Kritik: SKYLINE [2010]

Wer kennt das nicht: Man schaut einen richtig schlechten Film und denkt sich: Gebt mir das Geld und ich mach was Besseres draus. Dachten sich wohl auch die Brüder Strause, die sich zwar im Sektor der Special Effects einen Namen gemacht haben (u.a. „Avatar“ & „2012“), denen das aber scheinbar alles nicht genug war. Nach „Alien Vs. Predator 2“, den ich nicht kenne, ist „Skyline“ ihr zweiter Spielfilm und ihr erster, den sie eigenständig produziert haben. Was immer in diesem Film passiert, die beiden haben es selber zu verantworten, kein Studio, welches ihnen eventuell Auflagen diktiert hat. Das lässt ja hoffen: Ein Film kann ja noch so gut sein, die Story noch so ausgefeilt, wenn Special Effects eine tragende Rolle spielen und diese dann so schlecht sind, dass einem die ganze Illusion geraubt wird, kann das einen ganzen Film zerstören. Wenn man also einen Film von zwei ausgewiesenen Special-Effects-Experten präsentiert bekommt, ist das ja schon die halbe Miete. Also, sollte man meinen.


Die Handlung des Films lässt sich kurz und knapp zusammenfassen: Überall auf der Erde tauchen riesige Alien-Raumschiffe auf, zerstören die Städte und entführen Menschen. Eine Handvoll Menschen, mit denen man gefälligst mitfühlen soll, kämpft ums Überleben. That’s it. Kommt Euch bekannt vor? Jo, kennt man so (oder so ähnlich) schon: „Kampf der Welten“, „Independence Day“, „Krieg der Welten“, „Battle: L.A.“. Um nur einige zu nennen. Gibt bestimmt noch mehr. Und zum Großteil sind diese Filme ja auch gut oder zumindest unterhaltsam, sieht man einmal von letztgenanntem ab. Beispiel „Independence Day„: Ohne Vorwarnung tauchen riesige Raumschiffe über den Städten auf, um eine Invasion zu beginnen. „Krieg der Welten„: Ohne Vorwarnung landen die Aliens, Meteoritenschauern gleich, auf der Erde und entführen die Menschen, um sich von ihnen zu ernähren. „Battle: L.A.„: Ohne Vorwarnung tauchen riesige Raumschiffe – ach, kann man sich ja denken. Und da wäre ja auch noch „Cloverfield„: Kein Invasionsfilm in dem Sinne, sondern Monsterfilm. Hier: Das Monster ist fast Nebensache, die Kamera bleibt bei den Protagonisten – die ums Überleben kämpfen. Jetzt nehmt all die genannten Beispiele zusammen, zieht alles ab, was ansatzweise nach einer Story aussieht, und fertig ist „Skyline“.

Es ist wirklich eine Frechheit, was einem hier geboten wird und man fragt sich, wie es dieser Film tatsächlich ins Kino geschafft hat, anstatt sofort auf DVD in der Grabbelkiste zu landen. Eine Darstellerriege, welche aus diversen Serien-Nebenrollen zusammengecastet wurde und eine Geschichte, die sich auf „Runter ins Parkhaus, wieder hoch ins Penthouse“ beschränkt. [SPOILER] Wer neu zu der Gruppe hinzustößt, stirbt. Wer raucht, stirbt. Wer fremdgeht, stirbt. Kennt man ja. Wahre Liebe übersteht auch eine Gehirntransplantation. Ein Tag muss nicht zwingend 24 Stunden haben, sondern geht schon nach gefühlten zwei Stunden wieder zuneige. Auch wenn es draußen dunkel ist, kann es im Zimmer taghell sein (ohne Lampen). Wer eben noch kotzend vor der Kloschüssel kniet, kann in der (mehr oder weniger) nächsten Szene sofort wieder im Bett liegen. Und kotzen muss man auch nur am Anfang, um den Zuschauer über die Schwangerschaft zu informieren. Danach würde sowas ja nur von der „Story“ ablenken. Und das Ende im Alienraumschiff ist sowieso das Allerletzte. [/SPOILER]

Schon erstaunlich, wie sehr dem Film seine Charaktere und die „Handlung“, die Atmosphäre und überhaupt alles (von den Effekten einmal abgesehen) egal sind. Voller Stolz hat man verkündet, dass der Dreh nur ein paar hundert tausend Dollar, die Effekte aber 10 Millionen kosteten – blöd nur, dass man das auch merkt. Blöd auch, dass Effekte keinen ganzen Film tragen können (siehe auch die „Transformers“-Reihe). Es geht hier nicht mal um den Versuch, irgendeinen geliebten Menschen zu retten, um so zumindest einen Hauch von Spannung zu erzeugen, es gibt kein wirkliches Ziel, auf das die Menschen oder gar die Aliens hinauswollen – und wenn, dann erfährt es der Zuschauer nicht. Ungelogen: Wir sehen einfach nur dabei zu, wie sich die paar Leutchen in dem Hochhaus zum Obst der Woche machen und sich mit jedem gesprochenen Satz selber, frei nach Darwin, fürs Leben disqualifizieren.

Viel Lärm um nichts also, und so taugt der Film vielleicht eher als Arbeitsprobe einer Special-Effects-Firma anstatt als Kinofilm – denn die Effekte können sich sehenlassen. Nach „Battle: L.A.“ also die nächste Science-Fiction-Enttäuschung der letzten Zeit und ich wage zu behaupten: „Skyline“ ist sogar noch minimal schlechter. The Asylum wäre stolz gewesen, so einen Film gemacht zu haben, aber die haben (und bei denen hat der Zuschauer) ja auch ganz andere Ansprüche. Nach dem ähnlich gelagerten anderen Flop hatte ich wirklich Hoffnungen in diesen Film gesetzt, die Trailer haben diese Hoffnung unterstützt, der Film ist eine absolute Katastrophe. Wollten die Brothers Strause kein Studio dahinter oder wollte kein Studio diesen Schund finanzieren? Ich tippe auf Letzteres.

7 Kommentare

  1. Rob · Februar 7, 2012

    Das war ja mal unterhaltsam zu lesen, vielen Dank dafür😉 Sicherlich zehnmal unterhaltsamer, als sich diesen filmischen Geniestreich anzutun. Was für ein Schrott, unfassbar.

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  2. bullion · Februar 7, 2012

    Ihr „Aliens vs. Predator 2“ ist mindestens genauso grützig. Brr.

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    • Xander · Februar 8, 2012

      Dann habe ich ja nichts verpasst. Aber der erste Teil war doch relativ in Ordnung, wenn ich mich da recht erinnere oder? Wenn auch nicht von den beiden, nur so allgemein.

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    • bullion · Februar 8, 2012

      Yep, Teil 1 war noch ganz okay (habe damals 6 Punkte vergeben im Vergleich zu 2 Punkte für den 2. Teil).

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    • Bendrix · Februar 11, 2012

      Ich fand beide AvP ziemlich mies, wenn auch jeweils auf eine andere Art und Weise. Teil 2 ist aber genau genommen schon die größere Frechheit.

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  3. donpozuelo · Februar 8, 2012

    2 von 10 – ja, so ähnlich hatte ich mir das auch gedacht und einen großen Bogen um diesen Film gemacht.

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