuschauer nur eine Vorgeschichte. Der Kreis der Fans des Comics dürfte zu klein sein, um so einen Big-Budget-Film zu rechtfertigen, man musste auf Nummer sicher gehen.


Bettina Zimmermann als Xena

A propos Natalie Portman: Darstellerisch fühlt sich in dem Film scheinbar niemand zu höherem berufen. Bei der Story in so einem Kostümfilm wäre das wohl auch zu viel verlangt, bis auf eine Ausnahme: Tom Hiddleston als Loki gefiel mir ausgesprochen gut. Sein Charakter ist nicht von Grund auf Böse sondern erstrebt nur die Anerkennung, die seinem Bruder zu Teil wird. Und das kann Hiddleston glaubhaft darstellen, man merkt ihm seine innere Zerrissenheit förmlich an.

„Thor“ ist also ein unterhaltsamer, selbstironischer Film, und das muss er auch, denn von der Story her gibt es nicht viel zu holen und somit dient er auch voll und ganz als Charaktereinführung für die Avengers. Wäre dem nicht so, bliebe nicht viel übrig.

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15 Kommentare

  1. Dos Corazones · April 13, 2012

    Och ja, Thor war schon unterhaltsam. Es ist einfach witzig wie sich Amerikaner altnordische Mythen zurechtreimen und daraus Helden machen. Aber gerade von Natalie Portman war ich enttäuscht, da sie kurz zuvor eine wahnsinnige Darbietung als weißer und schwarzer Schwan abgegeben hatte – sei’s drum…

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    • Xander · April 13, 2012

      Natalie hat mich auch etwas enttäuscht, vermutlich war das einfach nur so ein Spaß-Projekt wo sie jetzt nicht die Leistung des Jahrzehnts ablegen wollte. Obwohl ablegen gar nicht sooo schlecht gewesen wäre.
      Bzgl. den Mythen: Ich seh das nicht so genau, es ist ein Film der auf Comics basiert die sich ein paar Teile aus einer Mythologie genommen haben.

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  2. Florian Lieb (@Flo_Lieb) · April 13, 2012

    Zwar hab ich von der Figur auch keine Ahnung, aber mir kam es so vor, als wolle man Thor nicht als Gott verkaufen, sondern einfach als „Alien“ wie Superman eines ist. Also eine superstarke und technologisch entwickelte Kultur mit Hang zu Riefenstahl-Optik – in etwa.
    Ich selbst fand ja die Szenen in Asgard ganz vergnüglich, während mir die Handlung im Am-Arsch-der-Welt-Kaff inkl. SHIELD relativ am Allerwertesten vorbei ging.

    Gefiel mir aber immer noch besser als „Iron Man“ 😀

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    • Xander · April 13, 2012

      Interessant, wie wir gegensätzliche Schwerpunkte legen 😉
      Allerdings gefällt mir – wie du dich ja mit Sicherheit erinnern kannst – „Iron Man“ weitaus besser als das hier.

      Und wer „Arsch“ sagt, kommt in die Moderation. So einfach ist das…

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  3. bullion · April 13, 2012

    Ich habe „Avangers“-technisch noch alles nachzuholen und ehrlich gesagt reizt mich daran auch nur Joss Whedon. Hmm, mal sehen, ob dieser Hype nicht komplett an mir vorüberzieht…

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    • Xander · April 14, 2012

      Joss Whedon ist auch der Grund, warum der Film super werden könnte, trotz des Haufens kostümierter Knallchargen 😉

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  4. maloney · April 13, 2012

    Bettina zimmermann XD

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