Kurzkritik: PERSEPOLIS [2007]

Das Leben im Iran war und ist nicht immer einfach. Das wissen die Menschen die dort leben bzw. gelebt haben wohl am besten. Marjane Satrapi kommt aus dem Iran, lebt jetzt in Frankreich und hat ihre Erlebnisse aus der Heimat in einem mehrbändigen Comic festgehalten. In tristem – dafür aber kontrastreichen – S/W-Zeichnungen erfährt der Leser – oder in diesem Fall der Zuschauer – wie es war, damals, von der Regentschaft des Schah, über die Islamische Revolution bis in die 90er Jahre, in denen Satrapi nach Frankreich auswanderte.

Der Film beginnt mit der Kindheit Satrapis, in welcher der Schah noch an der Macht ist. Die Menschen im Iran sind unzufrieden mit den Verhältnissen in ihrem Land und im Zuge der Revolution verlässt der Schah den Iran. Aufbruchstimmung macht sich breit, die jedoch bald wieder verfliegt: Die neuen Machthaber setzen ihre religiösen Vorstellungen über die Gesellschaft sehr bald in die Tat um, welche das Leben im Iran stark einschränken und insbesondere die Rolle der Frau beeinflussen.


Um es kurz zu sagen: Von den früheren und aktuellen Verhältnissen im Iran habe ich keine Ahnung. Die Thematik des Films war somit absolutes Neuland für mich und ich habe keine Ahnung, inwiefern sämtliche Schilderungen Satrapis hundertprozentig geschichtlich korrekt sind. Da es sich um eine Biographie handelt, um Eindrücke, die sie teilweise noch in ihrer Kindheit gesammelt hat, ist der Film natürlich auch stark von subjektiven Eindrücken und Empfindungen geprägt, die natürlich auch Einfluss auf die Darstellung des Lebens im Iran Einfluss haben. Doch so sehr diese Darstellung auch verzerrt sein mag: Wenn sie es so empfand oder erlebte, dann war es auch so, und durch ein oberflächliches Einarbeiten in das Thema im Internet (auch wenn dieses Thema mehr vedient hätte als ein „oberflächliches Einarbeiten“) kann man das ein oder andere doch durchaus nachvollziehen.

Die technische Umsetzung des Films erscheint zu Beginn doch recht ungewöhnlich – sind die Zeichnungen doch relativ simpel gehalten und wirken dadurch etwas befremdlich, doch es dauert nicht lange und die Thematik des Films wiegt schwerer als die skizzenhaften Zeichnungen, bzw. unterstützt die Animationstechnik das Gesehene. Zumal der S/W-Kontrast auch sehr gut zur erzählten Geschichte passt. Diese wird zwar chronologisch (wenn auch als Rückblende) erzählt, wirkt dennoch teilweise etwas sprunghaft, da immer mal wieder einige Jahre übersprungen werden, um auch den Iran im Laufe der Zeit zu zeigen. Man langweilt sich zwar zu keiner Sekunde, und die Geschichte ist auch teilweise humorvoll erzählt, doch erst Recht wenn man sich mit der Materie nicht so gut auskennt schneidet der Film zuviel an, ohne dabei zu erklären. Positiv kann man daran sehen, dass sich der Zuschauer vielleicht im Nachhinein beginnt, dafür zu interessieren.

Sehr oft wird dem Zuschauer deutlich gemacht, was die Einschränkungen unter den Mullahs für die dort lebenden Frauen bedeuteten, zum Beispiel wenn Satrapi während ihres Studiums den praktischen Sinn des Verschleierns hinterfragt. Es geht um das, was man ist, die eigene Identität, darum, dass man jederzeit die Wahl hat. Und so ist zwar der Austragungsort der Geschichte der Iran, doch eigentlich ist dies eine universelle Geschichte, aus der man lernen kann.

(Hier der ganze Film bei YouTube)

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