Kritik: WATCHMEN – DIE WÄCHTER [2009]


„Und wer will schon einen Cowboy im Weißen Haus?“

Der Comedian ist tot. Einst Mitglied der Watchmen, Superhelden ohne Kräfte, die kostümiert das Verbrechen bekämpften, bis der Keen-Erlass dem einen Riegel vorschob. Rorschach glaubt an einen Serienmörder, der es auf maskierte Helden abgesehen hat – und ahnt nicht, wie sehr er damit daneben liegt…


Was gab es für einen Wirbel um die „Watchmen“ – die Graphic Novel galt als unverfilmbar, mehrere Regisseure wollten erst, dann doch nicht, und als sich dann einer gefunden hat (und grade DER) gab es noch Wirbel um das Copyright. „Watchmen“ gilt als das beste Comic aller Zeiten – mit tiefgründigen Charakteren und einer intelligenten Story, dabei nie wirklich eindeutig und vor allem nicht so flach und unkritisch wie so manch anderer Comic. Fans des Comics hatten Angst, dass ein Film diesem Werk nie gerecht werden könne und Nichtkenner der Vorlage konnten den ganzen Hype wahrscheinlich nicht verstehen. Auch ich nicht, hatte ich doch zuvor nie von den Wächtern gehört und fand ich doch den ersten Trailer ziemlich konfus und uninteressant. Doch so schnell gab ich nicht auf und legte mir den Comic zu – irgendetwas musste da doch dran sein.

Und es war etwas dran. Aber was würde dran sein am Film? Würde er den, jetzt auch meinen, Erwartungen gerecht werden?

Zack Snyder jedenfalls brachte in meinen Augen nicht die besten Voraussetzungen mit. „300“ war vielleicht visuell hochkarätig, blieb aber inhaltlich völlig auf der Strecke und war somit in keinster Weise eine Empfehlung für ihn. Zumindest was die Optik angeht, wird Snyder seinem Ruf gerecht. „Watchmen“ sieht genial aus und wirkt bisweilen, als hätte er die einzelnen Panels abgefilmt, so nah bleibt er an der Vorlage. Doch gutes Aussehen alleine reicht ja oft nicht (siehe auch hier „300“), so muss der Film auch in anderen Bereichen zu überzeugen wissen. Und was soll ich sagen – dass tut er, jedoch in anderer Form, als erhofft.

„Watchmen“ kann man, und sollte man vielleicht auch, nach zwei Maßstäben bewerten. Da gibt es zum einen den schon eingangs erwähnten Kenner der literarischen Vorlage. Er kennt die Figuren, er kennt den Ausgang der Geschichte, weiß um die Hintergründe der Personen Bescheid. Und dem fallen natürlich die vorgenommenen Änderungen auf. Im Comic singt nicht Nena von 99 Luftballons, als sich Laurie und Dan zum Essen verabreden. Es ertönt kein „Halleluja“, wenn Dan dann nach einem missglückten Versuch dann doch noch „zum Schuss“ kommt. Und überhaupt wird man Gott sei Dank von unpassenden zeitgenössischen Popsongs verschont. Dieser Zuschauer weiß aber auch, dass Sex, Gewalt und Action in der Graphic Novel eher zweitrangig sind, steht doch die Geschichte mehr im Vordergrund. Dies ist im Film bei Weitem anders – sobald sich eine Szene anbahnt, in der mal etwas los ist, wechselt der Film schlagartig die Richtung und wandelt sich zum durchgestylten brutalen Actioner. Das dies nur bedingt passend ist, dürfte dann aber auch jedem anderen auffallen. Denn wo sich Snyder ansonsten fast sklavisch an die Vorlage hält, kommt hier wieder der Spartaner zum Vorschein, und das ist nicht als Lob gemeint. Und der „Watchmen“-Neuling? Der wird sich eventuell fragen, was das alles soll, was er da sieht. Natürlich mussten für die Leinwand Änderungen und Kürzungen vorgenommen werden, und der Film für sich könnte Fragen zurücklassen. Doch das möge mir bitte noch jemand bestätigen, der den Film ohne Vorkenntnisse gesehen hat.

Und so ist „Watchmen“ eine optisch Vorlagen getreue Verfilmung, der jedoch durch die pedantische Übernahme fast jeder Szene etwas Seele fehlt. Man sieht, was man kennt, ihn bewegten Bildern – was aber natürlich auch positiv gemeint ist. Negativ fällt der Soundtrack auf, die übertriebene Gewalt und Eskalation so mancher Szene und wie diese in das Gesamtbild passen. „Watchmen“ ist ein guter Film, keine Frage. Doch den Eindruck, den er hinterlässt, verdankt er der starken Vorlage, ohne die Snyder womöglich aufgeschmissen wäre, denn etwas wirklich neues kann er dem nicht hinzufügen.

