Kritik: TINTENHERZ [2008]


„Vielleicht findest du’s ja hier!“
– „Wie, was denn?“
„Das Buch, was du schon so lange suchst.“

Tintenherz hat mich als Buch noch nie so wirklich interessiert. Man hörte zwar hier und da mal ein paar gute Worte über die Bücher, aber für mich klang das alles ein bisschen wie Die unendliche Geschichte in moderner und wurde recht schnell abgehakt. Nun gab es im Laden, der die Technik so liebt vor einiger Zeit die Blu Ray im Angebot und ebenso gab es da jemanden, der diese gerne haben wollte, und dann bin ich ja nicht so…

Jedenfalls war dies mal ein Weg herauszufinden, ob es dem Film besser als den letzten Harry Potter Teilen gelingt, auch ohne Buchkenntnisse zu funktionieren und eine fantasievolle Geschichte zu erzählen. Dies hat leider nur in Teilen geklappt mit dem Nachteil, dass ich nun natürlich nicht weiß, wem das vorzuwerfen ist – der Vorlage oder dem Drehbuch.


Mortimer Folchart ist eine Zauberzunge – jemand, der Personen oder Dinge aus einem Buch in die Realität herauslesen kann. So ist es ihm vor neun Jahren passiert, dass er einerseits unbewusst die Romanfiguren Staubfinger und Capricorn in seine Welt herausgelesen, aber andererseits auch seine Frau in die Welt des Buches „Tintenherz“ hineingelesen hat. Seit diesem Zeitpunkt ist Mo auf der Suche nach dem Buch, welches ihm damals abhanden gekommen ist, um seine Frau wieder zurück zu holen. Erschwert wird diese Suche durch den Bösewicht Capricorn, der ganz andere Pläne mit Mortimer und seiner Fähigkeit hat…

Es ist schon klar, worauf Frau Funke im Kern mit den Büchern über die Welt von Tintenherz hinaus wollte: Die Magie von Büchern, das Abtauchen in andere Welten durch das Lesen, so das man denkt, man wäre in diesen Welten, alleine durch die Fantasie. Zumindest glaube ich das nach Sichtung des Films – die Bücher kenne ich ja, wie erwähnt, nicht. Natürlich ist es schwer, eine, wenn man mal ehrlich ist, doch recht trockene Angelegenheit wie das Lesen spannend auf die Leinwand zu bringen. Dies dachte sich wohl auch Regisseur Iain Softley (K-Pax, Der verbotene Schlüssel) und legte den Schwerpunkt in die Actionszenen, so dass die Bücherthematik nur noch am Rande behandelt wird.

Dies ist aber sehr schade, denn vorstellen kann ich mir schon, wie intensiv grade das im Buch behandelt werden könnte. Im Film zum Beispiel kam doch alles sehr plötzlich. Kurze Einführung, was Zauberzungen sind und schon befinden wir uns auf dem Buchmarkt, wo Mo auf das Buch Tintenherz und Staubfinger trifft – dann kann die Action ja beginnen. Etwas mehr Ruhe, vor allem etwas mehr Fantasy hätte man sich hier gewünscht anstatt dieser kurzen Einleitung, die als Basiswissen herhalten muss. Was folgt, muss als gegeben hingenommen werden, viel erklärt wird nicht mehr. Das klappt zwar im Grunde recht gut, denn wirklich kompliziert ist das Ganze nicht angelegt, aber schade ist das schon. Es mag unfair klingen, aber als Referenz gilt bei mir für Fantasyfilme immer Der Herr der Ringe – und besonders im Directors Cut kann man sehen, wie so etwas funktioniert. Da nimmt sich Peter Jackson einfach mal zu Beginn die Zeit, den Prolog über die Hobbits für den Film zu adaptieren. Denn die Zeit muss einfach sein, damit eine Geschichte in sich schlüssig ist und funktionieren kann. Die Welt, in die man abtauchen soll bzw. will, muss einem auch die Gelegenheit dazu geben.

Ob dies nun an Funke oder am Drehbuch liegt – eine Logik in der Geschichte habe, und das kommt erschwerend hinzu, nicht wirklich gefunden. Mo kann das Buch vor neun Jahren im Eifer des Gefechts (schließlich sind Romanfiguren in seinem Haus aufgetaucht) verschütt gegangen sein. Vielleicht wurde es auch von Capricorn gestohlen, ich weiß nicht mehr genau ob das im Film erwähnt wurde. Jedenfalls sucht er seit neun Jahren danach, ok. Viel verwirrender finde ich allerdings die Sache mit seiner Frau (waynes interessiert: Spoiler:). Er hat sie nun in das Buch hineingelesen, schön und gut. Aber verändert sich durch diese Tatsache dann auch das geschriebene Wort? Ist seine Frau von da an Teil der Handlung von Tintenherz? Denn falls nicht – wie konnte es Capricorn möglich sein bzw. wie will es Mo gelingen, sie wieder herauszulesen? (Spoiler Ende). Um etwas herauszulesen, muss es doch geschrieben stehen? Und wieso ist es noch niemandem eingefallen, Jesus aus der Bibel herauszulesen? Ähm – ich schweife ab.

Tintenherz verschenkt hier einiges von seinem Potenzial und wirkt in der Summe wie ein grade noch durchschnittlicher Fantasy-Film, aber leider nicht mehr. Was sehr schade ist, denn ein Anreiz, die Bücher jetzt doch einmal zu lesen, wurde mir nicht wirklich geboten.

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Ein Kommentar

  1. spanksen · September 23, 2009

    Seh ich genauso, war schon schwer enttäuscht von dem Film

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