In Kürze: TRUE GRIT – DER MARSHAL [1969] + Vergleich

Zu diesem Zeitpunkt, kurz nach der Kinosichtung der Neuverfilmung, fällt es mir etwas schwer zwischen einer reinen, wenn auch kurzen, „Filmkritik“ und einem direkten Vergleich zu trennen. Irgendwo geht das schon ineinander über, trotz dessen habe ich es mal versucht.

True Grit (Der Marshal) [1969]

Bevor der Dude einen auf Duke machte, gab es den Duke. Ein saufender Marshal mit Augenklappe, der einem kleinen Mädchen (gespielt von einer 20-Jährigen) zur Rache an dem Mörder ihres Vaters verhelfen soll. Im Gegensatz zu den Italowestern eines Sergio Leone fällt einem direkt die Ausstattung auf, die einen ein wenig an Heimatfilm mit Klamotten aus dem Kostümverleih erinnert – bunt, glattgebügelt, porentief rein. Dreckiger Look ist was anderes. Doch das war halt früher so. Zusammen mit dem orchestralen Bombastsoundtrack eben ein typischer Klischee-Western der damaligen Zeit, bevor der wilde Westen auch filmisch demontiert und seiner Lagerfeuer-Romantik beraubt wurde.
Wofür genau John Wayne hier den Oscar bekommen hat, erschließt sich mir nicht genau, für mich wirkte seine Leistung dann doch etwas zu routiniert und abgespult. Die damalige Mattie hatte natürlich das Problem, von jemandem verkörpert zu werden, der wesentlich älter als die Rolle ist, aber dafür ist diese Rolle menschlicher angelegt als im Remake, und damit in meinen Augen besser. Hier darf sie schließlich auch mal weinen, nur um kurze Zeit später zu behaupten, dass es ja lange her sei, dass sie das letzte Mal geweint hat. Ihr nimmt man die trauernde Tochter ab, die trotz allem versucht, Herr der Lage zu sein und den Mörder zur Strecke zu bringen.
„Gut“ ist auch diese Variante des Stoffes. Beide erzählen, zum Teil sogar mit fast identischen Bildern, die gleiche Geschichte, und doch könnten sie unterschiedlicher nicht sein. Der Marshal will ernst genommen werden, wenn auch teilweise mit einem Augenzwinkern, und abgesehen von den angesprochenen Punkten klappt das auch ganz gut.


Fazit

Gut, dass ich die Coen-Variante zuerst gesehen habe, denn auf diese Weise war die Geschichte für mich noch neu. Was im Umkehrschluss natürlich bedeutet: Wer den Marshal kennt, der hat alles gesehen. Natürlich, beide Filme beziehen sich auf die gleiche Romanvorlage, und so sind Ähnlichkeiten nicht auszuschließen. Und doch, es ist nicht viel, was die Coens dem Stoff hinzugewinnen können. Hier und da liest man ja, diese neue Verfilmung würde sich dichter an die Romanvorlage halten, und auf diese Weise hat es dann auch der in meinen Augen unnötige Epilog in den Film geschafft, den es damals im Film so nicht gab. Doch im Grunde haben die Coens dem damaligen Film nur eine neue Ebene eingefügt, welche dem Ganzen den für sie typischen Humor mit einbringt. Man könnte sogar so weit gehen und das Original nur neu vertonen, so sehr ähneln sich die Szenen, sei es zu Beginn, wenn die drei den Fluss überqueren (teils per Fähre, teils auf dem Pony), sei es der Tierstimmen imitierende Gangster oder gar die Höhle mit den Klapperschlangen, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Sogar die Szene im Gericht wurde fast wortwörtlich übernommen. Wenn sich so eine Frage nicht sowieso zwangsläufig stellt, dann spätestens jetzt: Wozu ein Remake? Sicher, mit True Grit liefern die Coens ihre Variante der Geschichte ab, welche sich insgesamt humorvoller und skurriler präsentiert. Doch augenscheinlich hält sich hier die Eigenleistung in Grenzen, so dass mich im Nachhinein die zehn Oscar-Nominierungen schon sehr verwundern.




7 Kommentare

  1. maloney8032 · März 5, 2011

    Ich hab mir den Trailer von „Der Marshall2 in internet angeschaut undm usste sagen er gefiel mir überhaupt nicht sah mir eher aus wie eine Folge aus „Unsere kleine Farm“ entnommen, viel zu bunt und brav aber vielleicht liegts auch daran dass ich kurz zuvor „true grit“ gesehen habe. Dennoch zum vollen Urteil müsste ich mir schon noch das Orginal ansehen.

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    • Xander · März 6, 2011

      Naja, es ist im Grunde das Gleiche, nur ohne den Witz. Von daher weiß ich jetzt auch nicht, ob es empfehlenswert ist, das Original zeitlich so nah an die Sichtung des Remakes anzuhängen.

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  2. AAA · März 14, 2011

    Ich habe das Original zwar nicht gesehen, war vom Remake jedoch etwas enttäuscht, da er nicht die Tiefe der sonstigen Coen Filme erwartet, vielleicht hätte ich mir aber auch kein No Country for Old Men erwarten dürfen.

    Andererseits fand ich den Cast sehr gut, ins besondere Jeff Bridges und Matt Damon die praktisch sich selbst spielen ^^

    Danke jedoch für den Vergleich zum Original, muss ich also nicht wegen gravierender Unterschiede ansehen🙂

    Bis dann, AAA

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  3. leon der profi · März 27, 2011

    True Grit ist von der jeweiligen Sichtweise abhängig.
    Kenner des Originals werden das düstere Remake vielleicht als zu ernst empfinden, während jene, die das Remake zuerst sahen, das Origial zu bunt und humorvoll halten.

    Subjektiv gesehen, gefällt mir das Original besser, jedoch überzeugt auch das Remake. Das Remake besitzt den Vorteil, dass das Mädchen tatsächlich jung ist, während die Schauspielerin des Originals bereits ca 20 war.

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  4. Xander · März 28, 2011

    „True Grit ist von der jeweiligen Sichtweise abhängig.
    Kenner des Originals werden das düstere Remake vielleicht als zu ernst empfinden, während jene, die das Remake zuerst sahen, das Origial zu bunt und humorvoll halten.“

    Komisch, ich seh das mehr oder weniger genau anders herum, das Remake war in meinen Augen witziger.

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