Kritik: SUNSHINE [2007]

„Bist du ein Engel?“
– „Ich bin der letzte Mensch neben Gott.“

Die Sonne erlischt und die Erde befindet sich in einer Eiszeit. Sollte die Sonne eines Tages komplett erlischen, würde dies das Ende der Erde bedeuten. Um das zu verhindern, wurde die „Icarus“ mit einer nuklearen Bombe ins All geschickt. Durch eine gigantische Explosion innerhalb der Sonne sollte sie wieder zum Leben erweckt werden – doch die Mission scheiterte, und niemand weiß, warum. Jahre danach wird ein weiterer Versuch gestartet: Die „Icarus 2“, mit einer Bombe aus dem letzten spaltbaren Material der Erde, setzt Kurs Richtung Sonne, um die Menschheit zu retten…



Danny Boyle will sich wohl nicht so recht festlegen. Wohl niemand hätte von ihm nach Trainspotting, The Beach und 28 Days Later ein Science-Fiction-Drama erwartet, und Millions gab es da ja auch noch (kenne ich allerdings nicht). Das ihm aber scheinbar jedes Metier liegt, glaubt man nach Sichtung von Sunshine dafür um so mehr.

Was einem bei der Erstsichung des Films womöglich als erstes auffällt, ist die unglaubliche Optik des Films. Sunshine bietet atemberaubende Aufnahmen des Alls mit seiner sterbenden Sonne, bei denen wohl nicht mal „echte“ Aufnahmen gegen anstinken können. Wobei das natürlich auch vom Medium abhängig ist. Aber ein Beispiel: Die Crew soll sich im Observationsraum versammeln, es gibt etwas da draußen zu sehen, wohl etwas wichtiges. Also setzen sie sich alle, gespannt, was da kommt. Doch was man dann zu sehen bekommt, ist nicht handlungsentscheident. Es ist keine plötzliche Wendung. Es lässt die Crew und den Zuschauer einfach einmal kurz innehalten und noch einen Blick ins Weltall werfen, denn:

„Ladys and Gentlemen: Der Merkur!

Nachdem also das erste Staunen verflogen ist, kann der Film mit der Handlung beginnen, und dies tut er langsam und bedächtig, legt dabei viel Wert auf die Einführung der Charaktere und die „gruppendynamischen Prozesse“. Zum Zeitpunkt des Films ist die Ikarus 2 schließlich schon 16 Monate unterwegs und kurz davor, außer Funkreichweite zu kommen. Kleinigkeiten wie das Warten darauf, dass man eine letzte Grußbotschaft absetzen kann, führen hier schon zu Konflikten und bauen auch hier die Spannung mit auf. Es sind solche Kleinigkeiten, aber auch größere Schwierigkeiten wie ein Feuer an Bord, welche vielleicht auf den ersten Blick nicht viel mit der Haupthandlung zu tun haben, die aber viel zur Atmosphäre des Films beitragen. Es müssen Entscheidungen getroffen werden, die vielleicht zu schwer wiegen für einen einzelnen Menschen. Doch sind diese Entscheidungen dann erst einmal getroffen, gibt es kein zurück – und ab hier wird dann ein wenig geSPOILERt:

„Ein einzelner gegen den Rest der Menschheit? Mein Standpunkt dürfte klar sein.“

Wenn dann die Ikarus 2 an die Ikarus andockt und man die Ursache des Scheiterns erkennt, wendet sich der Film plötzlich um 180° und aus dem beklemmenden Drama wird schon fast ein Horror-Slasher wie einst 28 Days. Diese Wendung und die damit einhergehende Stiländerung mag nicht jedermanns Sache sein, meiner Meinung nach ist sie aber genau das Richtige, wenn sie auch sehr plötzlich kommt. Wäre der Film über die gesamte Laufzeit so weiter gegangen, zwar atmosphärisch dicht und dadurch auch recht spannend, hätte vielleicht noch etwas gefehlt -so denk ich zumindest jetzt darüber. Die fremde Bedrohung innerhalb des eigenen Schiffs, die dadurch scheinbar scheiternde Mission im Zusammenspiel mit dem treibenden Score (zu dem wir hier im Blog noch einmal separat zu sprechen kommen) geben dem Film noch einmal einen Schub – im Zusammenhang mit den Vorgängen im großen (spannenden) Finale, bezogen auf die Bombe, im wahrsten Sinne des Wortes.

/SPOILER

Sunshine ist unglaublich atmosphärisch, visuell atemberaubend und akustisch fast perfekt. Was ihm dann noch fehlt, ist eine vielleicht etwas weniger langgezogene erste Hälfte. Hätte man das Tempo langsam erhöht, wäre es nicht zu solch einem Bruch gekommen, der dem Film zwar letztendlich gut tut, der mit einer etwas eleganteren Überleitung allerdings auch nicht so plötzlich gekommen wäre.

6 Kommentare

  1. Flo Lieb · Juni 6, 2009

    Da sieht man mal wieder, wie unterschiedlich Menschen ticken🙂
    Für mich war der Film bis zum Genrebruch sehr viel stärker. Er wächst aber mit jeder Sichtung. Muss ich mir mal auf Blu-Ray geben demnächst…

    Gefällt mir

  2. Xander · Juni 6, 2009

    Das glaube ich im Übrigen auch, dass er mit jeder Sichtung seine Wirkung verstärkt. Und ja, auf Blu Ray ist er zumindest optisch super.

    Gefällt mir

  3. bullion · Juni 9, 2009

    Für mich hat der Film auch nur bis zum Genrebruch wirklich funktioniert. Sollte ich irgendwann noch einmal eine zweite Chance geben.

    Gefällt mir

  4. Pingback: Kritik: 127 STUNDEN [2011] « at the movies – filme. tv. sowas.
  5. Pingback: Sunshine (2007) « of bastards and dwarves
  6. Pingback: TRANCE – GEFÄHRLICHE ERINNERUNG [2013] |

Sag was dazu!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s