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Double-Feature: STARTUP (AntiTrust) [2001]; THE SOCIAL NETWORK [2010]

Wer kennt sie nicht, die Geschichten, die man sich am Lagerfeuer erzählt über Startup-Unternehmen, die in kleinen Garagen von Nerds gegründet wurden und die dann millionenschwere Konzerne wurden. Eine Idee, die die Welt revolutionierte – von Studenten, die ihre Freizeit sonst nicht anders verbrachten als an Computern zu schrauben und Codes zu schreiben.
Die gleiche Grundidee, aber zwei Filme, die fast unterschiedlicher nicht sein können. Vereinfacht lässt sich festhalten: Auf der einen Seite haben wie den Studenten, der sich in einer knallharten und brutalen Geschäftswelt prostituiert, auf der anderen Seite den idealistischen Programmierer, der vor allem anderen die Sorge hat, seine Idee wäre nicht mehr cool.

STARTUP
(Conspiracy.com / AntiTrust)

Milo (im Mark Zuckerberg Gedächtnislook) und seine Kumpels arbeiten in einer Garage an einem revolutionären Open-Source Programm, mit dem weltweite Datenkommunikation für jeden ermöglicht würde. Gary, Chef des Software-Konzerns „Nurv“, arbeitet an einem ähnlichen Projekt – kommerziell natürlich. Um den angestrebten Termin einhalten zu können, wirbt er Milo an. Dieser nimmt das Angebot an – merkt aber schnell, das etwas faul ist im Hause Nurv. Denn wie der deutsche Untertitel schon sagt: „Traue nur dir selbst“, hier ist niemand was er scheint, und Gary ja schon mal gar nicht. In Wirklichkeit ist er nämlich Bill Gates.

Oberflächlich betrachtet ist „Startup“ ein solider Teenie-Thriller der zeigt, was wir alle schon insgeheim wussten: Microsoft Nurv klaut seine Codes von Programmieren zusammen und stellt unfertige Produkte auf den Markt und nicht nur das – sie töten die Programmierer sogar! Denn wie sagte Gary noch: „Jeder Student in seiner Garage könnte ein besseres Produkt entwickeln und uns vom Markt drängen“. Theoretisch, ja. Praktisch lässt er es dann aber lieber nicht soweit kommen. Wie gesagt, oberflächlich. Denn durch all die Themen, die der Film von sich aus anspricht – man braucht Profit, um zu expandieren, man kann mit dem Geld ja auch Gutes tun, Open Source wird ja doch nur von anderen geklaut, die dann damit Geld verdienen – durch all das widerspricht er seiner Grundidee – Open Source ist das einzig wahre – permanent selber. Denn wenn Nurv für sein Kommunikationsnetzwerk 12 Satelliten ins All schießen musste, wie wollten Milo & Co. ein ähnliches Programm (frei) auf den Markt bringen, ganz ohne Satellit? Es scheint also, als ob man doch ein wenig Geld braucht, um seine Ideen zu verwirklichen – aber das wird lieber nicht hinterfragt. Was ein richtiger Nerd ist, der schafft sowas ganz ohne Satellitentechnik. Früher ging sowas auch mit zwei Dosen und einem Bindfaden.

THE SOCIAL NETWORK

Mit dem Klischee mit der Firmengründung in der Garage hat der Film nicht mehr viel am Hut, auch wenn es hier eine Studentenbude ist, in der alles seinen Anfang nimmt. Nicht, um Geld zu verdienen oder um ganz groß rauszukommen – es beginnt mit einer einfachen Rache an Zuckerbergs Exfreundin bzw. den Frauen allgemein. Denn es geht um Beziehungen. Freundschaftliche, die Zuckerberg in dem Film zwar zugeschrieben werden, die aber (für ihn) nicht wirklich relevant sind, sondern nur ein Mittel zum Zweck (=Finanzierung) sind, Liebesbeziehungen, die gleich zu Beginn des Film gekappt werden, oder die Art von Beziehungen, durch die man in angesagte Lokale kommt, die einem den Zugang in prestigeträchtige Vereinigungen ebnen, durch welche man noch prestigeträchtigere Verbindungen knüpfen kann. Wer kennt wen, und kennt man vielleicht auch die Freundesfreunde? Und wenn ja, was machen die grade?


Dabei konzentriert sich Fincher mehr auf die Figuren an sich als auf das Thema „Facebook“. Ständig wird erwähnt, wie erfolgreich die Seite doch ist und das man expandiert, aber einmal angenommen, man würde Facebook gar nicht kennen und noch nie davon gehört haben – der Film könnte genausogut mit irgendeinem Blog funktionieren, denn näher darauf eingegangen wird eh nicht. Für diejenigen, die sich auch nur etwas näher damit auskennen, werden ein zwei Brotkrumen ausgestreut, doch Themen wie die Idee, den Beziehungsstatus zu implementieren wirken aufgesetzt und konstruiert, damit der Zuschauer weiß, aha, Beziehungsstatus, kenn ich, so war das also. Stimmt, es geht ja um Facebook. Aber irgendwie auch nicht. Es geht um Zuckerberg, zumindest um den Film-Zuckerberg, wie es zu den Gerichtsverhandlungen kam, die den Rahmen der Geschichte bilden. Denn der Ausgang der Geschichte ist ja klar, der Film versteht sich nur als Momentaufnahme.

Und genau da ist der Knackpunkt: Dafür, dass der Filmtitel auf dem Blu Ray Cover in 20pt-Schrift in der Ecke fast untergeht und der Großteil für überschwengliche Lobeshymnen verwendet wird („Ein amerikanischer Meilenstein“, „Gigantisch und berauschend“, „Jahrzehntefilm“ etc.), ist das Ergebnis, deutlich ausgedrückt, doch relativ banal. Sicherlich, handwerklich sehr gut gemacht (hätte wer was anderes erwartet?), aber der Film lässt einen zunächst etwas euphorischer zurück, als er es vielleicht verdient.

Zwei Filme, ähnliche Ausgangssituation, völlig verschiedene Wege zum Ziel. Während es bei „The Social Network“ ja eigentlich kein richtiges Ziel gibt, auf das der Film zusteuert, so ist es bei „Startup“ klar: Nieder mit den geldgeilen Konzernen. „Startup“ richtet sich mit seiner vordergründigen Microsoft-Kritik an die jüngere Nerd-Generation, die einen kurzweiligen Thriller sehen will und geht dabei mehr auf die Technik und gesellschaftliche Probleme ein als „The Social Network“, der sich an ältere Nerds wendet, welche nicht mehr nur technische Begriffe hören wollen, sondern auch eine richtige Geschichte, die dahinter steckt. Beide verpassen es jedoch, dem ganzen etwas mehr Tiefgang oder gar Relevanz zu verpassen.

6 Kommentare

  1. bullion · Juni 16, 2011

    „Startup“ würde ich ähnlich einschätzen, „The Social Network“ dann doch um einiges besser. Für mich einer der besten Filme des letzten Jahres.

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  2. donpozuelo · Juni 17, 2011

    „Startup“ kenne ich nur vom Hören-Sagen. Zu „Social Network“ gehe ich mit bullion konform: Der war wirklich große, große Klasse.

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    • Xander · Juni 17, 2011

      Also gut war er, keine Frage, aber irgendwie ist da wohl was an mir vorbei gegangen, denn Superlative würde ich für den Film nicht unbedingt gebrauchen…

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  3. Dr. Borstel · Juni 17, 2011

    Ich habe TSN ähnlich empfunden wie meine Vorredner; war ganz großes Kino. Zweitsichtung steht allerdings noch aus, bin gespannt.

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