Kurzkritik: SHERLOCK HOLMES [2010]



Für jemanden, der sich mit der Materie Sherlock Holmes mal so gar nicht auskennt, war der gestrige Kino-Abend sozusagen die Premiere einer Legende, obwohl es schon unzählige Verfilmungen der Romanfigur gibt. Wenn auch ein kurzer Überblick über den langen Wikipedia-Artikel etwas an Grundwissen geschaffen hat, so wäre das bei dem Film dann doch nicht nötig gewesen.

Holmes und sein Kollege Dr. Watson bringen den Mörder Lord Blackwood zur Strecke. Diesem droht nun der Galgen, doch vorher kündigt er noch seine Auferstehung an. Und tatsächlich: Kurz nach seiner Bestattung berichtet ein Zeuge, wie Blackwood vom Grabe auferstanden und über den Friedhof davon spaziert ist. Als es kurz darauf neue Morde gibt und allmählich die Absichten Blackwoods deutlich werden, wird es knapp für die beiden Ermittler…


Sind hier tatsächlich höhere Mächte am Werk oder ist alles nur ein ausgeklügelter Plan von Lord Blackwood? Das Problem ist: Es ist egal. Denn so gut Robert Downey Jr. und Jude Law auch spielen (und das tun sie), die Geschichte wird dem Zuschauer relativ schnell gleichgültig. So etwas wie Spannung will in den seltensten Fällen auftreten: Entweder Holmes weiß schon weit im Voraus, was als nächstes passieren wird und reagiert dementsprechend oder ihm fällt halt spontan was ein. Oftmals ist des Rätsels Lösung aufgrund von Holmes begnadetet Logik auch soweit hergeholt, dass der Zuschauer überhaupt keine Chance hat mitzuraten, denn das erfordert schon einiges an „um die Ecke denken“. Zusammen mit der Tatsache, dass einen der Film mitten ins Geschehen wirft und man anfangs auch nicht wirklich weiß, wer dieser Blackwood denn überhaupt ist, vor dem alle Angst haben (diese Tatsache akzeptiert man dann einfach) ist es besonders zu Beginn schon etwas schwerer, dem Geschehen zu folgen.

An und für sich sind jedoch die Grundvorraussetzungen nicht schlecht: Guy Ritchie hat den angestaubten Detektiv leicht modernisiert und ihn von seinem Deerstalker-Hut befreit. Der „beratende Detektiv“ von heute trägt sein Haar offen und ungezähmt und das ist ja auch ok so. Eine gekonnte, visuell erstklassige Inszenierung und leichte komödiantische Einfälle werten den Film dann wieder auf.

Der mittlerweile übliche Cliffhanger am Ende des Films soll Lust auf mehr, vor allem aber auf eine mögliche Fortsetzung machen, die man aber nach dem ersten Teil nur bedingt verspürt. Sicherlich, schlecht ist der Film nicht. Aber stellenweise unnötige Längen und die größtenteils vorherrschende Spannungsfreiheit lassen einen den Film schneller vergessen als ein zweiter Teil gedreht werden könnte.

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4 Kommentare

  1. Densemann · Februar 7, 2010

    Das Ende finde ich ganz besonders enttäuschend. Die „mittlerweile üblichen Cliffhanger“ gehen mir inzwischen ganz schön auf den S…..

    PS: Finde deine Seite gut, ab auf meine Blogroll!

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  2. Xander · Februar 7, 2010

    Vielen Dank, gleichfalls!

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  3. lalia · Februar 7, 2010

    nach dem Trailer dachte ich, hey der Film wird lustig. Dass aber im Handlungsverlauf sogar die Lacher aus den Trailern nicht mehr witzig waren, hat mich sehr enttäuscht. Der Cliffhanger am Schluss war ja fast noch gut, im Gegensatz zu der Kams-Bond-fizierung von Sherlock Holmes. Sogar die Musik und der Kampf auf der Brücke erinnerten mich sehr an Casino Royal…

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