Kritik: ILLUMINATI [2009]


„Ich dachte, ich hätte mir bei der Kirche nicht all zu viele Freunde gemacht?“
– „Haben Sie auch nicht.“

Der Vatikan ist in Gefahr: Die Illuminati, ein Jahrhunderte alter Geheimbund, ist zurück. Nachdem der Papst gestorben ist, entführen sie vier Kardinäle, die als Nachfolgekandidaten in Frage kommen. Stündlich drohen sie einen zu töten und um Mitternacht einen Anschlag mit Antimaterie auf den Vatikan durchzuführen. In ihrer Verzweiflung wendet sich die katholische Kirche ausgerechnet an Robert Langdon…


Jetzt wurde es also wieder Zeit für Verschwörungstheorien, kirchliche Mysterien und „Rätselraten mit Robert“. Nach dem großen Erfolg von Sakrileg war es so gut wie sicher, dass auch Angels & Demons das Licht der Kinos erblicken würde, nicht nur deshalb, weil die Rechte an den beiden Büchern gleichzeitig erworben wurden. Sakrileg trug schon damas seltsame Früchte. Der Markt wurde überschwemmt von thematisch ähnlichen Romanen, TV-Filmen oder Dokumentationen. Am meisten bei mir eingeprägt hat sich noch das Galileo Spezial zum Thema, in dem Aiman Abdallah mit seinem Geldkoffer in der Hand den Nachfahren Christi aufspüren wollte. Das große Finale der Sendung: Sein Informant war kurz davor, das Geld anzunehmen und die Wahrheit zu verkünden (ich meine, in dem Koffer wären angeblich 1 Million Euro gewesen), hat sich dann aber kurzfristig anders entschieden. Man sah Aiman die Enttäuschung an. Ernsthaft. Was für eine Sensation wäre das geworden, wenn Pro Sieben mit einer Million Euro den Nachfahren Christi aufspürt! Aber zurück zum Thema.

Ob es hier zu einem weiteren bezahlten Urlaub für Aiman Abdalllah gereicht hat weiß ich nicht – doch ich vermute einfach mal: Nein. Dafür sind die Illluminati wohl nicht myseriös genug, die Verschwörungstheorien um sie einfach zu abwegig (obwohl: das ist kein Argument), der Film einfach zu belanglos. Ich gebe zu, ich kenne die Vorlage nicht, doch ich weiß zumindest, dass das kontroverseste an diesem Roman ist, ob er nun gut geschrieben ist oder nicht. Das die Kirche allerdings auch dieses Mal das Spiel fleissig mitgespielt und sich (natürlich) über den Film aufgeregt hat, ist nach Sichtung desselbigen umso erstaunlicher, kommt doch grade die Kirche besser weg als von mir erwartet, ja, in Teilen kommt sie mir sogar gar nicht so weltfremd vor (!), wie sie aber in Wirklichkeit wohl trotz allem ist. Das sich dies grade an einer Person festmachen lässt, deren Absichten dadurch, dass besonders zu Beginn all zu heftig in die andere Richtung gezeigt wird, deutlich werden, ist allerdings fatal. Durch diese überzeichnete Schwarz-Weiß-Malerei wird dem Zuschauer nur eines allzu schnell klar: „Ok, der Film sagt mir, der ist gut, der ist böse, und der vermutlich auch. Der Film sagt es mir nicht, er hämmert es mir in den Schädel. Da stimmt was nicht.“. Auch aus diesem Grund braucht man auf ein überraschendes Ende nicht zu hoffen, denn soo überraschend ist das dann alles nicht.

Der Weg dorthin beginnt allerdings stark. Der Score von Hans Zimmer läutet den Film eindrucksvoll ein und der gewollte harte Schnitt vom traditionellen Begräbnis des Papstes hin zu den Physikern von CERN in ihre kalten, unterirdischen Labore macht den Kontrast zwischen Kirche und Wissenschaft nur all zu deutlich. Doch dann wird der Wissenschaftler ermordet, Lagdon in den Vatikan gerufen und die Geschichte wiederholt sich: Mysteriöse Statuen, geheimnisvolle Verse und sagenumwobene Geheimbunde. Das ist zwar in schöne Bilder verpackt und auch wirklich nett anzusehen, aber so wirklich spannend ist das nicht. Als Zuschauer hat man kaum eine Chance mitzufiebern, geschweige denn mitzurätseln. Robert Langdon, der in der deutschen Fassung klingt, als wäre er ständig am Kaugummikauen während er spricht, weiß eigentlich auf alles eine Antwort, und das schon vorher. Man wird das Gefühl nicht los, er würde schon gerne zu Beginn des Filmes zur Kirche der Erleuchtung fahren, aber wartet noch, um es für uns spannender zu machen. Robert Langdon hat im Übrigen auch schon DREI Mal bis unendlich gezählt.

Illuminati ist also ein leidlich spannender Mystery-Thriller, der von einer Empfehlung ein gutes Stück entfernt ist, handwerklich aber gut genug gemacht ist, um durchaus guckbar zu sein. Tom Hanks spielt wie immer sich selbst und der Rest gibt sein Bestes, was aber immer noch zu wenig ist, um den Film in Erinnerung zu behalten.

6 Kommentare

  1. Pingback: Illuminati (2009) « isinesunshine.de
  2. lalia · Juni 4, 2009

    Empfehlung: Buch lesen. Das ist spannend umgesetzt und hat einen sympathischeren Hauptcharakter *g

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  3. Xander · Juni 4, 2009

    Blöd nur: Der Film macht gar keine Lust auf das Buch…

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  4. lalia · Juni 4, 2009

    dann leih es dir nur mal aus ^^

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  5. bullion · Juni 9, 2009

    Das Buch fand ich damals (als noch niemand von Dan Brown redete) klasse und werde mir deshalb auch den Film ansehen. Wahrscheinlich sogar noch heute – und das obwohl ich „The Da Vinci Code“ als Film ziemlich panne fand.

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  6. Pingback: ATM – Der Film 2009 « at the movies – welcome to the mainstream!

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