Philip Pullman – HIS DARK MATERIALS


In Lyras Welt lebt jeder Mensch mit seinem Dæmonen zusammen, ein Tier welches ein Leben lang mit ihm verbunden und vergleichbar mit seiner Seele ist. Als plötzlich immer mehr Kinder entführt werden, kommt Lyra hinter die erschreckende Wahrheit: Das Magisterium versucht, die Kinder von ihren Dæmonen zu trennen. Lyra begibt sich auf die Suche nach den Kindern – und entdeckt einen Zugang zu einer anderen Welt. Hier trifft sie auf Will, dessen Vater vor zehn Jahren verschwand. Will hat selber erst vor kurzem den Zugang zu dieser Welt entdeckt -er selber kommt wiederum aus einer anderen, nämlich unseren. Doch hier nimmt Will die Spur seines Vater wieder auf, und auch Lyra erfährt mehr über ihre Eltern. Und noch etwas erfahren die beiden: Ein Krieg steht bevor, der die gesamt Weltenordnung für immer verändern könnte. Und Will und Lyra besetzen in diesem Krieg die Schlüsselpositionen. Und es geht um Staub, denn der mystische Staub ist überall, und ohne ihn kann nichts existieren -der etwa doch…?


His Dark Materials, von 1995 bis 2000 von Philip Pullman veröffentlicht, gliedert sich in drei Bände – Der Goldene Kompass, Das Magische Messer und Das Bernstein-Teleskop. Hauptsächlich geht es in den Büchern um eine große Frage: Was ist Staub, woher kommt er und was bedeutet er?

Staub (in Wills Welt, also unserer, auch Schatten oder Dunkle Materie genannt, in der Welt der Mulafa Sraf) scheint dort zu entstehen, wo bewusstes Leben existiert. Er ist allgegenwärtig und entsteht beim Menschen vermehrt beim Eintritt in die Pubertät. Staub scheint ein eigenes Bewusstsein zu haben und hält die Dinge im Gleichgewicht. Ohne Staub würde kein bewusstes Leben bestehen und eine Vernichtung des Staubs das Ende dessen bedeuten. Für die Oblationsbehörde, in Lyras Welt das verschärfte Äquivalent zur christlichen Kirche, ist Staub gleichbedeutend mit der Erbsünde. Da Staub also ab der Pubertät auftritt und die Dæmonen der Menschen bis zur Pubertät noch ihre Gestalt ändern können, ab diesem Zeitpunkt aber eine feste Gestalt annehmen, ist dies für die Behörde der Anlass, die Kinder von ihren Dæmonen zu trennen, um sie von der Erbsünde zu befreien. Das Gegenstück zur Oblationsbehörde bildet in His Dark Materials Lord Asriel, der diese insofern indirekt bekämpft, indem er einen Krieg gegen den Allmächtigen, gegen Gott, beginnt, um so eine Republik des Himmels zu gründen.

His Dark Materials handelt also von höchst philosophischen Grundfragen (Existiert Gott?) und scharfer Kirchenkritik. Die Kirche ist ohne Umschweife das Böse in den drei Bänden und Gott wird sogar direkt bekämpft.

„Niemand würde mich ermahnen, verdammen, loben oder bestrafen, weil ich brav oder ungezogen war. Der Himmel war leer. Ich wusste nicht, ob Gott tot war oder ob es ihn je gegeben hat. Ich wusste nur, dass ich frei war und einsam. […] Und da nahm ich dass Kruzifix vom Hals und warf es ins Meer. Aus und vorbei, endgültig.“

Die Figurenzeichnung in den Büchern ist im Grunde relativ einfach gestrickt. Jeder hat hier seine Aufgabe und seine Funktion und man weiß eigentlich sofort recht eindeutig, wer auf welcher Seite steht. Auffällig ist aber, dass es in Pullmans Universum nur zwei Arten von Menschen zu geben scheint: Die Christen, oftmals gleichbedeutent mit der Behörde und somit von Grund auf Böse, oder die anderen, die zumeist wissenschaftliche Berufe ausüben oder auf eine andere Art durchaus gebildet sind. Die Kinder sind neutral und stehen auch dem Tod des Allmächtigen recht gelassen gegenüber.

