Kritik: SAW 4 [2008]


„Sie denken das Spiel ist vorbei, nur weil ich tot bin? Es ist nicht vorbei. Die Spiele haben grade erst begonnen!“

Obiges Zitat kann man dabei durchaus auch als Drohung an alle verstehen, denen die Saw-Reihe immer schon suspekt war und die immer schon gehofft hatten, es würde nicht noch einen Teil geben. Es hat grade erst begonnen heißt es, und mit Teil 6, welcher kürzlich in den Kinos lief, könnte man meinen, die Drohung wurde wahr gemacht. Es ist kein Ende abzusehen, da kann John Kramer tot sein wie er will.

Und tot ist er, das wird zu Beginn des Films mehr als deutlich gemacht. Da wird, für alle Anatomie-Interessierten, genauestens gezeigt wie seine Schädeldecke geöffnet, das Gehirn entnommen und gewogen wird, sein Brustkorb aufgesägt wird und die Organe entnommen werden und – man glaubt es kaum – eine weitere Kassette in seinem Magen gefunden wird. Adressiert ist die enthaltene Nachricht an den ermittelnden FBI-Agenten Strahm – die Spiele sind noch nicht vorbei. Doch wen trifft es diesmal („and what will be left of them“ möchte man fragen…)? Es sind der Opfer fünf, denen der Polizist Rigg schon auf den Fersen ist, nimmt er doch selber auch an einem tödlichen Spiel teil. Das dabei am Ende alles anders ist, als man dachte, versteht sich bei Saw jedoch von selber.


Die Saw-Reihe begann stark, ließ ebenso stark nach und schien sich dann mit dem dritten Teil wieder etwas zu berappeln. Eigentlich hätte ja schon nach dem ersten Teil Schluß sein müssen, für sich genommen war es ein sehr guter Film und man ahnte – mehr sollte es hier nicht zu erzählen geben, ohne dass alles zerstört wird. Doch es wurde mehr erzählt, und je mehr Teile es gab desto deutlicher wurde, dass die Macher selber gar nicht so genau wussten, WAS man zu erzählen hatte, schließlich wollte man in den Fortsetzungen hauptsächlich viel zeigen. Und gezeigt wurde viel in der zweiten Fortsetzung, welche nicht zimperlich war und die Grenze zum Ekel nicht nur berührte, sondern weit überschritt. Die gute Nachricht: Bis auf die Eröffnungssequenz hält sich Teil Vier schon fast wohltuend zurück. Menschen sterben, auch relativ unschön, aber diese Szenen sind nicht mehr ganz so übertrieben in Szene gesetzt. Es scheint tatsächlich so, dass die Story mehr in den Mittelpunkt gerückt werden sollte, und das ist auch gut so, ist diese doch wieder mal relativ verwirrend. Auch die dritte Fortsetzung bezieht sich das ein oder andere Mal auf die Vorgänger, und wenn man die nicht kennt, weiß man vermutlich gar nicht worum es in diesem Film geht. Doch das ist auf der anderen Seite doch nicht so ein großes Problem: Die Charaktere sind so oberflächlich angelegt, dass man ihnen zwar zusieht, aber an ihrem Schicksal nicht teilnimmt. Die willkürliche Auswahl der Opfer trägt ihren Teil dazu bei. Zwar muss Rigg jedesmal entscheiden, ob er ihnen hilft oder sie sich selber helfen müssen, aber im Grunde ist jeder nur eine Durchgangsstation. Rigg kommt zu einem Opfer, versucht zu helfen, bekommt einen Hinweis, geht zum nächsten Opfer. Was solls, wer diese Leute sind, warum sie in dieser Situation sind, was Riggs Motivation ist ihnen zu helfen (oder auch nicht), dass alles ist völlig egal, man wartet nur auf die nächste Todesfalle.

Zwischendrin fragt man sich vielleicht auch mal, wie Jigsaw es schafft, all dies zu bewerkstelligen, obwohl er ja tot ist. Amanda ist ebenfalls tot – es muss also einen weiteren Helfer geben. Wer das jedoch ist, ist weder zu erahnen, noch am Ende in irgendeiner Form nachvollziebar. Wenn man so will, bietet Saw 4 den schwächsten Showdown aller Teile bisher, und das ist es doch mit, was die Fortsetzungen ausgemacht hat, wenn sie schon sonst nicht viel zu bieten hatten.

Was der vierte jedoch zu weiterhin zu bieten hat, ist eine Art „John Kramer Rising“, ein „Jigsaw Begins“, die Vorgeschichte des Serienkillers. Wie wurde er zu dem was er ist, was war der Auslöser, warum die Harlekin-Puppe? All das wird ausführlich beleuchtet und nimmt Jigsaw so sein Mysterium. Ob das gut ist, weiß ich nicht, ob es eine Rolle spielt – ist egal. Wer bis zum vierten Teil durchgehalten hat, der nimmt auch das in Kauf.

Es wird einen fünften Teil geben, das wurde nach dem Ende klar. Schließlich ist man am Ende des Films so schlau wie vorher – welches Spiel hat Jigsaw für Strahm geplant? Man will es aber eigentlich nicht wissen. Spätestens jetzt war klar, dass es in der Saw-Reihe nicht mehr wirklich viel zu erzählen gibt und erst recht nicht nach diesem Film. Auf die Gefahr hin zu spoilern: Irgendwann ist das Maximum der Spiele, die mehr oder weniger gleichzeitig stattfinden auch erreicht. Die Zeit läuft weiter. Jigsaw ist tot, alle Fallen haben zugeschnappt. Gut, dass dies nicht so ist, wissen wir jetzt, aber die Hoffnung hatte man. Denn besser wurden die Filme nicht.

Saw 1, 2, 3, 4

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5 Kommentare

  1. DHJaeger · Januar 15, 2010

    Respekt das du die Filme in so kurzer Zeit alle durchschaust. Manch einer hätte da schon aufgegeben.

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  2. Xander · Januar 15, 2010

    Vielleicht sollte ich das auch. Gesund ist das sicher nicht…

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  3. tumulder · Januar 15, 2010

    Jetzt noch zwei Teile, und du hast es geschafft.:D

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  4. Dr. Borstel · Januar 18, 2010

    Immer schön durchhalten. 😉 Zugegeben, nach Teil 4 hat es mir auch gereicht. Obwohl der meiner Ansicht nach die beiden Vorgänger übertrifft.

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  5. Pingback: Kritik: SAW 6 [2009] « at the movies – welcome to the mainstream

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