Serienkritik: SHERLOCK – Season 1 [2010]

Was wir in Deutschland unter „öffentlich rechtlichem“ Programm verstehen, unterscheidet sich massiv von dem Fernsehprogramm von der Insel, als Beispiele seien hier mal „Dr. Who“ oder „Life On Mars“ genannt. Immerhin hat es „Sherlock“ bis in die ARD geschafft, denn wenn dort außer „Verbotene Liebe“ oder dem „Herbstfest der Volksmusik“ sonst schon keine sehenswerten Eigenproduktionen laufen, dann kauft man das eben von den Kollegen. Was dann aber auch wieder egal ist, weil ich mir die Zeit für solche Serien, wenn auch wie in diesem Fall „Miniserien“, lieber selber einteile. Wenn man bei einem Dreiteiler aus welchen Gründen auch immer mal eine Folge verpasst, dann hat man irgendwie schon 33% verpasst, was sich nicht nur viel anhört, sondern es auch ist. Aber ich schweife ab.

Wie dem auch sei, „Sherlock“ wurde gesehen, und kurz gesagt: Für gut befunden. Die Fälle orientieren sich grob an den Originalfällen, geschrieben von Sir Arthur Conan Doyle, versetzt in die Neuzeit. Sherlock Holmes arbeitet als Berater für die Polizei, nach eigenen Angaben ist er der einzige seiner Sorte weltweit. Immer wenn diese nicht weiter weiß, rufen sie ihn. Je schwieriger die Fälle, desto besser. Holmes, mit einem ausgezeichnetem Verstand gesegnet, prädestiniert für Gastauftritte in „The Big Bang Theory“, gibt sich dabei nicht mit „normalen“ Fällen ab, da ihn diese langweilen. Aufgrund dessen hält er auch nicht viel von Freundschaften oder Beziehungen, da auch diese in seinen Augen langweilig sind, da alle anderen Menschen (seiner Meinung nach) zu kleine Gehirne haben.

Dr. Watson, als Kriegsveteran mit Alpträumen von der Schlacht in die Serie eingeführt, verkommt zwar schon im Laufe der ersten Folge zum Sidekick, dem man gegen Ende den Kriegseinsatz nur bedingt abkauft, das tut der Serie aber keinen Abbruch, im Gegenteil: Vielleicht braucht man diese Art „normaler Mensch“ neben Sherlock, sowie es einen Dr. Wilson neben House braucht. Sowohl für den Zuschauer, als auch für die Hauptperson selber.

Doch auch wenn der Vergleich ein wenig hinkt, da „House“ vom originalen Sherlock Holmes zitiert, aber „Sherlock“ ist genau die Mischung aus“Dr. House“, „Monk“ und „Dr. Who“, die es noch gebraucht hat. Witz, Tempo und eine unglaubliche Kombinationsgabe machen die Serie zu einem kurzweiligen Vergnügen. Nach Sichtung der ersten Staffel wird man das Gefühl nicht los, das niemand anders als Moffat geeigneter war, den Stoff auf diese Weise auf den Bildschirm zu bringen, war er doch auch für viele der gelungeneren „Dr. Who“-Episoden verantwortlich, und das merkt man. Dieser Sherlock Holmes würde sich auch gut in der Tardis machen.

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9 Kommentare

  1. Dr. Borstel · Oktober 26, 2011

    Wo du schon diesen Vergleich heranziehst: Cumberbatchs Spiel hat mich tatsächlich stellenweise an Tennants Doctor erinnert (nur halt noch deutlich abgehobener), und ja, er würde in der Tardis wohl wirklich eine gute Figur abgeben.

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    • Xander · Oktober 26, 2011

      Auf jeden Fall hatte ich danach richtig Lust, ein paar Folgen „Dr. Who“ zu gucken, und das soll als Beweis genügen 😉

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  2. Dos Corazones · Oktober 27, 2011

    Ich kenne Doctor Who jetzt nicht, aber die Miniserie hat mir einmal mehr vor Augen geführt, was im deutschen Fernsehen an Eigenproduktionen einfach noch fehlt – was wirklich schade ist…

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  3. bullion · Oktober 27, 2011

    Ich war dann doch etwas begeisterter. In „Dr. Who“ sollte ich nun auch endlich einmal reinschauen. Kenne nur die alten TV-Ausstrahlungen. Leider sind die DVDs der neuen Staffeln noch recht teuer. Wenn jemand eine Empfehlung hat: Immer her damit!

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    • Xander · Oktober 30, 2011

      Empfehlung: Die Boxen aus England direkt über amazon.co.uk.

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    • Xander · Oktober 30, 2011

      Ach, und wegen der Begeisterung: Die zweite Folge ist schuld. Aber ansonsten: Super!

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