Von Band Eins bis Drei lernt man in den Büchern einerseits mehr über Staub und seine Bedeutung, andererseits lernt man aber auch mehr und mehr Welten kennen. Während Der Goldene Kompass hauptsächlich in Lyras Welt spielt, springen Will und Lyra in Das Bernstein-Teleskop schon fast von Welt zu Welt. Und so hat die Trilogie ihre Stärken auch ganz klar im ersten Band, in dem Pullman sich scheinbar noch die Zeit genommen hat, den Leser in die Geschichte einzuführen. Lyra und ihr Dæmon, sowie die Beziehung der Menschen zu ihren Dæmonen werden intensiv vorgestellt, und das ist auch gut so, denn nur so kann man sich die Qualen vorstellen, die die Kinder bei der Trennung von ihren Dæmonen erleiden müssen -wie z.B. bei Billy Costa ausführlich beschrieben. Je weiter die Geschichte fortschreitet, desto undurchsichtiger wird das ganze, und so hastet man im dritten Band von Schauplatz zu Schauplatz, von Schlacht zu Schlacht, von einer Wendung zur nächsten. Sicher, nach und nach macht jeder Nebenschauplatz irgendwo mehr oder weniger Sinn, doch der Lesefluss leidet darunter um einiges.

Die Chroniken von Narnia wurden von C. S. Lewis, einem engen Freund von Tolkien geschrieben. So findet sich in diesen Büchern einiges, was einem aus Herr der Ringe bekannt vor kommt. Doch bei Lewis wurde diese Geschichte um eine immense christliche Ebene erweitert, die den Leser mit der Holzhammer-Methode missionieren will. Pullman widerum sieht seine Bücher als Gegenentwurf zu Narnia, und das merkt man auch. Sicherlich sollte man die Bücher nicht nur lesen, weil man überzeugter Atheist ist oder eine starke Abneigung gegen die Kirche hat. Eine gewisse Distanz zu selbiger oder aber die Fähigkeit, Fiktion also solche nicht all zu ernst zu nehmen, schadet allerdings auch nicht.

His Dark Materials ist also auf der einen Seite ein epischer, teils recht düsterer Fantasy-Zyklus mit verschiedenen Welten, Wesen und großen Schlachten. Auf der anderen Seite aber ist es auch eine recht schonungslose Abrechnung mit der christlichen Kirche. Gegen Ende wird es – zumindest habe ich es so empfunden – leider etwas undurchsichtig und man weiß nicht immer, wer was warum tut, aber wenn man vielleicht entweder aufmerksamer liest oder die Bücher ein zweites Mal zur Hand nimmt, sollten sich gewisse Fragen beantworten. Empfehlenswert? Der Goldene Kompass ja (dessen Verfilmung ohne Vorkenntnis des Buches leider etwas verwirrend ist), die weiteren Bände immer um eine Kleinigkeit weniger, aber eigentlich immer noch.

20 Kommentare

  1. Flo Lieb · Juni 10, 2009

    Ich fand die Mulafa ja ungemein langweilig. Der dritte Band war ohnehin sehr anstrengend, selbst wenn die finalen Seiten ziemlich ergreifend sind. Pullman ist hier sehr kompromißlos, allgemein in der Trilogie. Was ich sehr begrüße, weil es mal was anderes ist. Den Film fand ich ja – im Gegensatz zu dir – ziemlich schlecht. Aber nun ja, so sind sie eben, die Geschmäcker.

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  2. bullion · Juni 10, 2009

    Mir hat die Trilogie ausgezeichnet gefallen. Zudem fand ich die Folgebände keineswegs schwächer, als den ersten Teil. Das Konzept mit den verschiedenen Welten und dem Staub ist bei mir voll aufgegangen. Wie Flo fand ich auch besonders die finalen Seiten sehr ergreifend, da für mich stets die Beziehungsebene im Vordergrund stand.

    Der Film hat mir übrigens auch sehr gut gefallen und ich hoffe nach wie vor auf einen Director’s Cut.

