Kurzkritik: DER OMEGA MANN [1971]

Bevor Will Smith zur Legende wurde, die einsam die durch Stadt streift und Zombies abknallt (I Am Legend), traf dieses Los bereits Charlton Heston (und auch dies in einem Remake). Mit der gleichen Romanvorlage gesegnet, entstanden jedoch zwei völlig unterschiedliche Filme, die sich mal mehr, mal weniger an der Vorlage orientieren sollen, die ich jedoch natürlich nicht kenne.

Doch die Grundidee bleibt: Dr. Robert Neville ist Virologe und durch der scheinbar einzig Überlebende Mensch einer viralen Epidemie. In dem Film von 1971 erreichte er dies, in dem er sich selber einen noch im Versuchsstadium befindlichen Impfstoff spritzte, der auch tatsächlich wirkte. Bei Infizierten, die nicht sofort an dem Virus starben, entwickelte sich eine akute Lichtempfindlichkeit, stark ausgeprägter Verfolgungswahn und Albinismus („tertiäres Stadium“). Sie kommen nur bei Nacht aus ihrem „Nest“ und entwickelten eine eigene, sektenähnliche Gesellschaft, genannt „Familie“, angeführt von einem Matthias, welcher einen Hass auf Nichtinfizierte sowie auf Fortschritt und Technik propagiert – und somit explizit auf Neville. Dieser sucht tagsüber das Nest der Familie, doch des Nachts muss er sich den Angriffen der Infizierten erwehren.

Die Idee an sich finde ich ja sehr spannend, wenn ich auch die Umsetzung bei I Am Legend nicht als gelungen bezeichnen kann. Oft ist es dann ja so, dass die älteren Vorlagen (wenn sie auch selber nur Remakes sind, wie in diesem Fall) besser sind, und sei es nur, weil nicht machbare Effekte durch eine gute Story und / oder Spannung ausgeglichen werden (mussten). Bei Der Omega Mann sieht das jedoch etwas anders aus. Hier wurde mehr auf Action gesetzt, welcher man heutzutage schon ihr Alter ansieht. Und das nicht nur bei der Action, alles sieht schon extrem nach der damaligen Zeit aus: Kleidung, Frisuren usw., wobei das ja kein Qualitätsmerkmal ist, eher eine Feststellung. Die Filmmusik jedoch, die geht gar nicht. Dieses komische Panflötengedudel will in meinen Augen nicht wirklich zur Thematik und Tonart des Films passen.

Überhaupt wirkt manches ungewollt komisch: Alleine schon der erste Auftritt der Infizierten, wie sie Neville daran hindern wollen, in seine Garage zu fahren, macht in meinen Augen sämtliche vorher aufgebaute Atmosphäre kaputt. Ich hatte kurzzeitig das Bedürfnis zu lachen, keine Ahnung ob das vor 40 Jahren anders gewirkt hat, ich kann es mir schwer vorstellen. Die stärkste Szene hat der Film somit, wenn mal ausnahmsweise nicht auf Action gesetzt wird, sondern auf Spannung. Wenn etwa der Generator ausfällt und Neville ins Erdgeschoss muss, um ihn zu reparieren, während Lisa oben in der Wohnung wartet. Hier versucht die Familie Gott sei Dank nicht, ihn zu überrennen (da hätte ich vermutlich wieder lachen müssen), hier versuchen sie, ihn zu überlisten. Solche Momente gibt es nur leider viel zu selten. Der Omega Mann wirkt, als würde er nur an der Oberfläche kratzen, als würden die Szenen nur abgearbeitet werden, ein nachhaltiger Eindruck wird nicht erzeugt. Die letzte Frau auf Erden wird natürlich zum Love Interest, und gäbe es noch einen Hund, mehr Klischees könnte man fast nicht mehr unterbringen (I Am Legend hat dies übrigens geschafft, in dem noch auf Nevilles Frau und Kind eingegangen wird, damit sein persönliches Schicksal noch… schicksalshafter wirkt. Und einen Hund gabs auch. Der ist aber gestorben. Schicksal.).

Schade also, auch diese Version des Stoffes kann nicht wirklich überzeugen. Ein Film, dem man das Alter extrem anmerkt, dem leider aber nicht viel entgegensetzen kann. Vielleicht sollte ich jetzt einmal mein Glück mit der ersten Verfilmung des Stoffes The Last Man On Earth von 1964 versuchen. Da werden die Infizierten wenigstens noch mit Knoblauch und Holzpflöcken (!) bekämpft. Good old times.

7 Kommentare

  1. bullion · Dezember 27, 2010

    Ich habe diese Version immer nur beim Durchschalten nachts gesehen, der komplette Film fehlt mir bisher aber noch, obwohl er mich durchaus interessiert.

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    • Xander · Dezember 27, 2010

      Dann hol das mal nach, deine Meinung würde mich mal interessieren…

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  2. luzifus · Dezember 27, 2010

    Ich hab den vor einiger Zeit auch mal gesehen und war ähnlich enttäuscht wie du. Ich kann mich schon kaum mehr an etwas aus dem Film erinnern, was bezeichnend ist😉.

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    • Xander · Dezember 27, 2010

      Vor allem da ich irgendwie im Hinterkopf hatte das wäre einer dieser ganz großen Kultfilme von früher – naja, auf das Gerede der Leute ist auch kein Verlass mehr😉

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  3. Flo Lieb · Dezember 30, 2010

    Ich fand ihn zumindest unterhaltsamer als die Will-Smith-Version.

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    • Xander · Dezember 30, 2010

      … die ich vielleicht kurzfristig als direkten Vergleich noch mal schauen sollte. Glaube aber, ich hätte dem so 6/10 gegeben, wenn ich ihn bewertet hätte.

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  4. Pingback: Shortcuts: VOLL AUF DIE NÜSSE (Dodgeball) [2004]; ALICE IM WUNDERLAND [2010]; 30 DAYS OF NIGHT [2007] « at the movies – filme. tv. sowas.

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