Double-Feature: ED WOOD [1995] + PLAN 9 FROM OUTER SPACE [1959]


„Wenn man eine Vision hat, dann muss man für sie kämpfen. Wer will schon sein Leben lang die Träume anderer verwirklichen!?“

Uwe Boll hatte Ed Wood bis vor kurzem eine Kleinigkeit voraus: Ich kannte zumindest einen Film von ihm, so dass ich zumindest in Teilen mitreden konnte. Bei Wood verhielt es sich anders: Das er der schlechteste Regisseur aller Zeiten sein soll oder Plan 9 zumindest der schlechteste Film, das nahm ich mal einfach als gegeben hin. Far Cry beispielsweise fand ich scheiße, da fällt es schon leichter zu glauben dass Boll auch ansonsten keine Meisterwerke fabriziert hat. Doch diese Zeiten sind vorbei: Mit einem kleinen Themenabend im Heimkino gedachten wir Edward Davies Wood jr. und seinem wohl bekanntesten Werk.

ED WOOD [1995]

„Bei Filmen geht es nicht um kleinliche Details, sondern um die ganze Geschichte.“
– „Tatsächlich?“
„Ja!“
– „Und warum ist dann der Polizist bei Tageslicht angekommen und jetzt ist es schon dunkel?“
„Das weiß doch nun jeder: Irritationselemente steigern die Spannung!“

Ein Film von Tim Burton mit Johnny Depp in der Hauptrolle – das klingt zunächst einmal nicht besonders „besonders“ oder gar originell, hat man sich an diese Konstellation doch schon gewöhnt und sie aber auch sehr zu schätzen gelernt. Ist dieser Film dann aber als Hommage an die damalige Zeit in schwarz-weiß und geht es um den berühmtesten schlechtesten Regisseur aller Zeiten, dann wird man schon hellhörig und das, soviel sei verraten, völlig zu Recht. Ed Wood ist ganz großartig und es gibt viele Gründe, warum das so ist.

Ed Wood träumt von seinem eigenen, erfolgreichen Hollywood-Kassenschlager. Seiner Meinung nach hat er die Fähigkeiten und das Talent dafür, doch leider fehlen ihm zum ganz großen Wurf die Mittel. Ein kleiner Lichtblick scheint da seine Freundschaft zum alternden, ehemaligen Filmstar Bela Lugosi zu sein, den er für relativ kleines Geld werbewirksam in seinen Filmen unterbringen kann. Die Tatsache, dass Wood sich gerne in Frauenkleidern zeigt, ist nicht sonderlich hilfreich bei der Suche nach Geldgebern. Nachdem sein Film Bride of the Monster nicht ganz die erwartete Publikumsresonanz findet, setzt er all seine Hoffnung in sein neuestes Projekt: Grabräuber aus dem Weltall. Da er allerdings als Financiers eine Baptistengemeinde gefunden hat, ändert er den Titel schließlich in Plan 9 From Outer Space. Die Dreharbeiten beginnen…


„Die Szene ist im Kasten!“
Im Kasten ja, gelungen nein: Auf die Frage, warum er die Szene nicht zur Sicherheit noch einmal drehen möchte, antwortet Wood wie selbstverständlich: „Warum, war doch gut!„. Sicherlich spielte auch Zeit- und Geldnot eine Rolle, aber dieses Selbstverständnis, etwas „Großes“ zu erschaffen, dass im Zweifel von den anderen nur nicht verstanden wird prägt den Film von Tim Burton. Ed Wood wird als Mann mit großen Zielen geschildert, mit einem hoffnungslosen Optimismus und ohne Selbstzweifel. Johnny Depp ist wie geboren für die Rolle des in Frauenkleidern herumlaufenden Regisseurs und behandelt eben diese mit eben jenem Fingerspitzengefühl, das nötig ist, um die Rolle nicht ins Lächerliche abgleiten zu lassen. Man wird das Gefühl nicht los, dass alle Beteiligten großen Respekt vor dem Regisseur hatten der so viel wollte, aber so wenig erreicht hat.

Die Entscheidung, den Film in Schwarz-Weiß zu drehen, war eine gute. Die Atmosphäre der damaligen Zeit, das frühere Kino-Erlebnis wird auf diese Weise eingefangen und an den Zuschauer übertragen. Man spürt förmlich die Liebe zum Kino, mit der Wood seine Filme produzierte und mit der sich Burton in dieser Verbeugung an eine „Legende“ an eben jene heranwagt. Martin Landau und Johnny Depp lassen einen vergessen, dass dies ein Film ist. Es könnte genausogut ein distanziertes Making-Of sein, so real lassen sie ihre Figuren werden.
Ein viel zu unbekannter Film über einen viel bekannteren Regisseur, der mit diesem sein Denkmal erhält.