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  3. Xander81 · Juni 11, 2009

    @ Flo Lieb: Das die Mulefa nicht das aufregendste in den Büchern sind, stimmt wohl. Aber es wird der Tag kommen, da sind wir uns mal über einen Film einig 😉

    @ bullion: Ich glaube, da kannst du genauso gut auf eine Verfilmung der nachfolgenden Bände hoffe – ich denke das ist eher hoffnungslos…

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  4. lalia · Juni 11, 2009

    @bullion, da kann ich xander nur zustimmen

    hm, ansonsten, ich hab ja wirklich nicht mehr verstanden, warum Lord Asriel einen Krieg gegen Gott anzettelt. Und warum Mrs Coulter sich mal auf seinen seite, dann wieder gegen ihn wendet, ist gerade am Ende auch schleierhaft, da sie gar nich tweiß, wo Lyra zu dem Zeitpunkt steckt.

    alle anderen Unklarheiten: http://lalia.wordpress.com/2009/03/19/his_dark_materials/#more-504

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    • Xander · Juni 12, 2009

      Also so wie ich das verstanden habe, will Asriel eine „Republik des Himmels“ erschaffen, in der alle Welten in einer vereint sind. Zudem kämpft er hauptsächlich gegen Metatron, der sich nach seinem Ermessen zu viel in die Belange der Menschen einmischt. So eine Obrigkeit will Asriel abschaffen.
      Mrs. Coulter ist einfach nur auf ihren Vorteil aus. Demzufolge will sie beide Seiten auf IHRER Seite wissen, um sich in Sicherheit zu wiegen. Gerade gegen Ende scheint es ihr aber doch auch um das Wohl von Lyra zu gehen.

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  5. lalia · Juni 13, 2009

    joa…

    wie hat dir denn der Schluss gefallen?

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    • Xander · Juni 13, 2009

      Der Schluss war schon recht dramatisch und wohltuend konsequent. Traurig, aber gut. Das sie ihre Dämonen nicht vertauschen (ich glaube das war auch eine deiner offenen Fragen) ist auch verständlich, da sie zwar jetzt über größere Entfernungen getrennt sein können, ihnen wohl aber auf Dauer ein Teil fehlt.

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  6. Wortman · Juni 13, 2009

    Machst du jetzt nur noch Filmkritiken?
    Irgendwie list man hier gar nix anderes mehr 😉

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    • lalia · Juni 13, 2009

      das ist doch ne Buchbesprechung ^^, verfilmt wurde nur der erste Teil von HIS DARK MATERIALS, der goldene Kompass

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    • Xander · Juni 13, 2009

      Wie Lalia schon sagte, also hier gehts zum Beispiel um Bücher. Dann hätten wir ja noch ab und an Trailer, das ein oder andere Filmquiz, Soundtracks oder zum Beispiel der Text über den neuen Buffy-Film… aber grundsätzlich schon Filmkritiken. Viel mehr gibt es zur Zeit auch nicht zu berichten, und Fotos findest du ja jetzt woanders 😉

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  7. Wortman · Juni 13, 2009

    Buch, Film… egal… man liest gar nix anderes mehr hier 😉

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  8. lalia · Juni 14, 2009

    mir reicht es, hauptsache man kann was von ihm lesen ^^
    *nicht nur schleim, mein ich so*

    ich dagegen bin so faul geworden…

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  9. Wortman · Juni 14, 2009

    Das klingt ja schon fast nach Sehnsucht Lalia 😉

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  10. lalia · Juni 14, 2009

    türlich, ich vermiss euch doch immer u_u
    hat aber eigentlich mehr damit zu tun, dass ich eben keine langen Einträge schreib. aber kommentieren klappt immer noch ^^
    und ICH mag eben Filme 😉 wie ihr wisst

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    • Wortman · Juni 14, 2009

      *smile* schön gekontert mit „euch“ 😉
      Man muss ja auch nicht immer lange Beiträge und Kommentare schreiben.

      Ich glaube, wir drei sind schon recht Film-süchtig 🙂

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  11. lalia · Juni 14, 2009

    süchtig… hm, ich würde es als Leidenschaft sehen, nicht als Sucht ^^

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  12. Xander · Juni 14, 2009

    Wow, was werden hier plötzlich sentimental 😉

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  13. lalia · Juni 14, 2009

    sind wir nicht alle ein bisschen Bluna?!

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  14. Wortman · Juni 14, 2009

    Sinalconisch Blunatisch *fg*

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  15. Pingback: Media Monday #92 | Xanders Blog - Filme.TV.Sowas.

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