Kritik zur Graphic Novel

38 Kommentare

  1. Wortman · März 5, 2009

    Ich kenne die Comics nicht. Wenn ich ihn sehen sollte, sag ich Bescheid, ob ich was vom Film kapiert habe 🙂

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  2. lalia · März 5, 2009

    will ihn auch sehen *seufz* doch das heißt, entweder allein ins Kino, oder abwarten. *grummel*

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  3. Wortman · März 5, 2009

    Läuft der denn schon im Kino?

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  4. the gaffer · März 5, 2009

    „Und so ist “Watchmen” eine optisch Vorlagen getreue Verfilmung, der jedoch durch die pedantische Übernahme fast jeder Szene etwas Seele fehlt.“

    Sehr schön, dass noch jemand anderes so denkt. Bisher sind mir nämlich nur Kritiken untergekommen, die den Film entweder als nächsten Dark Knight feiern oder ihn richtig runtermachen.
    Böse kann ich dem Snyder jedenfalls nicht sein, da meine Lieblingssequenz aus dem Comic (Dr. Manhattans Flashback auf dem Mars), einer der Momente im Film ist, in dem der erzählten Geschichte tatsächlich mal Leben eingehaucht wird.

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  6. Wortman · März 8, 2009

    *boah* Grade Watchmen geguckt… hammergeil 🙂 Das wird einer meiner Lieblinge neben Sin City 🙂

    Zuerst etwas irritierend und nicht so ganz durchgestiegen (kenn die Comics nicht) aber der Film hat was.
    Rohrschach ist einfach genial 😉
    anscheinend kapier ihr es alle nicht. ich bin hier nicht mit euch eingesperrt. ihr seid hier mit mir eingesperrt
    Da sag ich nur *yeah* 🙂
    Ich glaub, ich bin ziemlich pervers 😆

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    • schaezle · März 8, 2009

      Rorschach schreibt man ohne H 😉
      Das war auch mein Lieblingssatz in diesem Film.

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    • Wortman · März 8, 2009

      @schaezle: Reiner Tippfehler, obwohl ich nicht weiß, was Rainer damit zu tun hat *lol*

      Gefallen hat mir auch Rorschachs Bemerkung von „Moment, muss noch ein kleines Geschäft erledigen“ und geht auf die Knasttoilette 🙂

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  7. Xander · März 8, 2009

    Pervers wohl nicht, aber scheinbar recht begeistert!
    Und ich rate dir dringendst, bei so viel Begeisterung, die Vorlage kennen zu lernen!

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  8. Wortman · März 8, 2009

    Ist wahrscheinlich noch um Längen besser, oder? 😉
    Könnte mich beeumeln, wie schön die Musik passt…. wenn z.B. Laurie und Dan rumpoppen zu Leonard Cohens „Hallelujah“ 😀
    *aua* hab ich nur bei der 99 Luftballon-Nr. gerufen 😉

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  9. Xander · März 8, 2009

    Naja, meine Meinung zu der Musik steht ja oben…

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  10. Wortman · März 8, 2009

    weiß ich Xander 😉

    Da ich die Comics nicht kenne, kann ich rein nur über den Film reden: Mir gefällt grade diese „Abartigkeit“ der Superhelden. Im Grunde abgebrühte Fieslinge, die vor nichts zurückschrecken. Als eine Art Symbol für die untergehenden Prinzipien unserer Gesellschaft.
    Niemand ist nur „gut“. Vielleicht ist das auch die Faszination dieser Helden, dass sie eben auch böse sind. Mehr oder weniger. Deswegen sind auch die beiden neuen Batman-Filme irgendwie ein bisschen „realer“. Nicht mehr dieses edle Saubermann-Image wie Superman oder der alte Batman usw.

    Sicherlich steht hier die Action ziemlich im Vordergrund, und grade Rohrschach wird einigermaßen mit Klischee bekleckert… so wie man schnell widerlegt, dass der Comedian eben gar nicht so lustig war…

    Für mich persönlich wird die DVD (wenn sie erscheint) einen Platz direkt neben Sin City erhalten 😉
    Ach ja: Sag niemals zu mir, ich wäre nicht pervers 😉
    Jigsaw hat mich kopiert 😆

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  11. Xander · März 8, 2009

    Die DVD wird ja noch mal um einiges länger im Directors Cut – ist schon angekündigt.

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  12. Wortman · März 8, 2009

    ich warte eh auf diese version 🙂

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  13. lalia · März 8, 2009

    me too ^^
    und dann in edition comic… mit allen 12 Alben ^^

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  14. Xander · März 8, 2009

    @ lalia: Wenn man die noch nicht hat, verständlich. Wird es das auch geben?

