Kritik: THE HAPPENING [2008]


„Ich kann Euch flüstern hören!“

Ohne Vorwarnung beginnen die Menschen im Central Park, sich seltsam zu verhalten und nach und nach Selbstmord zu begehen. Eine erste Theorie, nachdem es sich um einen Giftgas-Terroranschlag handelt, muss bald zurückgenommen werden, denn an immer mehr Orten im Nordosten Amerikas beginnen sich die Menschen so zu verhalten. Elliot Moore, der mit seiner Frau nach den ersten Selbstmorden zusammen mit einer befreundeten Familie auf’s Land fahren will, erlebt schon sehr bald am eigenen Leib, was die Ursache sein könnte…

Review enthält Spoiler.

Es gibt nicht viele Mystery-Filme, die man meiner Meinung nach gesehen haben sollte, doch erstaunlich viele gehen auf das Konto von M. Night Shyamalan: „The Sixth Sense“, „The Village“, „Signs“ oder „Unbreakable“: Auch wenn sich das Schema immer sehr ähnelte und von Film zu Film ein wenig abnutzte, so ist doch jeder dieser Filme immer noch sehr gut und absolut sehenswert. Mit „Das Mädchen aus dem Wasser“ wollte es Shyamalan dann mal etwas anders machen, wagte mit seiner Gutenacht-Geschichte dann aber doch zuviel und scheiterte grandios an der Belanglosigkeit seiner Story. Wo wir dann auch schon beim Thema wären.

Blumes des Schreckens“ hat es vorgemacht: Die Natur kann auf vielfältige Art & Weise zurückschlagen, und nicht immer sind es Tiere. Die Idee Shyamalans an sich mag ja nicht grundverkehrt sein. Spannung muss nicht durch Effekte oder generelle Reizüberflutung erzeugt werden, sie kann auch aus der Stille entstehen. Es ist die Art von Spannung, die sich langsam aufbaut, die einen bei der Vorstellung, das Gesehene könnte real werden, einen Schauer über den Rücken laufen lässt. Im Vergleich zu „The Happening“ fällt mir da jetzt spontan „Die Vögel“ ein, welcher allerdings um Klassen besser ist. Denn in „The Happening“ läuft das Entscheidende grundverkehrt: Die Ruhe erzeugt keine Suspense, keinen Grusel, in erster Linie erzeugt sie nur gepflegte Langeweile. Unterbrochen wird diese zwar immer mal wieder von stellenweise recht brutalen Selbstmorden, viel häufiger jedoch von den belanglosen Eheproblemen der Hauptdarsteller.

Und das ist doch alles mehr als ärgerlich. Wirklich, nach dem enttäuschenden „Das Mädchen aus dem Wasser“ dachte ich, vor allem, nachdem ich den Trailer gesehen hatte, „The Happening“ würde gut werden. Doch das ist er bei weitem nicht. Das fängt bei der Story an: Die Bäume setzen ein Gift frei, welches sich speziell gegen Menschen richtet, um sich gegen diese zu wehren, da sie die Menschheit neuerdings als Bedrohung empfinden. Naja. Da könnte man noch mit leben. Doch da das Ganze ja nicht sehr anschaulich ist, muss der Wind herhalten, damit der Zuschauer auch sieht, wann er Angst haben muss. Und so fragt man sich nicht nur die ganze Zeit, wo denn immer so schnell je nach Bedarf der Wind herkommt (es sei denn, die Bäume furzen das Gas), sondern man darf sich auch intelligente Oneliner anhören wie „Wir müssen vor dem Wind bleiben!“. Noch während ich überlegte, wie man das denn wohl am besten anstellt, wurde die Lösung präsentiert: Na klar, rennen. Und damit man auch sieht, wovor man wegrennt, und ob man denn auch immer noch „vor“ dem Wind ist, rennt man über eine Wiese, in welche unsichtbare Ventilatoren schön sichtbar das Gras niederwehen. Naja, könnte man ja noch mit leben. Doch wie schon leicht angedeutet, sind die Dialoge völlig daneben und werden zudem noch von völlig unmotivierten Schauspielern vorgetragen. Wirklich, man hat das Gefühl, diese wissen ganz genau, was sie da tun, nur kommen sie nicht mehr aus dem Vertrag raus. Oder, und das liegt eigentlich viel näher: Sie bekommen keinen anderen Vertrag und spielen nur mit, damit sie ihre Rechnungen bezahlen können.

