Kritik: HERR LEHMANN [2003]


„Wieso glaubt ihr jetzt alle, dass der Zivilbulle ist?“
– „Na, wenn der auch immer Kristallweizen trinkt, ohne Zitrone.“

Herr Lehmann heißt eigentlich Frank und lebt in Berlin Kreuzberg, kurz vor der Wende. Nachts arbeitet er in der kleinen Kneipe „Einfall“, ansonsten geht er gerne mal mit seinen Freunden ein Bier trinken. Eines Tages verliebt er sich in die neue Köchin der „Markthalle“ und sie kommen auch zusammen, doch von ihm und seinen Freunden unbemerkt steuert sein Kumpel Frank in eine Lebenskrise. Er, der er doch als einziger einen Sinn in seinem Leben sucht…


Gar nicht so einfach, den Inhalt des Films kurz und knapp wiederzugeben. Es gibt sie einfach nicht, die den Film bestimmende, durchgehende Handlung, auf dessen Ende man gespannt sein darf. Man begleitet Herrn Lehmann dabei, wie er vor sich hin lebt, seine Mitmenschen erlebt und sich so seine Gedanken dazu macht. Der Film zeigt einen Ausschnitt aus seinem Leben, welches zwar nicht ganz langweilig und spannungsbefreit ist, in dem aber auch die echten Highlights fehlen.

Leider habe ich es bisher noch nicht fertiggebracht, das Buch, auf dem „Herr Lehmann“ basiert, zu lesen, kenne jedoch den größten Teil von „Neue Vahr Süd“ (auch hier noch nicht bis zum Ende gekommen), dem Nachfolgeroman, welcher das Leben von Frank vor der Zeit in Berlin beschreibt. Wenn sich Regener also seinem Stil treu geblieben ist, meine ich also schon beurteilen zu können, wie der Film diesen umgesetzt hat. Genau dieser Schreibtstil ist es nämlich, der meiner Meinung nach schwer in den Film zu transportieren ist. Frank hat zu allem eine Meinung und im Buch wird einem diese auch gerne mitgeteilt. Wenn auch nicht anhand durch Dialoge mit anderen, so teilt sie einem der Erzähler mit. Und so ist man ständig in Franks Kopf und sieht, wie er die Welt sieht. Dies ist im Film leider nicht so.

Dabei ist die Schuld nicht bei Christian Ulmen zu suchen. Ihm nehme ich den Herrn Lehmann zu jeder Zeit ab. Doch er kann auch nicht gegen die scheinbar lieblose Umsetzung anspielen, behält der Zuschauer doch immer eine gewisse Distanz zu den Protagonisten, was schade ist. Man sieht Herrn Lehmann zu, seinen Freunden, dem, was sie tun. Aber man fühlt nicht mit ihnen, kann ihre Handlungen nicht immer nachvollziehen, es ist halt einfach so. Warum genau verliebt sich Frank noch mal in „die schöne Köchin“ (die ich gar nicht so schön finde, davon mal ab)? Wieso dreht Karl von einem Moment auf den anderen so durch, wenn das so wichtig ist, warum wurde das nicht mehr bzw. früher thematisiert? Was hat es mit dem Hund auf sich? Wer ist noch mal Kristall-Rainer, wo kommt er her, warum ist er überall, wo all die anderen sind und warum verliebt sich Katrin dann urplötzlich in ihn, wenn Frank mal kurz verhindert ist? Man weiß es nicht und wird es nie erfahren. Der unbeteiligte Zuschauer soll gefälligst froh sein, dabei sein zu dürfen. Das geht ihn ja alles gar nichts an.

Das ist eigentlich sehr schade, denn hätte man die Charaktere etwas mehr ausgebaut, ihnen einen Hintergrund oder eine gewisse Tiefe gegeben, würde der Film nicht so an einem vorbeiplätschern, er wäre einem nicht so egal. Die guten Ansätze sind ja da, der Wortwitz ist schon recht komisch, und die letztendliche Trennung Franks von Katrin in der Dönerbude ist ganz großes Kino. Diese Szene ist mein persönliches Highlight des Films. Mehr Highlights hat der Film dann auch nicht und wird deshalb erstmal einige Zeit im Regal verbringen müssen, bis ich ihn vielleicht mal wieder gucke…

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5 Kommentare

  1. Nirak · März 10, 2009

    Lieber Xander, entschuldige, aber wenn der Bericht nicht einfach ist, lese ich ihn .. einfach später, weil morgen ist es ja schon wieder mal.

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  2. Xander · März 10, 2009

    Kein Problem, wird ja niemand gezwungen hier 😉

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  3. Flo Lieb · März 10, 2009

    Ich empfand es als eine sehr gelungene Adaption, die grade essentielle Szenen mit in die filmische Umsetzung mitgenommen hat. Mir gefiel der Film auch sehr viel besser, als er nun hier bei dir weggekommen ist.

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  4. Xander · März 10, 2009

    Kennst du denn das Buch? Vielleicht liegt es daran…

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    • Flo Lieb · März 11, 2009

      Ja, klar. Ein geiles Buch, zum Schießen. Deswegen meinte ich ja, der Film sei eine sehr gelungene und getreue Adaption. Besser noch als NVS und auch nicht so dick. Schöner Schmöker.

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