PLAN 9 FROM OUTER SPACE /
PLAN 9 AUS DEM WELTALL [1959]

„And remember, my friends, future events such as these will affect you in the future!“

Zukünftige Ereignisse werden uns in der Zukunft beeinflussen? Sag nicht sowas! Nur eines von vielen schönes Zitaten aus dem Film, welches man als Einstieg verwenden kann. Ed Woods Meisterwerk, sein erhoffter Blockbuster, Bela Lugosis letzter Film. Man könnte vieles über diesen Film sagen, rein objektiv bleibt eigentlich nur: „Gut“ ist was anderes. Wenn man gleich schon in den ersten Szenen die Ufos an Bindfäden durch das Bild fliegen sieht, weiß man im Grunde was los ist. Die Story ist dabei schnell erzählt: Um die Menschheit zu unterjochen, führen Außerirdische den sogenannten „Plan 9“ aus: Die Auferweckung Toter mittels Elektrodenstrahlen. Diese sollen anstatt der Außerirdischen gegen die Menschen kämpfen…

Wobei: Kämpfen ist da im Grunde zuviel gesagt. Nicht nur, dass es scheinbar nur drei Außerirdische gibt – es werden auch nur drei Tote erweckt, deren motorische Fähigkeiten doch arg begrenzt sind. Im Grunde beschränken sich ihre Aktivitäten doch eher auf schlurfen und böse gucken. Allerdings sollte man es auch tunlichst vermeiden, auch wenn Ed das jetzt nicht gerne hört, den Film als solchen ernst zu nehmen. Es ist ja nicht nur die „Story“, es ist viel mehr die Ausführung, welche dagegen spricht. Willkürliche Wechsel zwischen Tag und Nacht, die Leute fahren in einem Auto los und kommen in einem anderen Auto bei ihrem Ziel an, wackelnde Kulissen, ein Lugosi-Double, welches sich immer das Gesicht verdecken muss… es wäre zu viel, alles aufzuzählen, schaut euch den Wikipedia-Artikel an, das ist auch aufschlussreich.

Für sich alleine betrachtet lässt sich Plan 9 From Outer Space wohl kaum mit Punkten bewerten. Das einzige, was man hier bewerten könnte, wäre der enorme Spaßfaktor, aber das ist ja keine Komödie. Als ernsthaften Science-Fiction- oder Horrorfilm wiederum kann man ihn wohl kaum betrachten, und da es kein extra Punktesystem für Trash gibt, wäre das eigentlich die Höchststrafe mit 0/10-Punkten. Doch der Film hat seinen Reiz. Hier hat jemand mit viel Herzblut Müll produziert und das ist entweder unfassbar komisch oder aber auch traurig, denn Wood hat ja getan was er konnte – wenn das auch nicht viel war. In Zeiten, in denen jeder Film kalkuliert wird und die Monster aus dem Computer kommen, wird es jemanden wie ihn nicht mehr geben.
Und darum spar ich mir die Punkte hier mal.

6 Kommentare

  1. Flo Lieb · Februar 11, 2010

    Zu deiner PLAN 9 Kritik: “Bei Filmen geht es nicht um kleinliche Details, sondern um die ganze Geschichte.”

    Der Film ist alles andere als ein 0/10-Kandidat (imho), das müsste man eigentlich speziell dann einschätzen können, wenn man sich ED WOOD anschaut, der ja weniger ein eigenständiger Film ist, als vielmehr Making Of zu PLAN 9 und Biopic zu Wood selbst.

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    • Xander · Februar 12, 2010

      Dann habe ich mich wohl nicht so ganz klar ausgedrückt, denn so war das ja auch gemeint. Zwischen den Zeilen ist das vielleicht ersichtlich…:

      „Es könnte genausogut ein distanziertes Making-Of sein“
      „Man spürt förmlich die Liebe zum Kino, mit der Wood seine Filme produzierte und mit der sich Burton in dieser Verbeugung an eine “Legende” an eben jene heranwagt.“
      „Doch der Film hat seinen Reiz. Hier hat jemand mit viel Herzblut Müll produziert und das ist entweder unfassbar komisch oder aber auch traurig, denn Wood hat ja getan was er konnte – wenn das auch nicht viel war.“

      Eigentlich bezieht sich die 9/10 also auf beide Filme zusammen. Wie würdest du denn PLAN 9, für sich alleine genommen, bewerten? (Bei Moviepilot habe ich ihm 4,5/10 gegeben).

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  2. Flo Lieb · Februar 13, 2010

    Ich hatte ihm 8/10 gegeben, weniger für das was er ist, mehr für das, was er sein will. In Anbetracht der Umstände (s. ED WOOD) finde ich, dass Wood Jr. das Beste draus gemacht hat. Und der Film hat gerade in seinem Finale doch einige Stärken.

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  3. luzifus · Februar 16, 2010

    „Hier hat jemand mit viel Herzblut Müll produziert “

    Wenn man Edward Wood Jr. viel vorwerfen kann, aber genau das kann ich auch im Hinblick auf Burtons Film unterschreiben. Hat eigentlich jemand von euch auch einen anderen Wood-Film außer „Plan 9…“ mal gesehen? „Glen or Glenda“ evtl.? Ich jdf. (leider) nicht…

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  4. Xander · Februar 16, 2010

    Leider nein. Ich würde ja gerne mal „Bride Of The Monster“ sehen, vor allem Bela Lugosis Kampf gegen die Gummikrake. „Glen or Glenda“ reizt mich jetzt irgendwie nicht so.

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  5. bullion · November 14, 2010

    Oh ja! „Ed Wood“ ist wirklich ein wunderbarer Film. In meinen Augen wahrscheinlich sogar Burtons bester. Sollte ich auch einmal wieder schauen.

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