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  16. lalia · März 8, 2009

    keine Ahnung, aber hoffen, darf man ^^

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  17. Xander · März 8, 2009

    Wer im übrigen noch über den Film, seine Aussage und Wirkung diskutieren möchte, dem sei dieser Beitrag beim Wortvogel empfohlen:
    http://wortvogel.de/?p=4989

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  18. Wortman · März 8, 2009

    War schon drüben 🙂

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  19. gameria · März 8, 2009

    Finde es eine sehr nachvollziehbare und angemessene Kritik. Als Nicht-Kenner der Comics hab ich mich zwar nie gelangweilt, weil die Atmosphäre schon sehr dicht war – aber etwas mehr Tempo hätte der Adaption sicher gut getan. Ansonsten: ist halt ein Film der Ideen/Weltsichten und das hat er sehr gut rüber gebracht.

    Beim Soundtrack hat mich persönlich etwas gestresst, dass TB ständig alles zusammenklaut. Bereits 300 war ein einziges Plagiat verschiedenster Soundtracks. Und auch in Watchmen ist zum Beispiel die stärkste Sequenz – Manhattans Flucht und Flashback (da schliesse ich mich THE GAFFER an) – mit dem Soundtrack von Koyaanisqatsi unterlegt. Ich muss zugeben, da passt er hervorragen hinein (und macht die Sequenz vermutlich gerade so besonders), aber ein bisschen mehr Eigeninitiative erwarte ich von nem „Komonisten“ schon.

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    • Xander · März 8, 2009

      Das dies die stärkste Szene ist, kann ich auch unterschreiben. Dem Comic so ähnlich, und doch eigenständig. Unvorstellbar, wäre der ganze Film so geworden!

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  20. Pingback: Filme, die die Welt nicht braucht: Watchmen (USA/CDN/GB 2009) « the gaffer
  21. julien thoma · März 16, 2009

    der film ist ********** wie ihr ganzen **********
    ********* **** **** ***** und guckt watchmen der film ist sowas von grottig ich will mein geld zurück

    Edit: Muss ja nicht, sowas. Geh lieber zur Schule.

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    • Wortman · März 16, 2009

      @Julien: Bei deinem Sprachgebrauch hätte Jigsaw die reinste Freude an dir 🙂

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    • gameria · März 16, 2009

      muahahahahaaa! wie besoffen muss man sein!! interessanter, überaus sinnvoller Post, der in puncto Argumentationsstruktur wohl alle unseren bisherigen Kommentare wie plumpe Gehirnfürze erscheinen lässt!!

      @Wortman: die Figur, die Mark Wahlberg in THE DEPARTED gespielt hat (das Original, INFERNAL AFFAIRS, ist einfach besser), wäre sicherlich auch ziemlich stolz auf ihn gewesen

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  22. Wortman · März 16, 2009

    @gameria: Ich hab Departed-Unter Feinden nicht gesehen. Allerdings ist Wahlberg ein recht brauchbare Schauspieler.
    Spielt da nicht auch Leo die Pizza mit?

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  23. gameria · März 16, 2009

    Yep. Wie bereits gesagt: trotz der sehr guten Leistungen seitens Leo Pizzaman und Matt Damon, leg dir lieber die asiatischen Filme (gibt ne ganze Trilogie) zu. Sehr gut ist dies meiner Meinung nach hier begründet: http://cine.plomlompom.de/archiv/1475/
    Auch wenn ich nicht allem dort geschriebenen ohne Anmerkungen zustimme.

    sorry für die off-topic xander 🙂

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  24. Xander · März 16, 2009

    Och, is nich so schlimm. Besser als solche Kommentare wie weiter oben 😉

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  25. Wortman · März 16, 2009

    @Gameria: Ich bin eh der Asiaten-Kino-Fan 🙂
    Werd mich da mal umsehen.

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  26. Kritiker · April 21, 2009

    ALso, FAZIT: ICh habe mir dieses Werk mal angeschaut!

    Wie sagt man so schön: Hunde, die bellen, beißen nicht! MIt anderen Worten: Watchmen, viel Lärm um Nichts! Denn das ist es was der Film hinterlässt!

    Man zieht nun aus den tiefsten Kisten irgendwelche Stories und viel Hype dum herum, noch mehr Hype drum herum und am ENDE -> Schrott!

    Dieser Film ist nicht mal der EIntritt im Kino wert, einfach warten, bis er in der Videothek erscheint oder besser, bis dieser im TV läuft! Denn man hat nichts verpasst!!!

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