Kritik: DRAG ME TO HELL [2009]


„Sie beschämen mich!“

Fangen wir an, wie es wohl ganz bestimmt niemand vor mir getan hat: Den meisten Kinogängern ist Sam Raimi wohl durch Spider-Man bekannt, dicht gefolgt jedoch durch die Evil Dead-Reihe, welche ja auch eigentlich den Grundstein für seinen Erfolg legte. Mit Drag Me To Hell kehrte Raimi nun also zurück zu seinen Wurzeln, um mal wieder wahren Horror in die Kinos zu bringen.

Das seine Art von Horror nicht unbedingt die psychologische Art wie bspw. in Rosemarys Baby ist, zeigt er denn auch gleich zu Beginn des Films, wenn das Tor zur Hölle bereits mit einer Wucht geöffnet wird, dass man das Gefühl hat, die Lautsprecher verabschieden sich gleich mit in die Hölle. Diese „Einführung“ in den Film zeigt alles andere als behutsam, worauf sich Christine eingelassen hat, als sie einer alten Dame in der Bank keine weitere Zahlungsfrist gegönnt hat und diese somit ihr Haus räumen muss. Denn die Frau bedankt sich schön artig mit einem Fluch, der Christine die Hölle auf Erden beschert und sie nach drei Tagen dann auch gleich mit runter nehmen soll – wie den Jungen zu Beginn des Films.


Vieles kommt einem bekannt vor in Drag Me To Hell, doch augenscheinlich ist dies auch so gewollt. Die im Trailer angedeutete „Rückkehr des wahren Horrors“ ist hier wörtlich zu nehmen, denn der Film orientiert sich eher an Filmen wie Tanz der Teufel als beispielsweise an modernen Filmen wie Saw oder ähnlichem Torture Porn. Es sind die bösen Zigeuner, Friedhöfe, auf denen es nur regnet und gewittert und Dämonen, die einem zum unpassendsten Zeitpunkt heimsuchen, die DMTH beherrschen, und das ist doch auch mal wieder ganz schön.

Hervorzuheben ist das Sounddesign des Films. Frei nach Motto „Laut erschrickt gut“ bringt der Film den Saal bzw. das Wohnzimmer zum Erbeben, bis die Gläser aus dem Schrank fallen. Doch würde man die Lautstärke runterregeln, wären die Dialoge zu leise – ein Element, welches durchaus gewollt ist und ebenso funktioniert. Dieser Kontrast zwischen Ruhe vor dem Sturm und Geisterbahn lässt einen nicht zur Ruhe kommen – es könnte ja jeden Moment wieder losgehen. Es lohnt sich nicht wirklich, eine entspannte Sitzposition einzunehmen und das Glas Wein in der Hand zu behalten, das könnte, im wahrsten Sinne des Wortes, nach hinten losgehen. Bei all dem Schrecken und dem Horror hat Raimi aber auch nicht vergessen, weswegen z.B. Armee der Finsternis große Klasse war, denn auch in DMTH kommt der humoristische Aspekt keineswegs zu kurz, ganz im Gegenteil. In manchen Szenen wähnt man sich in einer Horrorkomödie und kann auch durchaus lachen, andere Szenen haben zwar auch ihre Komik, so manch einer kann da aber nicht drüber lachen („Komm her, Kitty!“). Die Mischung ist aber ideal, und so macht das Ganze doch großen Spaß.

Allen Referenzen zum Trotz und auch trotz der Tatsache, dass es sich um einen Old-School-Horrorfilm handelt: Ein wenig mehr Ausarbeitung bei der Story hätte ich mir bei dem Film schon gewünscht. Nicht nur, dass man sich im Grunde denken kann, wie der Film ausgeht, das Ende ist auch schon relativ früh vorhersehbar. Wenn ein ernst gemeinter Versuch vorhanden sein sollte, dass der Zuschauer doch noch glaubt, dass es anders kommt – dies funktioniert zu keiner Sekunde sondern man fragt sich höchsten, wann und wie das Ganze nun stattfindet. Das der Beginn des Films dabei sogar noch aufwendiger und besser in Szene gesetzt wurde als das Finale nehme ich dem Film auch ein klein wenig übel.

Im Endeffekt erwartet einen mit Drag Me To Hell ein Horrorfilm, der das Beste aus seiner Geschichte herausholt und somit durchaus zu erschrecken weiß. Leider ist es kein Genre-Highlight sondern eher knapp über dem Durchschnitt, aber aufgrund des Humors und mancher Schreckmomente ist der Film durchaus, gerne auch mehr als einmal, guckbar.

Advertisements

4 Kommentare

  1. bullion · November 29, 2009

    Auf den Film freue ich mich auch noch riesig. Die Blu-ray liegt schon hier und wartet nur noch darauf gesichtet zu werden. Nun müssen nur noch die richtigen Leute zusammen kommen… 🙂

    Gefällt mir

  2. C.H. · November 29, 2009

    Sehe ich ähnlich, wobei ich den Film noch einen Tick besser gesehen habe. Allerdings hat die Vorhersehbarkeit des Plots (da hast du völlig Recht) auch nicht sonderlich gestört. Das mag das vielleicht erklären.

    Gefällt mir

  3. Pingback: ATM – Der Film 2009 « at the movies – welcome to the mainstream!
  4. Pingback: Drag Me to Hell (2009) | Film-Blogosphäre

Sag was dazu!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s