Kritik: FREEZE FRAME [2004]


„Dinge, die man sich merken muss:
1.: Wer paranoid ist, hat die Fähigkeit zu denken verloren. Ich kann noch denken, also bin ich nicht paranoid!“

Vor etlichen Jahren wurde Sean Veil eines Verbrechens angeklagt, das er nie begangen hat. Obwohl die Verhandlungen abgebrochen wurden und er nicht verurteilt wurde, erleidet er dem Wahn, sich ständig und überall mit der Kamera zu filmen – um in Zukunft das perfekte Alibi zu haben. Eines Tages jedoch wird er wieder eines Mordes beschuldigt – und die Aufnahmen aus der Zeit des Verbrechens sind scheinbar die einzigen der letzten zehn Jahre, die fehlen und seine Unschuld beweisen können…


Wenn man sich Filme nur aufgrund ihre schicken Verpackung zulegt und sich vorher nicht erkundigt, worum es überhaupt geht, ob der Film gut sein könnte und sowas, dann kann das, muss das aber zwangsläufig nicht immer gut gehen. Natürlich soll diese Verpackung dann über den eventuell schlechten Inhalt hinwegtäuschen und Käufer anlocken, die für diese äußeren Reize empfänglich sind. Dies ist an manchen Tagen bei mir auch der Fall, und an manchen Tagen geht das dann aber auch fürchterlich schief („Deep In The Woods“ hatte ne recht schicke Hülle fand ich damals, jetzt seh ich das etwas anders…), an manchen Tagen kann das aber auch außerordentlich gut gehen: „Freeze Frame“ stand in einem schicken Steel Book im Regal und zusammen mit der doch recht interessanten Inhaltsangabe konnte sich der Film von da an als „gekauft“ betrachten.

Dabei hätten die ersten Minuten des Films durchaus auch genau das Gegenteil einläuten können. Da wird hektisch und modern geschnitten was das Zeug hält, Effektfilter über das Bild gelegt als sollte man ja nicht erkennen dürfen was da vor sich geht – wie gesagt, das war ja nur die Titel-Sequenz. Danach wurde es besser, viel besser. Veils Leben ist in Wirklichkeit gar keines, denn was er sich antut, das würde eigentlich niemand aushalten: Seine gesamte Wohnung, bzw. dem Aussehen nach sein Verließ, ist mit Kameras ausgestattet – Wohnbereich, Schlafzimmer, sogar das Klo. Der Zuschauer verfolgt sein Leben abwechselnd durch eben diese Kameras als auch als Außenstehender und so wird das Gefühl der Realität und Beklemmung nur noch mehr verstärkt. Der mitlaufende Timecode der Kameras informiert den Zuschauer immer wieder, welcher Tag gerade ist und wie spät. Und wenn man sich dann vorstellt, aus welchen Gründen Veil dies tut und dann sieht, was passiert, hat einen der Film gepackt und man will wirklich wissen, wie er das Problem löst. Veil wird erneut beschuldigt und aus seinem zehnjährigen Alibi fehlen eben die Kassetten, die seine Unschuld beweisen können. Ab jetzt wird dem Zuschauer eine falsche Fährte nach der anderen gelegt. Sind die Bänder echt? Wo sind die verschwundenen Bänder? Wer ist der Mörder, wenn nicht Veil? Meine während des Films aufgebaute Theorie zur Lösung dieser Fragen wurde dann, und das habe ich ja auch erhofft, am Ende natürich widerlegt.

Und eben dieses Ende ist es dann aber auch, welches den Film leider schlechter macht, als er verdient hätte. Es gibt eine Szene im letzten Drittel des Films, da hört man zwei Schüsse aus dem Off, sieht aber nicht, wer denn da jetzt wen erschossen hat. HIER hätte der Film zu Ende sein dürfen, wenn nicht sogar müssen und er hätte von mir mindestens acht Punkte erhalten. Alles was danach kommt, ist leider nicht mehr ganz so nachvollziehbar und zeigt sehr deutlich, warum die Darsteller keine Oscaranwärter sind. Was hier an Overacting präsentiert wird, ist schwer zu überbieten.

Ansonsten gibt es aber von meiner Seite aus nicht sehr viel mehr Negatives zu berichten. „Freeze Frame“ ist ein spannender Thriller um die Frage, wie weit man selber für das perfekte Alibi gehen würde. Die visuelle Inszenierung passt dabei perfekt zur Story und ist damit keinesfalls nur Mittel zum Zweck. Wie eingangs schon erwähnt – diesmal ist es gut gegangen.

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2 Kommentare

  1. bullion · Mai 13, 2009

    Hachja, den ersten Absatz könnte ich glatt so übernehmen. Inklusive „Deep in the Woods“, der immer noch – nur einmal gesehen – bei mir herumsteht. Das Digi ist aber auch fesch!

    „Freeze Frame“ hatte mir auch ziemlich gut gefallen, doch ob er gut genug ist für eine Zweitsichtung? Aber welcher Film – außer den persönlichen Klassikern – ist das bei der mangelnden Zeit schon?

    Welcome back auf jeden Fall! 🙂

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