Kritik: THE BOOK OF ELI

Wer hat nicht schon einmal darüber nachgedacht, auf welche Weise sich die Menschheit demnächst zugrunde richten wird? Also, DAS es passiert, scheint außer Frage, über das WIE gibt es noch Uneinigkeit. Eine beliebte Variante und wie ich finde, gar nicht mal so abwegig, ist der Atomkrieg. Wenn dann jedoch wirklich alle tot wären, macht das ja keinen Spaß und regt nicht wirklich die Fantasie an. Die Frage ist doch: Was kommt danach? Wie würden die Überlebenden in der postapokalyptischen Welt, ja, überleben? „Waterworld“ zeigt die Welt überflutet, zwar nicht wegen eines Atomkrieges, aber das Ergebnis ist ähnlich: Trinkwasser ist ein knappes Gut, alleine schlägt man sich am besten durch und Frauen bringen in der Regel nur Unglück. Die Erlösung findet man immer nach einer langen Reise, nie da, wo man sich grade aufhält, aber immerhin: Am Ende wird dann alles gut, mal mehr, mal weniger.

Auch Eli hat diese Reise vor sich und vor allem vor, sie alleine zu beschreiten. Er muss ein Buch in den Westen bringen, ein Buch, dass für die Menschen scheinbar die Erlösung bringt, zumindest aber für Eli selber, denn er liest auch jeden Tag darin, was er gar nicht braucht, er kanns eh auswendig. Recht schnell lernen wir: Es ist die Bibel. Das Wort Gottes als Heilsbringer, aber nur, je nachdem in wessen Hände es fällt – denn auch Gary Oldmann will es haben, aber nur, damit ihm die Menschen folgen, da nur die Bibel dafür die richtigen Worte kennt.

„The Book Of Eli“ beginnt unheimlich atmosphärisch. Eli als einsamer Jäger im Wald, der im atomaren Ascheregen eine Katze erlegt, um was zu Essen zu bekommen. Die Farbfilter dürfen zeigen was sie können, allgemein ist das Setting durchaus beeindruckend, sowohl die Kamerafahrten als auch, oder vielleicht genau des wegen, die Actionszenen wissen durchaus zu gefallen. Denzel Washington als Einzelkämpfer wirkt im ersten Moment zwar ungewohnt, aber letztendlich passt die Rolle als dystopischer Blade sehr wohl zu ihm – auch wenn sein Charakter erst durch seinen Gegenspieler komplettiert wird, einem grandios spielenden Gary Oldman, durch den der düstere Pessimismus welcher den Film durchzieht ein wenig aufgelockert wird. Schon bei „Léon“ gab er den Bösen, der sich gegen einen Einzelkämpfer behaupten muss, und auch hier passt die Rolle einfach zu ihm. Wäre sein Part nicht, man würde schon viel früher bei diesem Film einschlafen. Denn so gut das alles technisch gelöst ist, so sehr sich Washington und Filmpartnerin Mila Kunis auch bemühen: Der Film ist zwischen den Actionsequenzen ruhig, zu ruhig. Das wäre eigentlich gar nicht schlimm, wenn sich ein Film die Zeit nimmt, um seine Story und die Charaktere zu entwickeln, aber hier entwickelt sich gar nichts, es werden lieber noch ein paar Landschaftsaufnahmen gezeigt, die zwar zu Beginn noch beeindrucken, am Ende den Film aber unnötig in die Länge ziehen. Denn den Leuten beim Reden zuhören sollte man tunlichst lassen, solange man kein christlicher Fundamentalist ist.

[SPOILER] Denn wie gesagt, es geht um die Bibel, und Eli will nicht nur das Buch überbringen, sondern auch die Botschaft. Und so wird nicht nur in einer Szene Jonny Cash zitiert, sondern auch fleißig die Bibel. Den Leuten wird das Beten beigebracht und überhaupt, Eli ist zu seiner Mission aufgebrochen, da ihn eine Stimme dazu aufgefordert hat. Das Eli letztendlich auch noch blind sein soll, setzt dem Ganzen noch die Krone auf: Nicht nur, das er bis zum Schluss so gut wie unverwundbar ist, scheinbar wurde er auch noch von Gott geleitet. [/SPOILER]

Es geht also sehr biblisch zu, und nicht nur aufgrund des Filmtitels kommt es einem vor als würde man ein Kapitel aus der Bibel mit einem bis dato unbekannten Propheten sehen. Für Leute, die mit Gottes Botschaft wenig anfangen können, wird der Film zu einer Qual, die Grundaussage ist zudem mit „Und bist du nicht gläubig, so brauch ich Gewalt“ sehr fragwürdig. Man stelle sich einfach mal vor, anstelle der Bibel würde es um den Koran gehen – unvorstellbar, das Geschrei wäre groß. Religionsunterricht mit großem Budget in einer Welt, in der passender Weise Dan Browns „Sakrileg“ verbrannt wird. Der coole, sonnenbebrillte Christ der Zukunft wäscht sich mit Erfrischungstüchern von Kentucky Fried Chicken, hört Musik über den iPod und metzelt sich mit seiner Machete den Weg frei, um die frohe Botschaft in die Welt zu tragen. Das lässt nicht wirklich für die Menschheit hoffen.

5 Kommentare

  1. bullion · September 6, 2011

    Ja, fand ich auch nicht viel besser. Schau dir mal „The Road“ an. Das ist ein perfekter Genrefilm.

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  2. Xander · September 7, 2011

    Ja, ich hörte davon. Vielleicht mal bei Gelegenheit…

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  3. Roberto Mißbach · Oktober 6, 2011

    Ich fande das ende vom Film etwas komisch und frage mich ob die kirche mit dem ganzen drum herum einverstanden ist. naja book of eli hat die quittung bekommen und verstaubt nun in den Filmregalen der Supermärkte..

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  4. Pingback: Kurzkritik: THE ROAD [2009] « at the movies 2
  5. Pingback: The Book of Eli (2010) | Film-Blogosphäre

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