Kritik: FEMALE PRISONER #701: SASORI – SCORPION [1972]


„Kannst du nicht einfach mal ruhig sein?“

Nami Matsushima wurde von ihrem Geliebten verraten. Nach einem missglückten Racheversuch landet sie in einem der härtesten Frauengefängnisse Japans. Getrieben von dem Gedanken an Rache, erträgt sie auch die schlimmste Demütigung, um im richtigen Moment zuzuschlagen…


Die Laienspielgruppe Japan präsentiert in Zusammenarbeit mit dem Erfinder des unkoordinierten Zooms und dem Vollender der dämlichen Dialoge: „Hinter Gittern: Japan“.


(YouTube)

Naja, also ganz so schlimm ist es dann doch nicht. Ok, irgendwie schon. Wer (so wie ich) bis auf einige Ausnahmen eigentlich nicht so viel mit dem asiatischem Kino anfangen kann, für den mag Female Prisoner #701 schon harter Tobak sein. Wie schon angedeutet, besteht der Großteil des Films aus teilweise wirklich dümmlichen Dialogen. Reden um des Redens willen. Das die schauspielerischen Leistungen das ganze dann aber auch noch unterbieten, sollte hier nicht verschwiegen werden und erinnert (mich zumindest) so ein ums andere Mal an die Power Rangers, wo die Japaner ja auch nicht ganz unbeteiligt sind…

[Frauengefängnisfilm, der:
Der Plot der Filme ist meist einfach strukturiert: Eine größere Zahl gutaussehender Frauen wird in einem möglichst dreckigen und brutalen Gefängnis gefangengehalten. Ein banaler Vorwand gibt ihnen kurz vor Ende des Films die Möglichkeit, die Macht im Gefängnis an sich zu reißen und so für ein Happy End zu sorgen. Vor allem aber zielen die Filme ab auf zahlreiche Duschszenen, Catfights, Unterdrückung durch lesbische Wärterinnen und lesbischen Sex. Szenen dieser Art lassen sich mühelos in jede Filmhandlung integrieren.
Die Hauptrollen sind fast immer von klischeehaften Stereotypen geprägt: die gewalttätige lesbische Gefangene, die zusammen mit den Wärterinnen die Insassinnen des Gefängnis unterdrückt und zum Sex zwingt; das oft sehr junge und meist naive Opfer, das schon eine längere Zeit im Gefängnis einsitzt, sowie die unschuldig verurteilte Heldin, die die Unterdrückerin herausfordert und sich in einem meist gewalttätigen Ende auch durchsetzt.]

(via)

Diese scheinbar typische Struktur lässt sich, man glaubt es kaum, fast zu 100% auf Sasori übertragen. Und vielleicht ist genau das der Grund, warum der Film letztendlich doch mehr Spaß macht, als man(n) zugeben dürfte. Das was man hier sieht, ist im Grunde kein Melodram, kein Thriller. Die Story ist, so scheint es, 08/15, und dient nur dazu, Sex und Gewalt zu zeigen. Nichts also, worüber man anschließend noch diskutieren möchte oder worüber man sich womöglich die ganze Nacht den Kopf zerbricht. Für diese Art Film gibt es hier die Kategorie Jungsfilme.

Das Scorpion sich aber bewertungstechnisch im Mittelfeld aufhält (im positiven Sinne), lässt sich aber auch an seinem visuellen Einfallsreichtum festmachen. Oder, mit Wikipedia ausgedrückt: „Sein Werk […] kombiniert dabei Gewalt, Blut und Sex mit expressionistischen Bildern, innovativen Kameraeinstellungen und Schnitten, deren experimenteller Charakter dem Film eine noch größere Manga-Ähnlichkeit verleiht.“ – den letzten Halbsatz bitte wörtlich nehmen. Je nachdem, was ausgedrückt werden oder welche Grundstimmung in der Szene herrschen soll, wird anders beleuchtet, es gibt drehbare „Bühnenbilder“, Fussböden aus Glas mit Kameraeinstellungen von unten und ähnliche Dinge. Auch wenn der Film schon was älter ist und man es ihm auch jede Minute ansieht, wird optisch doch einiges geboten. Und nein, in diesem Absatz des Reviews sind einmal nicht die Frauen gemeint.

Sicherlich macht der Film bestimmt um einiges mehr Spaß, wenn man vorher ein paar Bier auf hat und sich zusammen mit Freunden einen spaßigen, sinnfreien Abend machen will. Doch auch so wird man nicht zu 100% enttäuscht und das ein oder andere Mal positiv überrascht. Und wenn schon nicht mal das, so dient der Film doch zumindest dazu, eine Bildungslücke zu füllen – wurde doch Tarantino auch zu einem Teil von Sasori zu Kill Bill inspiriert. Nicht umsonst ist der Titelsong auch Teil des Soundtracks von Quentins Rachesaga um die Braut.

Selbstverständlich hätte ich mich diesem Film auch wesentlich ernsthafter widmen können und die Story um die betrogene Geliebte mehr in den Mittelpunkt rücken können. Doch glaube ich zum einen kaum, das diese Ernsthaftigkeit die wahre Intention des Films ist und zum anderen hätte es nur halb so viel Spaß gemacht…

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5 Kommentare

  1. Wortman · Mai 30, 2009

    Jungsfilme *lach* meinst du, nur jungs gucken filme mit sex und gewalt? 😉

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  2. the gaffer · Mai 30, 2009

    dem würde ich (aus eigener Erfahrung) widersprechen. 😉

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  3. Xander81 · Mai 31, 2009

    Nein, natürlich nicht nur. Aber ich behaupte einfach mal es weiß jeder was gemeint ist, genau wie wenn man sagt „Mädchenfilme“.

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