Kurzkritik: CHATROOM [2010]

Das böse, böse Internet. Alles voll von Raubkopierern, Kinderschändern und Perversen. „Chatroom“, dessen Tagline (wohl aus marketingtechnischen Gründen) „Willkommen im Anti-Social Network“ lautet, nimmt sich dieser Prämisse an, ohne sie zu hinterfragen. Das muss man wissen, wenn man sich auf diesen Film einlassen will, denn viel Gutes bietet das filmische Netz nicht. Denn obwohl sich Jim, Emily, William, Mo und Eva einfach nur in einem Chatroom treffen, um zu reden, stellt sich schnell heraus, dass William ein falsches Spiel spielt, um damit die anderen zu manipulieren und Jim gar in den Selbstmord zu treiben. Denn er hat Gefallen daran gefunden anderen dabei zuzusehen wie sie tun, was er selber nicht geschafft hat.

Der Inhalt ist also schnell erzählt, aber als Umsetzung eines Theaterstücks geht es bei „Chatroom“ weniger um eine möglichst komplexe Handlung mit wechselnden Schauplätzen oder effektreicher Action, sondern mehr um die Beziehungen der fünf Freunde untereinander. Im Chatroom wird halt viel geredet, aber Gott sei Dank sieht man den Fünfen nicht 90 min dabei zu, wie sie vor ihrem Computer hocken. Das Internet ist wie ein Hotel mit langen Fluren, und jede Tür führt in einen anderen Chatroom. Diese werden von ihren Admins nach Belieben gestaltet und können auch mit Passwörtern gesichert werden – eine geniale und visuell gute Idee, HTML-Code filmisch umzusetzen. Wenn sich die fünf in Williams Chatroom treffen, sitzen sie auf fünf Stühlen in einem ansonsten leeren Raum, wohingegen Evas Raum trendy geschmückt ist, mit riesigen Plakaten an der Wand. Jeder Chatraum drückt auf diese Weise die Gefühle seines Besitzers aus. Jim beispielsweise hat erst gar keinen. Depressiv, weil als Kind vom Vater verlassen, lässt er niemanden an sich heran, weder im richtigen Leben, noch im Internet. Mehr durch Zufall scheint er in Williams Chatroom „Chelsea Teens!“ zu kommen und wird gleich von Williams Art eingenommen.

Die Grundidee sowie die technische Umsetzung, als auch die musikalische Untermalung, all das ist gut gelöst, und doch, mit fortschreitender Laufzeit enthält der Film immer mehr Längen. Wenn die Figuren vorgestellt sind, die Konstellationen klar sind und auch die Hintergründe der handelnden Personen, ab dem Zeitpunkt gibt es etwas Leerlauf. Es geht nur noch um Jim und William und die Dynamik ist ein wenig raus. Und wie schon zu Beginn gesagt: Entweder, die Macher haben wirklich Angst vor dem sogenannten Internet mit all den bösen Menschen die es füllen, oder es ist Absicht, es so darzustellen – doch „Anti-Social Network“ macht hier wirklich Sinn. Wenn man Chats zum Social Network dazuzählen will: sozial ist hier niemand. Man kann es also nur so sehen, dass die positiven Aspekte bewusst ausgeblendet werden, um die Intention deutlicher werden zu lassen. Im Endeffekt allerdings doch zu oberflächlich und dabei noch nicht mal konsequent.

„Chatroom“ ist seit dem 24.06.2011 auf DVD und Blu Ray erhältlich.

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