Kritik: DEFENDOR [2009]

„Do you remember when you saved Jack’s life? I’ll never forget what you did that day. You were just a regular guy doing something remarkable. You don’t need a costume. Ordinary people, they do extraordinary things all the time. You’re always going to be that hero, Arthur, just by being yourself.“

Früher, da hatten die Superhelden in Filmen noch richtige Superkräfte. Sie konnten fliegen, hatten Spinnenkräfte, besonders schnell laufen oder wurden zumindest genetisch aufgefrischt. Und dann ging alles den Bach runter, die Filmemachern ließen die notwendige Ernsthaftigkeit, die dieses Thema benötigt missen und schickten Helden ins Rennen, die gar keine sind. „Kick Ass“, „Watchmen“ oder „Super“: Superhelden ohne Superkräfte, teilweise angelegt als Komödie: Unfassbar! Und mit „Defendor“ wird der nächste Held ins Rennen geschickt, doch im Unterschied zu den erstgenannten ist er ein tragischer Held. Aus großer Kraft erwächst große Verantwortung? „Defendor“ stellt sich die Frage, ob man nicht auch Verantwortung trägt, wenn man keine große Macht hat. Ist Gewalt ok, wenn dadurch andere gerettet werden?


Schon früh musste Arthur den Verlust seiner Mutter wegstecken, die ihn als Kind verließ. Seinen Vater hat er nie kennengelernt. Als jemand, der diesen Verlust nie ganz weggesteckt hat, lebt er alleine und hat nur einen kleinen Hilfsjob auf der Baustelle, da er auch „leicht zurückgeblieben“ ist. Dies macht sich auch dadurch bemerkbar, dass er sich des nachts als Superheld „Defendor“ verkleidet, um gegen das Böse, bzw. seinen Erzfeind „Cpt. Industry“, zu kämpfen – mit zweifelhaftem Erfolg.

Man muss allen, die sich den Film anschauen wollen, erst mal auf den Weg geben, dass „Defendor“ kein Actionfilm ist. Es ist auch keine Komödie, wenn, dann eher eine Tragikomödie, eher noch ein Drama, eine Charakterstudie Arthurs. Dies muss man wissen, will man nicht enttäuscht werden, wird der Film doch als etwas vermarktet, dass er nicht ist. Ein Vergleich mit „Kick Ass“ macht hier keinerlei Sinn, denn von der ähnlichen Ausgangsidee abgesehen haben die Filme nichts gemein. In diesem Sinne: Der Trailer lügt.


„I’m gonna capture Captain Industry!“

Das der Film mit einer lustigen Szene beginnt (Defendor kämpft mit Murmeln und Wespen im Glas), darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass Arthur eigentlich ein tragischer Held ist. Vielmehr verfehlt der Film besonders dadurch nicht seine Wirkung, denn wenn man auch anfangs noch über ihn lacht, bekommt man im Laufe des Films schon fast Mitleid mit ihm, der ja nur versucht, seinem Leben zu entfliehen, einen Sinn zu geben. Die Tragweite seines Handelns wird einem mehr und mehr bewusst: Arthur weiß, dass er eigentlich nicht der Hellste ist und versucht das Beste daraus zu machen. Ehrlichkeit ist für ihn eine Selbstverständlichkeit, und wenn man bemängeln will, dass die Anti-Drogen-Message des Films zu plump ist – so ist Arthur halt. Drogen sind schlecht, so einfach ist das, und so spricht er es auch aus. Er sieht kein Unrecht in seinem Tun, es ist ein innerer Zwang. Wenn der Richter ihn fragt, was er nach seiner Freilassung tun würde, ist er ehrlich – denn schließlich ist Captain Industry noch nicht gefasst.

Es ist Woody Harrelson zu verdanken, dass der Film dabei nie ins Lächerliche abdriftet. Er spielt seinen Defendor mit viel Verständnis für die Rolle und wird dabei auch von den Nebendarstellern überzeugend unterstützt. Die Prostituierte Kat (Kat Dennings) steht ihm zwar zur Seite, wird aber Gott sei dank nicht zum Love Interest abgestempelt, denn so etwas kennt Arthur eh nicht. Auch wenn sie ihn anfangs nur ausnutzt: „She’s not a hooker! She’s a friend!“.

Bleibt immer noch die Frage: Trägt man auch ohne große Macht Verantwortung? Ist Gewalt jetzt ok, wenn man andere dadurch rettet? Zumindest Arthurs Psychiaterin weicht der Frage aus, genau so wie letztendlich der Film. Es ist eine Frage, die sich der Zuschauer selber beantworten muss. Für Arthur mag die Sache klar sein – aber so einfach ist es nun mal nicht immer. Oder?

18 Kommentare

  1. maloney · März 9, 2012

    Irgendwie hab ich nach Super überhaupt keine Lust mehr auf Selmade Supeherofilme :S

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    • Xander · März 9, 2012

      Geb dirn Ruck. „Defendor“ ist anders!

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  2. bullion · März 9, 2012

    In der Kategorie habe ich noch „Super“ auf meiner Liste. Mal sehen, wann ich dazu komme…

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    • Xander · März 9, 2012

      „Super“ muss ich aber auch noch sehen. Bin sehr gespannt.

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  3. Flo Lieb · März 10, 2012

    Oha, erstaunlich hohe Bewertung für DEFENDOR, den ich nur als Durchschnitt empfand. Aber dennoch im Triumvirat mit KICK-ASS und SUPER eindeutig der Sieger.

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    • Xander · März 10, 2012

      Für mich hat er einfach nur gut funktioniert und ich fand Harrelson doch sehr überzeugend.

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  4. Bendrix · März 10, 2012

    Nach dem ich gemerkt hatte das es sich eigentlich nicht um eine Komödie handelt fand ich den Film ziemlich gut.

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    • Xander · März 10, 2012

      Ja, irgendwie wird der falsch vermarktet.

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  5. Dos Corazones · März 10, 2012

    Interessiert mich dank deiner Review mal wieder. Mir haben Super und Kick-Ass gleichermaßen gefallen. Warum sollte es mit einem tragischeren Defendor nicht ähnlich verlaufen?

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  6. samploo · März 11, 2012

    Argh, jetzt wieder gemerkt, dass ich den immer noch vor mir herschiebe! Feines Review, was mich in die Enge treibt den endlich zu schauen! Ich versuchs kommende Woche noch.

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  7. Dominik · März 13, 2012

    Klingt gut. Wandert auf DIE Liste🙂

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    • Xander · März 13, 2012

      Oha. Auf DIE Liste??

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    • Dominik · März 13, 2012

      Ja, DIE Liste. Schwellt die Brust ein bisschen stolz an?

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    • Xander · März 14, 2012

      Ich müsste lügen würde ich das verneinen. Da muss ich mir jetzt überlegen, wie ich mit sowas am besten umgehe…

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    • Dominik · März 14, 2012

      Das schaffst du nicht. Ging bisher jeder zu Grunde. Am besten direkt vergessen.

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    • Xander · März 14, 2012

      Das sagst du so einfach. Stellst mich hier vor vollendete Tatsachen uns meinst ganz lapidar da muss ich mit leben.
      Ich fürchte ich werde an der Last zerbrechen.

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