Also, viel schlimmer konnte es dann wohl nicht kommen: Dumme Story (die vielleicht etwas mehr Potenzial gehabt hätte als genutzt wurde), dämliche Dialoge, schlechte Schauspieler – gibts was Gutes zu vermelden? Was heißt schon gut, aber die Selbstmordszenen sind zum einen ganz gut gemacht und teilweise recht einfallsreich, zum anderen regen sie auch etwas zum Lachen an (mein Highlight: Die Geigenszene aus den geschnittenen Szenen auf der DVD), so dass man kurzzeitig von dem restlichen Elend abgelenkt wird. Diese Tatsache und der Punkt, dass er immer noch besser als „Click“ ist, retten „The Happening“ seine drei Punkte.

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10 Kommentare

  1. fincher · Mai 17, 2009

    Wundert mich nicht, deine Bewertung. Von Shymalan mag ich eh nur „The Sixth Sense“, auch wenn der von Sichtung zu Sichtung in der Tat stärker abnimmt. Der Rest ist imho doch… bescheiden.

    Da müsste man mir schon einen gewissen Geldbetrag anbieten, um diesen „The Happening“ zu schauen. 😉

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  2. Xander · Mai 19, 2009

    Also bis auf „Lady In The Water“ fand ich den Rest eigentlich schon besser als „bescheiden“. Doch das mit dem Geldbetrag hätte ich in diesem Fall auch machen sollen…

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  3. Wortman · Mai 19, 2009

    So schlecht finde ich The Happening gar nicht, wenn man sich die botschaft darin ansieht.
    Ok, vom Action-Level her hätte es ruhig bisschen mehr sein können 😉

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  4. gameria · Mai 19, 2009

    Shyamalan mag ich eigentlich sehr. Sein Regiestil hat etwas, was mich immer wieder an Hitchcock erinnert (zumindest bis zur zweiten Hälfte von Lady in the Water).
    The Happening nun fand ich einfach NUR belanglos, langweilig. Null Emotionen, sondern eher unfreiwillige Komik. Das einzige Interessante an dem Film ist, wie sich die Leute wohl umbringen werden.
    Ich meine man spürt, was der Regisseur zu leisten fähig wäre, wenn die alte Hippie-Frau auf dem Land Amok läuft. Ansonsten (ja gut, die erste Szene ist auch noch kribbelig) ist der Streifen ein einziger Reinfall.

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  5. Xander · Mai 20, 2009

    @ Wortman: Ja schon, aber von der Botschaft mal abgesehen – da ist sonst nichts…

    @ gameria: Ganz deiner Meinung.

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  8. Trester · September 13, 2009

    Ich finde den Film Sehr gut. Die Spannung war echt da und die leute die denken der film sei sheisse….sieht euch lieber mal die botshaft an…was muss passieren bis man sich versteht oder wieder vereint. Das ist die botshaft, und vorallem das familie das wichtigste ist und das man sich lieben soll und sich schützen soll. Das wollte Shyamalan zeigen….Seht in euch nochmal an und probiert ihn zu verstehen bevor ihr kritisiert.
    Den Schluss muss ich zugeben fand ich nicht der hammer aber er war akzeptabel normal. Aber die Botshaft ist der sinn nicht die brutalität.

    übrigens kommt im Sommer 2010 “ The Last airbender “ Raus der auch von shyamaln stammt. Mal etwas ganz anderes von ihm der Trailer zumindest sieht Geil aus.

    Machts gut Leute..

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  9. Xander · September 15, 2009

    @ Trester: Ich glaube wenn jemand die Botschaft nicht verstanden hat, dann nicht der Verfasser der Kritik oder die Kommentatoren bis zum 30.07.09. Denn das Element der Familienvereinigung kommt in so gut wie jedem Genrefilm, explizit natürlich in den Blockbuster-Katastrophenfilmen vor und ist als Botschaft alleine natürlich sehr dünn. Oder meinst du allen ernstes es geht darum, dass sich die Leute erst wieder lieb haben, wenn die Bäume zurückschlagen? Vielmehr ist es wohl die Umweltbotschaft, die einem gaaanz unaufdringlich ein wenig ökologisches Bewusstsein eintrichtern will. Der Mensch als Bedrohung, die Natur wehrt sich. Was, wenn es wirklich so weit kommt?

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