Duell: BLACK CHRISTMAS [1974] vs. BLACK CHRISTMAS [2006] (ZS)


„Was ist das hier – Fellatio?“
– „Die Telefonnummer der Mädchen. Ne neue Leitung, FE. Kennen Sie nicht?“

Bereits vier Jahre vor John Carpenters Halloween sollte mit Black Christmas ein Slasher in die Kinos kommen, der es jedoch trotz ähnlicher Stilmittel nie zu solchem Ruhm bringen sollte. Es gab die Kameraperspektive aus der Sicht des Mörders, ein Haufer junger Frauen der von diesem dezimiert wird und ein Ende, welches einem im Ungewissen lässt. Die Mädchen laufen im ungünstigsten Zeitpunkt die Treppe hinauf anstatt zur Tür hinaus und überhaupt gibt es vieles, was einem bekannt vor kommt, nur mit dem Unterschied, das Black Christmas damals einer der ersten Filme dieser Machart war, wohlgemerkt vor Halloween.

Dabei ist, genreüblich, die Geschichte an sich schnell erzählt: Die Bewohner eines Schwesternwohnheims werden zur Weihnachtszeit von einem unheimlichen Anrufer mit scheinbar obszönen Anrufen terrorisiert – aber auch dezimiert. Das dies zu Beginn noch nicht sonderlich auffällt liegt daran, dass die Mädchen glauben, ihre Freundinnen sind übers Fest nach Hause gefahren, ohne sich zu verabschieden. Doch schon bald erkennen sie die Wahrheit…

Aufgrund der im Genre oft verwendeten Standards, wie oben beschrieben (nehmt bitte noch die unheimlichen Anrufe mit in die Liste auf) wirkt der Film heutzutage leider nicht mehr, wie er dies 1974 getan haben muss. Vieles kennt man aus nachfolgenden Slasherfilmen, zu vieles kann man voraus sagen. Und doch schafft es der Film, einen zu zeitweise zu packen. So sieht man z.B. nie den Killer direkt. Gerade zu Beginn des Films (welcher frappierend an Halloween erinnert, bzw. andersherum…) sieht man das Geschehen aus seiner Perspektive, wie er ums haus herumschleicht, wie er seine Opfer beobachtet – und im Grunde weiß man auch nichts über ihn und wird auch nichts erfahren. Aus den Anrufen wird man nicht schlau und auch sonst hält sich der Film sehr bedeckt. Einerseits ist das natürlich gut, endlich mal ein Film, der dem Zuschauer die Auflösung nicht auf dem Präsentiertteller überreicht, andereseits kann dies aber auch frustierend sein, ganz nach dem Motto „Und was sollte das jetzt?“. Natürlich präsentiert einem der Film einen Verdächtigen, dass dieser aber nicht der Mörder ist, kann man sich ja denken. Das die Opfer dies nicht tun, liegt eher daran, dass der Zuschauer mehr weiß als diese, trägt aber auch nicht zur Spannung bei.

Aber noch ein anderer Aspekt trägt dazu bei, dass der Film heutzutage vllt. nicht mehr ganz so gut funktioniert wie früher: Er ist alt. Es ist schon extrem gewöhnungsbedürftig, wie die Leute da rumlaufen, besonders die, deren Name mir nicht mehr einfällt, jedenfalls sieht sie aus wie die Mutter von Atze Schröder. Auch die ganze Sache mit der Identifizierung des Anrufers regt zum Schmunzeln an, wie der arme Polizist wie ein Gestörter durch die Telefonzentrale rennt um zu gucken, wo der Anrufer herkommt, nur damit dieser kurz vorher auflegen kann.

Black Christmas ist, besonders für die besinnnliche Adventszeit, durchaus guckbar, aber es gibt bessere Slasher. Ja, z.B. Halloween.

BLACK CHRISTMAS [2006], Zweitsichtung

„Fröhliche Weihnachten! … Fröhliche Weihnachten! … Herzlichen Glückwunsch! … Fröhliche Weihnachten!“

Wenn etwas nachgemacht wird, scheint es ja gut zu sein, sonst wäre es die Mühe ja nicht wert. Insofern kann so ein „Remake“ ja auch als Kompliment verstanden werden. Und so kann diese Einleitung als Vorwort für diese Kurzkritik gesehen werden, aber auch dahingehend, dass ich das Prinzip der Zweitsichtung einfach von nebenan übernommen habe. Nenne es anstatt „WS“ aber „ZS“. Copyright und so.

Die Erstsichtung dieses Films habe ich fast genau vor einem Jahr besprochen, wie hier nachzulesen. Warum jetzt also noch einmal, ist der Film so gut? Nein, wahrlich nicht, die Zweitsichtung hat dies auf jeden Fall bestätigt, fand sie doch auch direkt nach der Sichtung des Originals (siehe oben) statt. Beim Original war ein Pluspunkt unter anderem, dass man ja nichts über den Killer erfuhr, seine Beweggründe oder seine Motivation. Es fielen die Namen Billy und Agnes, es wurde über ein Baby gesprochen, welches nicht getötet werden darf – das machte es unheimlicher, bedrohlicher. Und dann, 32 Jahre später, wurde alles zunichtegemacht.

Denn jetzt, im direkten Vergleich, muss man sagen, dass das Remake völliger Mumpitz ist. Die gesamte Atmosphäre des Vorgängers wurde zerstört, in dem Billys Herkunft und Beweggründe ausführlich dargestellt wurden. Man erfährt einfach alles, jedes noch so kleine, schmutzige Detail. Und auch wenn ich die Flahbacks immer noch gut finde, so bleiben am Ende keine Fragen offen. Wie gehabt sind die Hauptfiguren austauschbar, die Namen egal, die Charaktere identisch, die Dialoge Quatsch. Es geht nur ums Töten, je ekliger desto besser. Der Film führt die „Gesetze“ des Slasher ins Absurde.

Und so kann ich den Film, nicht nur im Vergleich mit dem Original, sondern auch für sich alleine gestellt, eigentlich nur noch abwerten, was schade ist. Manche Filme funktionieren so grade nur bei der Erstsichtung, und die war ja bei diesem Film mit 6/10 auch nicht unbedingt der Brüller.

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